Hatte ich geschrieben, dass bei Sigur Rós die Einlasszeit etwas sehr früh angesetzt gewesen war? Nun, beim Blur-Konzert für den kommenden Ab...

It all passed in a Blur: Blur im römischen Ippodromo delle Capannelle

Hatte ich geschrieben, dass bei Sigur Rós die Einlasszeit etwas sehr früh angesetzt gewesen war? Nun, beim Blur-Konzert für den kommenden Abend hatte man sie um eine weitere Stunde nach vorne verlegt! Ganz so früh waren wir dann doch nicht angereist, standen aber dieses Mal noch deutlich vor 8 Uhr abends vor der Bühne und warteten - wiederum ohne Vorband - darauf, dass es endlich Viertel vor 10 wurde. Dass die auf den LED-Wänden neben der Bühne gezeigten Videos und Werbespots dieselben wie am Vorabend waren, ließ diese "Ablenkung" eher zur Folter werden.


Das Publikum um uns herum war ein anderes als am Vorabend und vor allem sehr viel fröhlicher (man könnte in zahlreichen Fällen auch "betrunkener" schreiben). Nachdem ich selbst mich im Blur-Back-Catalogue eher mäßig auskenne, war ich darüber überrascht, dass die Italiener während der Wartezeit wieder und wieder "Tender" anstimmten ("Oh my baby / Oh my baby / Oh why? / Oh my") - das kannte ich nämlich im Vorfeld überhaupt nicht, scheint aber südlich der Alpen Blurs größter Hit überhaupt zu sein.


Die offizielle Konzert-Beginn-Zeit kam und verstrich, von Blur war nichts zu sehen. Erst mit 30 Minuten Verspätung erschienen Damon, Graham, Alex und Dave begleitet von vier Backgroundsängern und drei Bläsern auf der Bühne und lösten mit dem ersten Song "Girls and Boys" in der Menge sofort begeistertes Toben aus. Damon spritzte literweise Wasser ins Publikum, alle sprangen auf und ab, man sang und brüllte. Seltsamerweise wurde man bei alldem als etwas ruhigerer Konzertbesucher nicht oder zumindest kaum herumgestoßen oder angerempelt: Die "Nachbarn", um deren Konzertgebahren und Alkoholpegel ich mir im Vorfeld bereits ein wenig Sorgen gemacht hatte, zogen alle nach weiter vorne ab.


Während "Popscene" und "There's No Other Way" tobte die Menge weiter, bis ihr "Beetlebum" einen ersten Stimmungsdämpfer versetzte. Das lag natürlich an der Langsamkeit des Songs, allerdings gab es für vorbereitete Konzertbesucher noch einen zusätzlichen Stimmungskiller: Blur haben nämlich momentan für Festivals eine feste, aus 17 Songs bestehende Setliste. Bei "eigenen" Konzerten spielen sie aber mindestens zwei Lieder mehr, und das erste von ihnen hätte vor "Beetlebum" kommen müssen. Folglich wurde uns an diesem Punkt klar, dass an diesem Abend die Festival-Setliste zum Einsatz kam - angesichts der langen Wartezeit eine ziemliche Enttäuschung.


Es folgten - wegen der Vorab-Bekanntheit der Setliste nicht unerwartet, aber für ein "Best-of-Set" dennoch ziemlich kurios - "Out Of Time", "Trimm Trabb" und "Caramel". Bei "Out Of Time" wurde um mich herum noch ergriffen mitgesungen, mit den anderen zwei Songs (beide vom eher sperrigen Album "13") wurde das Publikum dann definitiv nicht mehr richtig warm. Gut, dass darauf "Coffee and TV" folgte, das die Stimmung wieder verbesserte.

Bereits während der Wartezeit hatten wir gesehen, dass zwei Konzertbesucherinnen die Milchkartons aus dem zugehörigen Video ziemlich perfekt nachgebastelt hatten. Diese waren schon bei vorausgegangenen Liedern hochgehalten und durch die Menge gereicht worden und traten nun, bei ihrem eigenen Lied, besonders stark in Erscheinung. Schade, dass die Band diese sicherlich anstrengende Bastelarbeit mit keinem Wort würdigte - wobei ich natürlich auch nicht weiß, mit wie vielen nachgebastelten Milchpackungen sie im Laufe ihrer Karriere bereits konfrontiert wurde.


Ansonsten konnte man Blur nicht vorwerfen, keine Begeisterung zu zeigen: Alle Mitglieder der Band waren völlig verschwitzt, wirkten dabei fröhlich und schienen alles zu geben. Damon sprach als einziger und erklärte, er wisse zwar nicht, wann man zuletzt in Rom gewesen sei, es sei aber offensichtlich zu lange her. Außerdem wollte er anschließend mit uns allen ausgehen.


Weiter ging es mit dem mir mittlerweile aus den Fangesängen bestens bekannten "Tender". Darauf folgten "Country House", bei dem sich Damon ins Publikum stellte,  und "Parklife", das er offensichtlich nur mit einer albernen Plastiksonnebrille darbieten darf. Wir blieben also auf sicherem Hit-Terrain, bevor nach "End of a Century" mit Blurs eigenem Favoriten "This is a Low" bereits das letzte Lied des Sets gespielt wurde.

Natürlich gab es, trotz der wiederum ausgesprochen schweigsamen Zugabeforderungen, noch einen Nachschlag, der aus vier Songs bestand. Das Finale "Song 2" sorgte selbstverständlich wieder für kollektives Ausflippen, danach war endgültig Schluss.


Zeit für uns, wieder den Veranstalterbus zurück in die Innenstadt zu nehmen, dessen Zugangskontrolle wieder genauso chaotisch organisiert war wie am Vortag - immerhin wir hatten aber mittlerweile Routine gewonnen. Der Konzertabend ließ auf der anschließenden Reise ins Hotel gemischte Gefühle zurück: Die Band hatte einen begeisterten und engagierten Eindruck gemacht und nicht zuletzt sehr gut gespielt, sich aber für eine etwas merkwürdige Songauswahl entschieden, die dauerhafte Begeisterung geradezu unterband. Hinzu kam die lange Wartezeit auf den Auftritt, gefolgt von einer eher kurzen Setliste: Der Hauptauftritt ohne die vier Zugabensongs hatte um die 75 Minuten gedauert. Möglicherweise hatte aber gerade der verzögerte Auftritt (an dem wohl technische Probleme schuld waren) dazu geführt, dass man eben nicht länger spielen konnte?


Setliste:

Girls & Boys
Popscene
There’s No Other Way
Beetlebum
Out Of Time
Trimm Trabb
Caramel
Coffee & TV
Tender
Country House
Parklife
End Of A Century
This Is A Low

Under The Westway
For Tomorrow
The Universal
Song 2

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