Christi Himmelfahrt. Für die einen ein Tag, um betrunken einen Bollerwagen hinter sich herzuziehen, für die anderen Anlass für eine Proz...

Ich reite morgen wieder los ...



Christi Himmelfahrt. Für die einen ein Tag, um betrunken einen Bollerwagen hinter sich herzuziehen, für die anderen Anlass für eine Prozession. Für mich bedeutet der Feiertag nun im vierten Jahr etwas anderes, denn er steht auch für die letzte Ruhepause vor dem Maifeld Derby. Morgen geht es dann, dem Brückentag sei Dank, also wieder einmal zum an Pferdemetaphern nicht armen Festival auf dem Maimarktgelände in Mannheim - einem Reitplatz.

Nachdem ich letztes Jahr ein wenig meckern musste, bin ich gespannt, ob 2014 alles wieder reibungslos funktioniert. Die Anzeichen sprechen dafür: So war ein stets sympathisches Feature des Festivals, dass es zahlreiche Aktionen am Rande gab, die erkennen ließen, dass die Organisatoren Spaß bei der Planung gehabt hatten, etwa, wenn es um die Dekoration des Geländes ging oder Events wie eine Fahrradtour aus der Mannheimer Innenstadt zum Gelände mit anschließendem "Privatkonzert" für die Radler.

Nachdem ich letztes Jahr keine derartigen Sonderfeatures entdecken konnte, gibt es 2014 erstmalig den Wettbewerb "Steckenpferd-Dressur", in dem die Festivalgäste am Sonntag gegeneinander antreten können. Auf der zugehörigen Website werden die zugehörigen Steckenpferde liebevoll charakterlich beschrieben und außerdem erklärt, welche Aufgaben von den Teilnehmern absolviert werden müssen.


Dem Sieger winken VIP Tickets fürs Maifeld Derby 2015. Dass ich selbst teilnehme, glaube ich eher nicht, aber es freut mich dennoch, dass sich jemand dieses Quatschevent ausgedacht hat - zusehen werde ich gerne, während ich am Sonntag auf den Auftritt von The National warte.

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Dieses Jahr an Ostern schenkte mir mein Freund eine Karte fürs Electronic Beats Festival in Köln. Das ist normalerweise nicht ganz meine ...

Neulich beim Rave: Goldfrapp im Kölner E-Werk


Dieses Jahr an Ostern schenkte mir mein Freund eine Karte fürs Electronic Beats Festival in Köln. Das ist normalerweise nicht ganz meine Geschmacksrichtung, aber in diesem Fall hieß der Headliner Goldfrapp. Dennoch war ich etwas besorgt: Würden wie die einzigen Gäste über 20 sein? Für das "Festival" waren fünf Bands vorgesehen, dazwischen sollten DJs auflegen. Würden Goldfrapp vielleicht zwischen 4 und 5 Uhr morgens auftreten? Und was machte diese Band, deren letztes Album "Tales of Us" an getragener Ruhe kaum zu überbieten war, eigentlich bei einem Festival, dessen Ziel doch sicherlich war, dass alle Besucher so richtig schön verschwitzt abtanzen?


Bei unsere Ankunft am E-Werk wurden wir zunächst mit der Information konfrontiert, dass die Band Milky Chance, auf den Plakaten die wichtigste Band nach Goldfrapp, hatte absagen müssen. Nachdem ich Milky Chance überhaupt nicht kenne, konnte ich ihren Verlust durchaus verschmerzen, ich begrüßte ihn sogar, wenn das bedeutete, dass ich am Abend nach einem Arbeitstag vor 4 Uhr ins Bett kam ...

Der Einlass am E-Werk erwies sich als durchaus Festival-mäßig, man wurde nämlich aufs Genaueste auf Essen und Getränke durchsucht. Während vor uns einer jungen Frau nicht nur eine halbe Tüte Kekse abgenommen wurde, sondern sie auch genötigt wurde, eine noch vorhandenes halbes Käsebrötchen noch schnell hektisch aufzuessen, oder es ebenfalls wegwerfen zu müssen. Beim nächsten Versuch, die Einlasskontrolle zu passieren, wurde sie ganz im Ernst gefragt "Du hattest doch vorhin noch einen Kaffee...?". Ich nehme an, die Besucherin hatte ihn ganz durchtrieben in ihrem Magen versteckt.


An einer richtigen Bändchenausgabe bekamen wir neben unseren "Festivalbändchen", die als Möglichkeit genutzt wurden, dem auch sonst allgegenwärtigen Sponsor T-Mobile noch etwas mehr Werbefläche zu bieten, Gutscheine für ein noch nicht terminiertes Ersatzkonzert von Milky Chance. Ob ich dort wohl hingehen werde? Während an diesem lauen Frühsommerabend der Biergarten des E-Werks gestopft voll war - man konnte Grillwürstchen kaufen, natürlich Getränke konsumieren und sich außerdem Hipsterbeutel bedrucken lassen - war der Innenraum noch ziemlich leer, obwohl der Auftritt von Vimes bereits im Gange war.


Das Kölner Duo war auf der Bühne ein Trio und machte, soweit ich das anhand der vielleicht drei Lieder, die wir mitbekamen, beurteilen konnte, recht angenehmen Synthie-Pop. Als nächstes kam, nach einer kurzen Pause, während der DJs auf einem Balkon elektronische Musik auflegten, Mac DeMarco. Den kanadischen Künstler hatte ich ebenfalls vor diesem Abend überhaupt nicht gekannt, ließ mir aber von meinem Freund versichern, er werde im Moment extrem gehyped.

Spätestens jetzt wurde auch klar, dass man beim Booking den "Electronic Beats"-Titel des Festivals nicht nur bei Goldfrapp ein wenig beiseite gelassen hatte. DeMarco, der mit Band auftrat, aber eigentlich ein Solokünstler ist, macht eher Slackerrock, der zudem auch noch ausgesprochen un-elektronisch klingt.


So richtig verstanden habe ich diesen Auftritt, denke ich, nicht. Wie so oft momentan erschien alles, von der 90er Jahre-Frisur des Künstlers über den "Jurassic Park"-Truckerhut des Gitarristen bis hin natürlich zur Musik so wahnsinnig ironisch, dass es mich nervte. Beim ersten Song riss DeMarco eine Gitarrensaite, was er damit kommentierte, dass es schon bizarr sei, dass ihm das ausgerechnet beim Electronic Beats Festival passieren würde. Der Gitarrist überbrückte das Aufziehen einer neuen Saite mit einer angeblich selbst verfassten und absichtlich schlecht gesungenen Power-Ballade, bei der es sich um "Yellow" von Coldplay handelte.


Zwischen den gespielten Songs geizte DeMarco nicht mit ironischen Zwischenansagen, die den Kontrast zwischen der recht sanften Musik und der Rampensau-Persönlichkeit des Künstlers unterstrichen. Das war sicher auch ironisch. Ebenfalls auffällig waren seine kurzen Lacher und seine markante Zahnlücke. Mit "Still Together", das frappierend an "The lion sleeps tonight" erinnerte, endete das Set nach 10 Titeln und rund 40 Minuten.


Setliste:

Salad Days
The Stars Keep On Calling My Name
Blue Boy
Treat Her Better
Cooking Up Something Good
Let Her Go
I'm A Man
Ode To Viceroy
Chamber of Reflection
Still Together


Endlich Zeit für Goldfrapp. Beim Aufbau wurden jede Menge völlig unelektronische Instrumente auf die Bühne getragen, beispielsweise ein Kontrabass und eine Mandoline. Alles wurde ganz exakt vorbereitet, etwa das Mikrophon ganz genau auf Alisons (vermutete) Höhe eingestellt, Scheinwerfer und Windmaschinen millimetergenau auf sie ausgerichtet sowie ein Sortiment von Wasser und heißem Tee bereit gestellt. Man bekam den Eindruck, dass die Band Wert auf Präzision legt und diese auch beim Personal durchsetzt.


Bei Auftrittsbeginn fand sich eine ganze Gruppe von Musikern ein, allerdings nicht die weniger berühmte Hälfte des Duos, Will Gregory, der anscheinend an den Liveauftritten seines Projekts nicht mehr teilnimmt. Stattdessen gab es einen Gitarristen, einen Schlagzeuger, einen Bassisten, der auch den Kontrabass spielte, eine Keyboarderin, die auch die Mandoline und Geige spielte sowie eine zusätzliche Dame an einem anderen Keyboard, die als Alternativinstrument auch ein Umhängekeyboard aus der Thomas Anders-Gedächtniskollektion dabei hatte. Wie es sich für eine Diva gehört, betrat Alison die Bühne erst, als alle und alles fertig waren. Sie trug einen eigentlich schlichten schwarzen Anzug, dessen gewaltige Schulterpolster und ausladende Ärmel sie jedoch wirken ließen, als hätte sie einen Umhang oder auch Flügel.

Bei Alison Goldfrapp muss man immer auch ein wenig Angst haben, dass ihr etwas nicht passt, und nachdem es bei Mac DeMarco in meiner Umgebung einige laute Idioten gegeben hatte, war ich bereits etwas in Sorge, dass es vielleicht angesichts der ruhigen Goldfrapp-Musik zu unschönen Szenen (mit entsprechenden Gegenreaktionen von der Bühne) kommen könnte. Es geschah aber nichts dergleichen, zumindest in meiner Umgebung herrschte nichts als gebannte Aufmerksamkeit, und Alison war anscheinend auch gut aufgelegt.


Los ging es mit einigen neuen Songs - "Drew", "Alvar" und "Clay" vom aktuellen Album, "Yellow Halo" ist ein Bonussong des Singles-Albums von 2012 - die quasi akustisch dargeboten wurden. Die Bühne lag beinahe im Dunkeln, Alisons Stimme beherrschte alles. Nach und nach wurde das Set etwas lebhafter, bis es zu "Number One" beinahe discomäßig wurde und anschließend bei "Train" das Umhängekeyboard zum Einsatz kam. Langsam war auch von den "Electronic Beats" etwas zu hören, denn die Bässe gingen einem mittlerweile durch den ganzen Körper. Auch optisch wurde dies durch den vermehrten Einsatz von Scheinwerfern in unterschiedlichen Farbschattierungen unterstrichen.


Mit dem ebenfalls schnelleren "Ride A White Horse" hätte man die Kollektion schneller, bekannter Songs zum Beispiel mit "Ooh La La" noch erweitern können, stattdessen wurde nun aber mit "Strict Machine" bereits der Song angestimmt, der uns als Abschluss-Lied bekannt war. Es ist ja durchaus üblich, dass Bands bei Festivals mit einer gekürzten Setliste antreten, allerdings ist es dem Headliner normalerweise durchaus möglich, eine Zugabe zu geben. Eine solche erfolgte nicht und im Vergleich zu ihren sonst immer gleichen Setlisten mussten wir auf sechs Titel (darunter "Lovely Head" oder "Utopia") verzichten. Angesichts der Tatsache, dass mit Milky Chance einer der Festival-Acts komplett ausgefallen war, konnte es keine Zeitprobleme geben. Aber es half nichts, das Goldfrapp-Set war, warum auch immer, nach elf Songs leider vorbei.


Setliste:

Drew
Alvar
Clay
Yellow Halo
Little Bird
You Never Know
Thea
Number One
Train
Ride A White Horse
Strict Machine


Anschließend trat noch Jon Hopkins auf, dessen Album "Immunity" 2013 für den Musikexpress die Platte des Jahres war. Nun entwickelte sich der Abend doch noch in die Richtung, die angesichts des Festivalnamens erwartet hatte. Hopkins stand an einem riesigen, vom Publikum aus nicht einsehbaren Pult und erwies sich als unglaublich fleißig. Bei komplett elektronischer Musik gibt es bei Live-Performances ja manchmal das Problem, dass der Künstler nicht viel zu tun hat, aber Hopkins verdiente sich seine Gage, indem er wie wild hinter dem Pult drehte, drückte und ... ja, was auch immer. Er wirkte jedenfalls sehr beschäftig - soweit ich das beurteilen konnte, denn das nun großzügig eingesetzte Strobo-Licht blendete mich doch arg.

Die zahlreichen Videoleinwände, die rund um die Bühne angebracht worden waren, bislang aber wenig Verwendung gefunden hatten, kamen nun auch endlich zum Einsatz. Es half aber alles nichts: Ein paar Songs lang blieben wir noch für diese Mischung aus Ambient und Techno, dann zog es uns zum Auto und nach Hause.

Ich bin froh, dass wir die Gelegenheit genutzt haben, einen der hierzulande seltenen Live-Auftritte von Goldfrapp zu sehen, schade nur, dass der Headliner-Slot zu kurz ausfiel.

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Nachdem ich am Freitagabend die seltene Gelegenheit hatte, Goldfrapp live zu sehen, nehme ich das zum Anlass, für den heutigen Sendeschlu...

Sendeschluss: Goldfrapp - Annabel


Nachdem ich am Freitagabend die seltene Gelegenheit hatte, Goldfrapp live zu sehen, nehme ich das zum Anlass, für den heutigen Sendeschluss die nicht ganz brandneue Single "Annabel" auszuwählen - ein sehr schönes Lied, das in der Setliste leider keine Berücksichtigung fand.

"Annabel" wurde von einem Roman über ein intersexuelles Mädchen inspiriert, und so überrascht es nicht, dass sich auch das stimmungsvolle Schwarzweißvideo um das Thema sexuelle Identität dreht.

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Heute übertreibe ich es einmal mit meiner Tendenz, etwas weiter auszuholen: Wir schreiben das Jahr 1994, und eine Freundin und ich haben ...

It was 20 years ago today, someone told the Manics not to play: Manic Street Preachers im Frankfurter Gibson


Heute übertreibe ich es einmal mit meiner Tendenz, etwas weiter auszuholen: Wir schreiben das Jahr 1994, und eine Freundin und ich haben beschlossen, gemeinsam unser erstes mehrtägiges Festival zu besuchen, "Rock in Riem" in München. Dieser wohl erste Versuch, eine verkleinerte Version von "Rock am Ring" im Süden Deutschlands stattfinden zu lassen, wartete mit Aerosmith und Peter Gabriel als Headlinern auf, die wir nicht wirklich sehen wollten, dafür hatten sich aber auch Bands wie The Breeders, Therapy? und The Smashing Pumpkins angesagt.


Der eigentliche Anlass für meine Anwesenheit waren aber Radiohead, die wir an einem Samstagmorgen um 10 Uhr zu sehen bekamen und die sichtlich verschlafen waren - sie hatten ja auch den schlechtesten Slot des ganzen Festivals ergattert. Meine Freundin erwischte es aber noch schlimmer, denn sie war wegen der Manic Street Preachers erschienen, die als einzige Band am Freitagabend das Festival eröffnen sollten. An deren Stelle wurde nämlich überraschend die schweizerische Metalband Gotthard angekündigt, und nachdem wir die Ansage nicht richtig verstanden hatten, harrten wir für deren gesamtes Set in der Hoffnung aus, dass danach noch die richtige Band erscheinen würde - vergeblich.


Mittlerweile ist viel Zeit vergangen, Radiohead habe ich in den letzten Jahren gleich zweimal auf wesentlich größeren Bühnen und zu musikerfreundlicheren Zeiten gesehen, aber als mein Freund mich fragte, ob ich ihn zum Auftritt der Manic Street Preachers in Frankfurt begleiten wollte, kramte ich erst die Anekdote hervor und verglich dann Daten. Und tatsächlich: Das Frankfurter Konzert fand auf den Tag genau 20 Jahre nach meinem ersten Versuch, diese Band zu sehen, statt! Sofort musste ich auch besorgt überprüfen, ob die Band Gotthard noch existiert, und zu meinem Leidwesen feststellen: Ja.


Nehmen wir es gleich vorweg: Ich habe die Manic Street Preachers, die ich mittlerweile fast völlig aus den Augen verloren hatte, nun live gesehen, es gab keinen debilen Bandaustausch in letzter Sekunde. Als wir das dicht gefüllte Gibson, dessen warmes Gedrängel bei mir starke Erinnerungen an das dort besuchte Kasabian-Konzert weckte, betraten, spielte bereits die Vorband, Public Service Broadcasting. Die beiden Musiker präsentierten instrumentale Elektronikmusik mit Gitarren- bzw. Banjo-Begleitung, was in dieser Kombination sicherlich nicht häufig vorkommt und klangen wie die Söhne von Kraftwerk und Mogwai. Zwischen ihnen befand sich eine große, als altmodischer Fernseher aufgemachte Leinwand, auf die zu den Liedern passende Filmsequenzen aus den 50er/60er-Jahren projiziert wurden. Gesungen wurde nicht, zur Musik erklangen Stimm-Samples aus den gezeigten Filmen. Gesprochen wurde auch nicht, Danksagungen und die üblichen Dinge, die man so als Vorband sagt, kamen als Computerstimme aus dem Klapprechner, wobei das Wort "Frankfurt" (etwas in "We are glad to be here in ... Frankfurt") absichtlich schlecht hinein geschnitten war.


Von den Anzug tragenden jungen Männern bekamen wir nur die letzten drei Lieder mit, dann war schon wieder Umbaupause, so dass ich Gelegenheit bekam, das Publikum zu mustern. Die meisten sahen so aus, als hätten sie die Manic Street Preachers ebenfalls bereits vor 20 Jahren gehört, ich erspähte sogar irgendwo ein ausgebleichtes Festivalshirt von 1994 -  jedoch nicht "Rock in Riem".

Als bald darauf die Band die Bühne erklomm, waren alle Sorgen, dass sich vielleicht doch wieder Gotthard einfinden könnte, endgültig verflogen: Der kleine Mann da vorne war zwar etwas älter und dicker als früher (was er zu mir wohl auch sagen könnte), aber es handelte sich zweifellos um James Dean Bradfield. Neben ihm griff jemand mit dunkler Sonnebrille, unnatürlich schwarzem Haar und weißem Sakko, der wohl Nicky Wire sein musste, zum Bass. An Schlagzeuger Sean Moore konnte ich mich nicht mehr erinnern, er ist aber ebenfalls ein Originalmitglied der Band. Ergänzt wurden sie durch einen Gitarristen und einen Keyboarder.


Los ging es gleich mit dem Klassiker schlechthin, "Motorcycle Emptiness", das Publikum war begeistert. Die Band dagegen blieb recht stoisch, Nicky Wire machte gar den Eindruck, er sei nur körperlich anwesend und könne jeden Moment umkippen. Bald bekamen wir von Bradfield die Erklärung, Nicky sei "fucked up", das lag aber wohl nicht, wie ich sofort vermutete, an Alkohol oder Drogen, er war wohl einfach krank. Und auch Herr Bradfield sprühte sich mehrfach etwas in den Rachen, spuckte auf ein Handtuch und sagte etwas von "under the weather" und "soldiering on". Seine Stimme klang jedoch klar wie von Aufnahmen gewohnt.


Es folgte ein Set, das aus vielen alten Hits, einigen Albumtracks (aus "The Holy Bible" und "Everything Must Go") aber auch neueren Songs vom letztjährigen Album "Rewind the film" (dessen Titelsong, beziehungsweise dessen Botschaft, Bradfield mit den Worten "get fucking creative" zusammenfasste) und der noch nicht erschienenen Platte "Futurology". Von der letztgenannten stammte unter anderem der neue Song "Europa geht durch mich", an dem eigentlich die deutsche Schauspielerin Nina Hoss beteiligt ist. Im Gibson kam ihr Part aber vom Band. Bei den übrigen Titeln, die in der jeweiligen Studioversion Gastsänger aufweisen, wurde auf diesen Trick verzichtet ("Your love alone is not enough", "Rewind the film" und "This Sullen Welsh Heart"). Nina Persson und Co. Konnten an diesem Abend wohl ebenfalls nicht bei uns sein.


Nachdem Nicky Wire bereits während "Rewind the Film" kurz die Bühne verlassen hatte, ging er vor dem Akustikteil, der aus "This Sullen Welsh Heart" (angekündigt als ein Versuch, das eigene Walisisch-sein zu definieren) und "This is yesterday" bestand, gemeinsam mit Sean Moore und den beiden anderen Musikern wiederum nach hinten. Dass die Band aus Wales stammte, wurde auch durch die zahlreichen walisischen Fahnen angedeutet, die verschiedene Teile der Bühnenausstattung zierten, teils auch Bradfields Gitarren – er wechselte nämlich annähernd nach jedem Songs das Instrument, so dass wir im Lauf des Konzertes einen ganzen Gitarrenladen zu sehen bekamen.

Dass die Manic Street Preachers keine Zugaben geben, ist wohl Standard, eben so wie die Setliste, die eine festes Reihenfolge aufweist, immer aus 22 Titeln besteht, sich aber aus einem Pool aus ca. 30 Songs speist, so dass die ein oder andere Variation möglich ist. Bereits bei der arg kurzen Bandvorstellung kurz vor Schluss hatte ich den Eindruck, dass zumindest Bradfield – vielleicht mit Rücksicht auf Wire - das Konzert möglichst schnell hinter sich haben wollte. Mir sollte es recht sein, ich musste ja auch ins Bett. Außerdem war die Band ja dieses Mal immerhin erschienen, was gegenüber vor 20 Jahren ein riesiger Fortschritt war.



Setliste:

Motorcycle emptiness
You Stole the Sun from my heart
(It's not war) Just the end of Love
Europa geht durch mich
Theme from M.A.S.H. (Suicide is painless)
Stay Beautiful
Rewind the film
Die in the Summertime
Your love alone is not enough
No surface all feeling
Walk me to the bridge
A design for Life
This Sullen Welsh Heart
This is yesterday
Revol
Futurology
Ocean Spray
You love us
Tsunami
Show me the wonder
Motown Junk
If you tolerate this your children will be next

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Mit Elbow aus Manchester kenne ich mich nicht sonderlich gut aus, das sollte ich aber schleunigst ändern - mein Freund konnte mich nämlic...

Sendeschluss: Elbow - My Sad Captains


Mit Elbow aus Manchester kenne ich mich nicht sonderlich gut aus, das sollte ich aber schleunigst ändern - mein Freund konnte mich nämlich überreden, Elbows Konzert in Köln zu besuchen. Das findet aber glücklicherweise erst im August statt, so dass der Vorbereitungsdruck noch nicht allzu stark ist.

Im Video sieht man Kinder, die in einer Tanzschule gemeinsam üben und schließlich eine Vorführung für ihre Eltern machen. Die ernsthaften und konzentrierten Bemühungen, die durchaus mit Spaß verbunden sind, sind selbst für mich als nicht-sonderlichen Kinderfan herzallerliebst anzusehen.

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Gruff Rhys, bekannt als Sänger der Super Furry Animals, brachte diese Woche sein neues Album "American Interior" heraus. Nachde...

Sendeschluss: Gruff Rhys - American Interior


Gruff Rhys, bekannt als Sänger der Super Furry Animals, brachte diese Woche sein neues Album "American Interior" heraus. Nachdem Rhys mit seiner anderen Band bereits Konzeptalben über einen Verleger und den Erfinder des DeLorean-Autos machte, hat er sich nun für ein weiteres, nicht gerade nahe liegendes Thema entschieden: Er hat eine Platte (und zusätzlich auch ein Buch und einen Film) über John Evans gemacht, einen Landarbeiter des 18. Jahrhunderts, der von Wales in die USA auswanderte.

Im Video zur gleichnamigen Debütsingle reist Rhys, begleitet von einer Puppenversion von John Evans, durch die USA - gleichzeitig auf Musiktournee und auf den Spuren des echten Evans.

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Ende letzten Jahres bekam ich plötzlich den Eindruck, dass ich Deo, insbesondere in Kombination mit rasierter Haut, nicht mehr sonderli...

Neulich als ich Deo kaufte


Ende letzten Jahres bekam ich plötzlich den Eindruck, dass ich Deo, insbesondere in Kombination mit rasierter Haut, nicht mehr sonderlich gut vertrug. Das war ein ziemlich ärgerliche Entdeckung, denn Deo ist ja kein optionales Produkt, das man einfach so weglassen kann, wenn einem danach ist - zumindest nicht, wenn man mit anderen Menschen zu tun hat.

Zufällig stolperte ich dann über diesen Artikel, aus dem hervorging, dass viele Menschen mittlerweile versuchen, das in den meisten Deos enthaltene Aluminiumchlorid zu meiden. Dieser Stoff setzt sich auf die Schweißdrüsen und verstopft diese sozusagen - das Ergebnis sind trockene Achselhöhlen, aber über eventuelle Nebenwirkungen gibt es unterschiedliche Meinungen. Aluminiumchlorid ist übrigens auch schuld daran, dass sich manche Kleidungsstücke langfristig an Stellen mit Deokontakt gelb färben.


Ich war bis dahin eher davon ausgegangen, dass ich auf den in den meisten Deoprodukten enthaltenen Alkohol reagierte, aber nach dem Artikel erschien mir Aluminiumchlorid das wahrscheinlichere Problem zu sein. Also kaufte ich mir sofort im Drogeriemarkt eines der in den Artikelkommentaren empfohlenen Produkte ohne Aluminium, genauer gesagt einen Deoroller von CD. Das Ergebnis war ernüchternd und erinnerte mich daran, was ich vor Jahren bereits mit Deos aus dem Naturkosmetik-Bereich erlebt hatte: Die Wirkung war meinem Empfinden nach extrem unzureichend. Allein ein etwas rascherer Fußmarsch am Morgen reichte bereits aus, um sich für den Rest des Tages unangenehm verschwitzt und eigentlich nicht "gesellschaftsfähig" zu fühlen.

Als nächstes versuchte ich es mit einem Deo von Vichy, das zwar Aluminiumchlorid enthielt, aber sonst damit warb, besonders sanft zur Haut zu sein, es ist nämlich ohne Parfum, Alkohol und Parabene. Aber auf meiner Haut zeigte sich nach kurzem Gebrauch: Deowirkung top, Hautverträglichkeit flop.


Nach diesen Experimenten hatte ich mich im Grunde bereits damit abgefunden, dass sich der Deomarkt offenbar nur in die beiden Produktkategorien "für mich gut verträglich, aber ohne nennenswerte Deowirkung" und "mit akzeptabler Deowirkung, aber für mich nicht verträglich" aufteilt. Dann entschied ich mich aber, einen letzten, auch noch besonders teuren Versuch zu wagen.

In Artikeln zu dem "Deothema" werden nämlich auch immer wieder Deocremes erwähnt. Diese werden nicht als Sticks, Roller oder Sprays verkauft, sondern in kleinen Tiegeln, man muss sie also mit den Fingern auftragen - etwas gewöhnungsbedürftig. Außerdem werden diese Produkte anscheinend ausschließlich von winzigen Firmen hergestellt und im Internet verkauft.

Nachdem ich in diesem Blogbeitrag begeisterte Reaktionen auf mehrere Produkte gelesen hatte, fehlte mir eigentlich nur noch die Lust, testweise eine einzelne solche Creme zu bestellen und dafür in Relation enorme Portokosten zu bezahlen. Der Zufall wollte es aber, dass ich letzte Woche beruflich in London und in der Nähe eines Ladens war, der die Deocreme von Soapwalla verkauft. Auch ohne Portokosten war das Produkt kein Schnäppchen, ich musste 14 Pfund dafür bezahlen!


Die Erstbenutzung ab Rückreisetag, der ein durchaus überdurchschnittliches Maß an Aufregung, Hetzerei und Hektik enthielt, zeigte aber: Unglaublich, dieses Zeug funktioniert tatsächlich! Es riecht im Tiegel angenehm herb nach Bergamotte und schafft es wundersamerweise, auch ohne Aluminiumchlorid unangenehme Gerüche zu unterbinden.

Nachdem ich nun also weiß, dass Deocremes tatsächlich ein wirksames Produkt sind, werde ich sicher auch noch andere testen.

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Thees Uhlmanns Solowerk gefällt mir ehrlich gesagt zunehmend weniger. Da fragt man sich natürlich, was dabei herauskommt, wenn der Sänger...

Sendeschluss: Marcus Wiebusch - Was wir tun werden


Thees Uhlmanns Solowerk gefällt mir ehrlich gesagt zunehmend weniger. Da fragt man sich natürlich, was dabei herauskommt, wenn der Sänger von Tomtes Quasi-Partnerband Kettcar, Marcus Wiebusch, nun ebenfalls eine Soloplatte macht. Eigentlich könnte man das längst wissen, "Konfetti" ist nämlich bereits am 18. April erschienen, gehört habe ich die Platte aber bislang noch nicht.

"Was wir tun werden" erinnert stark an einen Kettcar-Song, was schon einmal nicht schlecht ist. Zum gewohnt nachdenklichen Text bildet das durchaus witzige Video einen interessanten Kontrast: Schüler einer Hiphop-Akademie tanzen sich gegenseitig nach dem Motto "Stille Post" Schrittfolgen vor und beobachten, in was ihre Tänze sich nach und nach verwandeln - und Wiebusch macht - sympathisch hüftsteif - mit, so gut er eben kann.

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