The Cure sind eine Band, die ich von Rechts wegen viel lieber mögen müsste, als das tatsächlich der Fall ist. Immerhin wuchs ich in den s...

Neulich bei einem wirklich langen Konzert: The Cure im Londoner Apollo


The Cure sind eine Band, die ich von Rechts wegen viel lieber mögen müsste, als das tatsächlich der Fall ist. Immerhin wuchs ich in den späten 80ern auf, und ich mochte Bands aus demselben Umfeld (dem der düsteren Musik, die es gerade noch in den Mainstream schaffte), sehr gerne. Dennoch habe ich es nie weit über die Singles-Kollektion und das eine oder andere Lied danach hinaus geschafft - vielleicht war meine Liebe zu Depeche Mode einfach zu groß, um Robert Smith auch noch in mein Herz zu lassen?


Folglich wäre ich nie auf die Idee gekommen, wegen The Cure extra nach London zu reisen. Allerdings war die Reise bereits gebucht, als das Konzert angekündigt wurde, mein Freund behauptet, "Disintegration" sei eines seiner liebsten Alben aller Zeiten und ich hatte für den Abend keine Alternativpläne. Also gingen wir eben am Tag nach Slowdive auch noch zum dritten The Cure-Konzert meines Lebens (die ersten beiden fanden im Rahmen von Festivals statt, 1993 und 2012!).


Wie gesagt, von The Cure war bei der Reisebuchung nicht die Rede gewesen, weshalb ich uns ein schickes Hotel in den Docklands gebucht hatte - weiter weg vom Hammersmith Apollo konnte man im innenstädtischen Bereich kaum wohnen, und wie sich zu unserer Überraschung zeigte, stellen die Londoner U-Bahnen am Sonntagabend relativ früh ihren Betrieb ein. Das in Kombination mit The Cure, die für episch lange Konzerte bekannt sind (das Konzert war sehr präzise als 150 Minuten lang angekündigt), bereitete mir im Vorfeld große Sorgen. Immerhin erfuhren wir aber, dass der Konzertbeginn kurzfristig nach vorne verlegt worden war, offenbar wollte man sicher gehen, dass nicht Tausende gestrandeter Gothics in Hammersmith würden übernachten müssen.

Bei unserer Ankunft am Apollo hieß es zunächst Schlange stehen. Auch an diesem Abend schienen sich viele andere Deutsche eingefunden zu haben, außerdem wie erwartet viele schwarz gekleidete, gut gelaunte Menschen, vereinzelt auch mal im Ballkleid.


Vorband waren die ebenfalls nicht ganz taufrischen And Also The Trees - eine Band, deren Demotapes früher von Robert Smith gesponsort wurden. Die Band-Freundschaft dauert also offenbar an. Durch die langen Einlass- und Garderobenschlangen verpassten wir allerdings einen Großteil ihres Sets.


Wie vorab versprochen ging es recht flott weiter mit The Cure. Robert Smith trug selbstverständlich seine Vogelnestfrisur , verschmiertes Make-up und dazu ein zeltartiges, schwarzes Hemd mit Spiralnebelmuster. Bei manchen Songs griff er zu Zusatzinstrumenten, so bei"Wailing Wall" zu einer Doppelflöte, direkt danach kurz zur Mundharmonika ("Bananafishbones") und mehrmals zum Tambourin.


Vom Schlagzeuger und Keyboarder nahm man im Grunde keine Notiz. Der Gitarrist (Reeves Gabrels, der erst seit 2012 bei der Band ist) stand nahezu unbeweglich da und sah aus wie ein verrückter Professor, der Bassist (Simon Gallup seit 1979 mit knapp 3-jähriger Unterbrechung in der Band) war dagegen ständig in Bewegung und sah weniger nach Gruftrock als nach Rockabilly aus. Zeitweise gab es Probleme mit dem Bass, bei einem Song saß er zu Füßen des Schlagzeugs und vor der an den Monitorboxen hängenden Fahne von Reading.

Im Bühnenhintergrund gab es sechs Scheinwerfertürme, die die LED-Leinwand fast verdeckten, was auch fast egal war, denn auf ihr wurde das Bühnengeschehen verkleinert von einer festen Kamera übertragen, teilweise als eine Art Kaleidoskop.


Wie erwähnt bin ich nicht viel tiefer ins Werk von The Cure eingetaucht als bis zu den Singles, daher dauerte es bis zum 7. Song ("The Caterpillar"), bis ich einen kannte. Mit "Close To Me", "Lullaby" und "High" gelang mir etwas später sogar ein Hattrick. Gerade bei Hits wie "Just Like Heaven" schwappte die Begeisterung über, diese waren aber vor allem in den drei Zugabenblocks von jeweils 4 Songs leider ein wenig spärlich gesät. So wartete man auf Klassiker wie "In Between Days", "10:15 Saturday Night" oder "Friday I'm In Love" leider vergeblich, aber es war ja schließlich auch Sonntag...


Ansonsten war die Setliste äußerst kurios: Nur 6 Titel einer aus 40 Songs bestehenden Reihung waren jünger als 20 Jahre, um genau zu sein: "Never Enough", "Wrong Number", "Before Three", "alt.end", "Want" und "The Hungry Ghost".

Mit "A Man Inside My Mouth", der B-Seite von "Close To Me" aus dem Jahr 1985, fand ein Song seine Live Premiere "Wailing Wall" und "The Empty World" wurden erstmals seit 1984 gespielt, "Piggy In The Mirror" war live auch seit 17 Jahren nicht zu hören gewesen. Alle 3 Songs stammen vom Album "The Top", das im Verlauf des Konzertes vollständig dargeboten wurde.


Gerade ältere Fans kamen somit voll auf ihre Kosten und erhielten die ein oder andere Weihnachtsüberraschung von Robert Smith. Alle anderen freuten sich, wenn sie bei "From The Edge Of The Deep Green Sea" die Hände in die Luft reißen, bei "Play For Today" mitsingen und bei "A Forest" mitklatschen und somit klassischen The Cure-Ritualen folgen konnten.


Die angekündigten 150 Minuten waren irgendwann vorbei, Robert Smith hatte aber offensichtlich noch Lust und zwar jede Menge. An seinem 50sten Geburtstag spielte er in Mexiko vier Stunden, die 3-Stunden-Marke wurde auch schon oft übertroffen, bei diesem Konzert kamen The Cure aber immerhin auch auf rund 170 Minuten und präsentierten uns noch einen tollen vierten Zugabenblock: "The Lovecats", "Let's Go To Bed", "Why Can't I Be You?" und "Boys Don't Cry". Da Weihnachten vor der Türe stand, wurde das Set mit "Hey You!" (Yes you, the one that looks like Christmas, come over here and kiss me, kiss me) beendet.


Wie zur Illustration der Tatsache, das weder The Cure noch ihre Fans die Allerjüngsten sind, machte ich am Ende noch eine kuriose Beobachtung. Ausgerechnet während des letzten Zugabenblocks, der all die Hits enthielt, die selbst ich kannte, war ich bereits ins Foyer vorgegangen, um vor dem großen Ansturm auf die Garderobe schon einmal unsere Jacken abzuholen - es galt schließlich, die letzte U-Bahn-Verbindung in den Stadtosten zu erwischen. Kurz nach mir kamen zwei Herren über 40 heraus, von denen der eine den anderen stütze, der aber dennoch heftig torkelte und sich letztlich an der Bar festhalten musste. Das sofort herbei eilende Saalpersonal dachte, wie ich auch, dass hier einer deutlich zu viel getrunken hatte, aber der Mann bat um einen Stuhl und erklärte, er habe heftige Rückenschmerzen. Die herbei geholte Sanitäterin meinte dann verständnisvoll "Well, it is a very long set!".



Setliste:

Shake Dog Shake
Kyoto Song
A Night Like This
alt.end
Wailing Wall
Bananafishbones
The Caterpillar
The Walk
AMan Inside My Mouth
Close To Me
Lullaby
High
Birdmad Girl
Just Like Heaven
Pictures Of You
Before Three
Lovesong
Like Cockatoos
From The Edge Of The Deep Green Sea
Want
The Hungry Ghost
One Hundred Years
Give Me It

The Empty World
Charlotte Sometimes
Primary
The Top

Dressing Up
Piggy In The Mirror
Never Enough
Wrong Number

Three Imaginary Boys
M
Play For Today
A Forest

The Lovecats
Let's Go To Bed
Why Can't I Be You?
Boys Don't Cry
Hey You!

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Welche britische Neunziger-Indie-Band war eigentlich die erste, die plötzlich wieder Konzerte spielte? Waren es The Jesus & Mary Chai...

Neulich beim Shoegaze Revival: Slowdive im Londoner Forum


Welche britische Neunziger-Indie-Band war eigentlich die erste, die plötzlich wieder Konzerte spielte? Waren es The Jesus & Mary Chain? My Bloody Valentine? Mittlerweile scheint es ja beinahe alle diese Bands wieder zu geben, und so überraschte es eigentlich nicht sonderlich, dass auch Slowdive seit diesem Jahr wieder live auftreten, nächstes Jahr kann man dann wieder Ride-Konzerte besuchen. Der Mangel an Originalität der Reunion ändert aber nichts daran, dass ich diese Nachricht als so erfreulich empfand, dass ich zustimmte, für eines der beiden Abschlusskonzerte 2014 im Forum extra nach London zu reisen. Slowdive hatte ich auf Platte stets sehr gerne gehört, und wer kann schon sagen, wie viele solche Konzerte es in Zukunft noch geben wird?


Bevor man im ehemaligen Art Deco-Kino, das neben einer Empore auch seltsame griechische Reliefs  und römische Standarten aufwies, die sanften Klänge der Shoegazer genießen konnte, wurde aber die Geduld auf die Probe gestellt, denn die Vorband Hookworms ließ mich sehnsüchtig an die Spaßmacher von Dream Themes vom vorigen Abend denken. Die Mischung aus Hardcore, Noise und Krautrock warf vor allem die Frage auf, ob denn kein Bandmitglied eine bessere Stimme hatte als der Sänger, mein Freund vermutete gar, dass eine Band mit Cartman von South Park als Sänger genau so klingen würde. Falls sich jemand fragt, ob man gleichzeitig im Falsett singen und schreien kann - Ja, das geht.


Danach war es nun also Zeit für Slowdives 43. Konzert in Urbesetzung seit der Wiedervereinigung - und das vorerst letzte. Den Schlagzeuger Simon Scott hatten wir vorher bereits an unserem Nachbartisch in einem indischen Restaurant nahe dem Forum gesehen, er hatte dort sicherlich noch den Auftritt der Vorband ausgesessen (und hätte uns ruhig warnen dürfen). Er und die anderen, weniger prominenten Slowdive-Mitglieder, Nick Chaplin (Bass) und Christian Savill (Gitarre) verbrachten den Auftritt allerdings weitgehend in Dunkelheit, während sich das Scheinwerferlicht auf Rachel Goswell und Neil Halstead konzentrierte.


Das durchweg begeisterte Publikum war erstaunlich gemischt. Ich hatte eigentlich mit einer homogenen Gruppe von Ü40-Fans gerechnet, tatsächlich waren aber auch viele jüngere gekommen - und meinem Eindruck nach auch viele Deutsche. Im Eingangsbereich war man auf Schildern gewarnt worden, dass Crowdsurfing sowie das Werfen von Getränkebechern verboten seien, auf seine Schuhe zu starren war zum Glück erlaubt - und mitklatschen, was einige Verwirrte am Anfang von "When The Sun Hits" für angebracht hielten. Sonst benahmen sich alle gut, und die Blicke konzentrierten sich sicher auf Rachel, die nicht nur eine interessante Paillettenweste trug, sondern auch kontinuierlich zu lächeln schien.


Der erste Song war passenderweise gleich "Slowdive", spätestens jetzt wussten also alle, wer hier auftrat. Der Sound war noch nicht perfekt, das änderte sich aber dann mit "Avalyn" - überraschend, da die Band bereits am Vorabend mit identischer Setliste im Forum aufgetreten war. Ebenfalls überraschend war, dass es die Musiker schafften, ohne Keyboard sehr keyboard-ähnliche Geräusche hervor zu bringen. Hinter der Band zeigten mehrere große Bildschirme grafische Muster, Augen und Münder.

Das Album "Souvlaki" (1993) stellte den Großteil der gespielten Songs und wurde mit sechs Titeln berücksichtigt, von "Just For A Day" (1991) wurde leider nur "Catch The Breeze" ins Set eingebaut. Nach einem starken Beginn gab es einen kleinen Durchhänger, während die letzten acht Lieder im Grunde allesamt Wunschlieder waren: Das überraschend rockig-laute "When The Sun Hits"! Das akustisch dargebotene "Dagger"! Das wundervolle "Allison!" usw.


Beim letzten Song des Hauptsets, "Golden Hair", einer Coverversion von Syd Barrett, hatte Rachel zunächst gesungen, dann aber die Bühne verlassen, während sich ihre Mitstreiter in einen langen, fulminanten Instrumentalteil hineinsteigerten. Bei der ersten Zugabe "Rutti"saß sie dann Gitarre spielend auf dem Schlagzeugpodest setzte, vielleicht wurde auch ihr der 10-minütige, etwas monotone Song, der nicht über einen solchen Spannungsbogen verfügt wie "Golden Hair", etwas lang.

Sonderlich gesprächig waren Slowdive an diesem Abend leider nicht. Neil Halstead äußerte irgendwann seine Trauer über den Tod von Nick Talbot (Gravenhurst) und widmete diesem ein Lied - leider weiß ich nicht mehr, welches. Ansonsten erfuhren wir nur, dass die Band froh war, dass so viele gekommen waren - und Rachel verabschiedete sich zuletzt nach "40 Days" mit einem optimistisch stimmenden "See you next year".


Als ich mich seitlich umsah wurde mir bewusst, dass mein Nachbar irgendwann in Tränen ausgebrochen war, offenbar nicht wegen privater Probleme sondern wegen der Schönheit des Konzerts. Ganz so tief war ich dann doch nicht berührt, aber Slowdive sind zweifellos eine tolle Liveband, die auch eine etwas längere Anreise rechtfertigt.



Setliste:

Slowdive
Avalyn
Catch The Breeze
Crazy For You
Machine Gun
Souvlaki Space Station
Blue Skied An' Clear
When The Sun Hits
Morningrise
She Calls
Dagger
Alison
Golden Hair

Rutti
40 Days

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Kurz vor Weihnachten weilte ich für drei Nächte in London. Zwei Abende waren bereits verplant, für Konzerte von Slowdive (der eigentliche...

Neulich als ich nur einen Burger wollte: David Devant & His Spirit Wife im Londoner The Lexington


Kurz vor Weihnachten weilte ich für drei Nächte in London. Zwei Abende waren bereits verplant, für Konzerte von Slowdive (der eigentliche Anlass der Reise) und The Cure. Nur der Anreisetag war noch unverplant, entsprechend wenig begeistert reagierte ich, als mein Freund auf der Hinfahrt begann, auch für diesen Abend nach Konzerten zu forschen. Er fand dann tatsächlich eines, von einer Band namens David Devant & His Spirit Wife. Ihm war die Formation aus den 90er Jahren bekannt, der Veranstaltungskalender bezeichnete sie als "briefly successful". Und dafür sollte ich nun unseren einzigen freien Abend in London hergeben?

Als wir den Veranstaltungsort, einen Pub in Islington namens "The Lexington" heraussuchten, stellte sich heraus, dass dieser ein Spezialangebot für Konzertgäste hatte, die dort essen wollten, außerdem las sich die Speisekarte, die unterem mehrere vegetarische Burger aufwies, durchaus attraktiv. Essen mussten wir ohnehin irgendwo, somit begann mein Widerstand zu schmelzen.


Also nahmen wir die U-Bahn nach Islington, doch als wir an dem recht großen Pub ankamen war sofort klar, dass der Plan mit dem Essen nur schwer umsetzbar sein würde. Am letzten Freitagabend vor Weihnachten fanden hier offenbar mehrere Weihnachtsfeiern und -treffen statt. Die meisten Gäste trugen Pullover mit weihnachtlichen Motiven, gerne auch mit blinkender Beleuchtung. Ebenso verbreitet waren kuriose Kopfbedeckungen, allen voran ein Schneemann. Der Pub war gestopft voll und extrem laut, und niemand aß etwas - man hätte ich dafür auch nicht setzen können, denn die wenigen Tische waren längst vergeben.

So gab es als Abendessen dann eben ein Bier, während wir darauf warteten, dass der Aufgang zum Konzertbereich geöffnet wurde, was dann auch relativ bald geschah. Oben angekommen warteten wir allerdings noch recht lange und stellten verstört fest, dass jemand auf der Sitzbank neben uns goldene Plateaustiefel abgelegt hatte. Außerdem war die Pubküche durchaus in Betrieb, denn die von mir ersehnten Burger wurden an uns vorbei hinter die Bühne getragen.


An die Umschreibung "briefly successful" mussten wir wieder denken, als uns klar wurde, dass wir die zahlenden Gäste Nummer 5 und 6 waren, und lange Zeit sah es aus, als wäre der Konzertabend extrem schlecht besucht - dann aber füllte sich der Konzertraum im 1. Stock des Pubs doch noch schnell und beträchtlich.

Irgendwann verschwanden auch die goldenen Stiefel neben uns und eine sehr glitzernde Formation betrat die Bühne - nicht etwa der Hauptact, sondern sein Support, Dream Themes, der mit einer enthusiastischen Coverversion der Titelmelodie von Dallas sein Konzert eröffnete. Die vier Herren, die sich aus nicht erklärbaren Gründen für diesen Abend als ABBA verkleidet hatten, haben sich auf Glam Rock Versionen beliebter Fernsehmelodien spezialisiert, was beim Publikum sofort Begeisterung auslöste - aber auch bei den Musikern selbst, die sich nach jedem neuen Song begeistert abklatschten.


Für deutsche Touristen war das Set leider nur bedingt geeignet, denn außer Mike Post-Klassikern wie der Titelmelodie von The A Team konzentrierte man sich auf britische Kindheitsklassiker wie Countdown oder Grange Hill - Sendungen, die ich nur dem Namen nach kenne. Zwischendurch ging ein Keyboard kaputt und musste langwierig neu gestartet werden, was eines der Bandmitglieder für ein Melodien-Ratespiel mit den Zuschauern nutzte, was ebenfalls sehr gut ankam. Dabei wurde auch gesungen, weshalb der "Sänger" nach dem Intermezzo bekannt gab, er werde nun seine Solokarriere starten, er sei es ohnehin leid, die Einnahmen mit den anderen zu teilen - selbst wenn zwei der Kollegen nur 7 % bekämen, bei ihnen sei das wie bei den Smiths.


Insgesamt also eine durchaus spaßige Performance, bei der wir nur nicht ganz die Zielgruppe waren. Viele der Zwischenansagen waren sehr lustig, etwa der Hinweis, dass es die 47 Sekunden lange "Single" bei iTunes gebe, man solle aber sein Geld nicht verschwenden, denn wegen der Kürze des Songs seien Umsonst-Preview und Kaufversion identisch. Danach folgte die Ansage, nun kämen einige kürzere Lieder ...


Weiter ging es mit dem Hauptact, der, was sollte man an diesem Abend auch anderes erwarten, ebenfalls verkleidet zu sein schien. Mikey Georgeson, der Sänger und das Hauptmitglied von David Devant & His Spirit Wife, trug eine seltsame toupierte Perücke, Kajal und einen 70er Jahre Anzug, wobei Verkleidungen und Zaubershows anscheinend schon immer zum Konzept der Band gehört hatten. Öfter während des Sets machte der Sänger seltsame, pantomimische Bewegungen und drehte Pirouetten, die Bandmitglieder stellte er mit Spitznamen vor.


Das Quartett, das zeitweise von einem Saxophonist unterstützt wurde, spielte die großen Teilen des Publikums bekannten, älteren Songs, für mich klang das Ganze nach einer Mischung zwischen Suede und T-Rex. Am besten beim Publikum kamen zu Beginn die Lieder "Happy Accident" und "Cookies" an, danach flaute die Stimmung bis "Pimlico" etwas ab. Dass die Zuschauer bestimmt Rituale kannten und wohl bereits häufiger Konzerte der Band besucht hatten zeigte sich bei "Cookies", als plötzlich fast alle (wir nicht) mit erhobenen Händen den Song abfeierten.

Georgeson, der beim ersten Lied "Happy Accident" Gitarre gespielt hatte, wechselte anschließend ans Keyboard, um nach "Pimlico" wieder zur Gitarre zu greifen. Zwischendurch versuchte er immer wieder, einen für die Bühnenshow vorgesehenen Beamer zu starten, der seine Dienste aber konsequent verweigerte. Das schöne "Weatherman" wurde mit gleich zwei singenden Sägen dargeboten.


David Devant & His Spirit Wife hatten sich viele ihrer Hits, die sie bis auf "Lie Detector" alle spielten, für das Ende des Sets aufgehoben: So schloss "This Is For Real" das Hauptset ab, "I Think About You" und "Ginger" eröffneten die Zugaben, für die sich Georgeson übrigens extra einen Vampirumhang angelegt hatte.

Das Publikum rief zum Ende des Sets zunehmend nach etwas, das wie "Auntie Mable" klang, insbesondere nach dem Ende des Hauptteils, so dass ich schon beinahe vermutete, es handele sich um irgendeine lustige Neuversion von "One more song!" Tatsächlich rief man nach dem letzten Song der Zugabe "I'm not even going to try", der besagte Tante als Textzeile enthält. Georgeson sang diesen, auf den Monitorboxen herumkraxelnd, zum Schluss im Wechselgesang mit einem begeisterten Publikum.

Insgesamt hatte unser erster Abend in London etwas von Karneval, erst mit blinkenden Rentierpullovern, dann mit ABBA, einem Vampir und vielen Perücken. Gut, dass das meiste fotografisch festgehalten wurde, so kann ich sicher sein, dass ich nicht vor Hunger phantasiert habe ...


Setliste

Happy Accident
One Track Mind
Cookie (Dont't Cry For Me)
Big Man
Demons
Everything Fits Into Place
Weather Man
Pimlico
Real World
Holiday On Ice
Whatever Turns You On
This Is For Real

I Think About You
Ginger
I'm Not Even Going To Try

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Natürlich habe ich Weihnachten nicht vergessen, aber Erdmöbel spielten am Vorabend unserer Londonreise (mit zwei geplanten und letztendlich ...

Neulich als ich Weihnachten vergaß: Erdmöbel in der Kulturkirche Köln Nippes

Natürlich habe ich Weihnachten nicht vergessen, aber Erdmöbel spielten am Vorabend unserer Londonreise (mit zwei geplanten und letztendlich drei besuchten Konzerten) und daher wurde nicht nur früh aufgestanden sondern mussten auch alle Geschenke bereits eingepackt und sonstige weihnachtliche Vorbereitungen abgeschlossen sein. Daher fuhr nur mein Freund in die Kulturkirche und hatte danach folgendes zu berichten:


Zwischen den Jahren 1963 und 1969 veröffentlichte der englische und amerikanische Beatles-Fanclub für dessen Mitglieder eigens von den Beatles aufgenommene Weihnachtssingles. Vielleicht sehen sich Erdmöbel in dieser Tradition, denn schließlich bringen sie seit einigen Jahren ebenfalls eigene Weihnachtskompositionen heraus. Zudem ist es zur Tradition geworden, dass sie Ende Dezember ein Weihnachtskonzert in der Kölner Kulturkirche in Nippes spielen.

Doch dieses Jahr ist alles anders: Es gibt gleich drei neue Weihnachtssongs, zudem ein Album namens "Geschenk", das alle weihnachtlichen Lieder der Band versammelt, Erdmöbel spielen zwei Weihnachtskonzerte in der Kulturkirche, dazwischen nachmittags noch eines speziell für Kinder und seit November wurde die weihnachtliche Stimmung auch erstmals in der gesamten Republik auf einer Art Magical Mystery Christmas Tour verbreitet. Passend dazu wurde einerseits im Vorfeld das Kirchenschiff mit "Revolver" von The Beatles beschallt und auch der erste Song der Vorband klang ziemlich beatlesque.


Die in Nippes wohnende Künstlerin Jemma Endersby stellte zusammen mit zwei Mitstreitern in einem leider zu kurzen Set (rund 20 Minuten) Songs aus ihrem Album "Golly Gosh!" vor und konnte die Zuschauer im annähernd ausverkauften Gotteshaus genauso für sich begeistern wie im Vorjahr Friedemann Weise.

Nach weiteren Songs von The Beatles betraten dann die vier Mitglieder von Erdmöbel die mit einem riesigen goldenen Stern samt Firmament geschmückte Bühne. Golden war auch jeweils ein Kleidungsstück, das die Musiker trugen: Christians Hosenträger, Ekkis Jacke, Markus' Schuhe und Wolfgangs Krawatte.


Erdmöbel spielten an diesem Abend ihr Album "Geschenk" komplett und erweiterten das Set noch um einige Klassiker. So zählen "Dreierbahn" oder "In den Schuhen von Audrey Hepburn" sicherlich zu den Standards der Band, fand sich die als ein Song namens "Gott" angekündigte Coverversion von "One Of Us" ("Einer wie wir") vermutlich aufgrund der Location in der Setliste wieder oder wurde "Genau wie ich es mir wünsche", das die Band einige Jahre nicht gespielt hatte" wegen des "Geschenk"-Aspektes erneut ins Programm genommen.


Zwischendurch unterbrachen Erdmöbel ihr Konzert, um mit dem Publikum einige Refrains einzustudieren, dabei wäre das Kölner Publikum sicherlich bei "Goldener Stern", "Ding Ding Dong (Jesus weint schon)" oder auch ihrer Version von Wham!'s "Last Christmas" textsicher gewesen. Die Band war von den Gesangskünsten ihres Publikums so begeistert, dass Ekki meinte, dass dies "nur zu toppen ist, wenn ihr noch auf den Bänken steht".


Nach einigen Weihnachtsliedern wurden mit "Rakete zwischen den Jahren" und "Erster Erster" zwei Jahresendlieder gespielt, zu denen wir erfuhren, dass im Osten dazu sogar Standard getanzt wurde. Der Aufforderung, dies ebenfalls zu tun, kamen die Kölner zwar nicht nach, jedoch versammelten sich im Verlauf des Abends mehr und mehr zum Tanzen vor der Bühne.


Jemma Endersby fand sich im Verlauf des Abends noch für zwei Duette wieder auf der Bühne ein: Vor dem Konzert hatte ich noch vermutet, dass Jemma Endersby vielleicht in die Rolle von Suzie Kerstgens bei "Vergnügungslokal mit Weinzwang" schlüpfen könnte, statt dessen wurde mit "Weihnachten in Tamariu" zunächst ein neuer Song präsentiert, den Endersby auch auf der Studioversion gemeinsam mit Markus Betges singt, dann folgte als Uraufführung noch "Lametta".


Die Polka "Muss der heil'ge Nikolaus sein" kündigte Ekki, der sich leider kurz vor dem Konzert seinen weihnachtlichen Rauschebart abrasiert hatte, mit dem Hinweis darauf an, dass er sich sicherlich verspielen würde, hören konnte ich als Laie davon natürlich nichts. Zuvor witzelte er noch über Markus goldene Schuhe und behauptete schließlich, das hieße auf italienisch und spanisch  "Pantoletti d'oro" bzw. "L'age d'or", also goldene Latschen. Man war also auf und vor der Bühne bestens aufgelegt und ließ dies zu "Ding Ding Dong (Jesus weint schon)" und weihnachtlichem Schlüsselgeklimper in einer Polonaise durch die Kirche gipfeln. "Das Leben ist schön" war schließlich ein gut gewählter, die freudige Stimmung aufgreifender Abschlusssong für das Hauptset.


Nach "Anfangs Schwester heißt Ende" und "Dreierbahn" beendeten Erdmöbel ein wieder einmal sehr gelungenes Weihnachtskonzert mit der dritten Coverversion des Abends: Zum mittlerweile fast schon traditionellen letzten Lied "Nah bei dir" wurden dann noch einmal zur gesanglichen Unterstützung Jemma Endersby  und Pfarrer Thomas Diederich auf die Bühne gebeten.



Setliste:

Ich wollte, die Welt ginge immer bergab
Ausstellung über das Glück
Einer wie wir
Blinker
In den Schuhen von Audrey Hepburn
Weihnachten (Last Christmas)
Russisch Brot
Fräulein Frost
Der letzte deutsche Schnee
Rakete zwischen den Jahren
Erster Erster
Genau wie ich es mir wünsche
Wort ist das falsche Wort
Weihnachten in Tamariu
Lametta
Muss der heil'ge Nikolaus sein
Goldener Stern
Ding Ding Dong (Jesus weint schon)
Das Leben ist schön

Anfangs Schwester heißt Ende
Dreierbahn

Nah bei dir

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Hundreds sind ja durchaus eine prima Band (wenn man ein Bruder-Schwester-Duo Band nennen kann). Allerdings hatte ich sie allein dieses ...

Neulich beim hundertsten Mal (naja, fast): Hundreds im Wiesbadener Schlachthof


Hundreds sind ja durchaus eine prima Band (wenn man ein Bruder-Schwester-Duo Band nennen kann). Allerdings hatte ich sie allein dieses Jahr bereits zweimal live gesehen, wobei die Liveauftritte von Philip und Eva auf eine Weise durchgeplant sind, dass mit Überraschungen eher weniger zu rechnen ist.

Deshalb reagierte ich zunächst verhalten, als mein Freund vorschlug, sich die Band in Wiesbaden anzusehen. Sein eigenes Hauptinteresse galt hierbei vor allem der Vorband Wooden Arms.


Letztlich ging ich dann (ohne irgendwelches Wissen über Wooden Arms) doch mit in den Wiesbadener Schlachthof, der im normalen Zustand genug Platz für Konzerte der Kategorie Editors oder Franz Ferdinand bietet. Zunächst dachte ich noch, dass das Konzert im kleineren Saal, der Räucherkammer stattfinden würde, da dieser dem Bekanntheitsgrad der Band doch eher entspräche. Jedoch widersprachen die dortigen Säulen und Bühnengröße der aufwendigen Licht- und Videoinszenierung von Hundreds. So war der Hauptsaal des Schlachthofes für diesen Abend mit Hilfe von Barrieren erstaunlich zusammen geschrumpft. Während es bei unserem Eintreffen noch so aussah, als wäre für die wenigen Besucher immer noch zu viel Platz vorhanden, füllte sich der minimierte Zuschauerbereich dann doch noch ganz ordentlich.


Bühne frei für Wooden Arms, die sich als sehr jugendliches britische Quartett entpuppten. Zumindest beim Gitarristen / Trompeter und der Geigerin hätte man vermuten können, dass sie am nächsten Morgen eigentlich den Schulunterricht in Norwich besuchen müssten, statt durch Deutschland zu touren.

Sowohl der Gitarrist als auch der Keyboarder übernehmen abwechselnd die Rolle des Sängers, während ihre Kollegin Geige spielte und manchmal mitsang. Man merkte den Musikern zum einen an, dass sie sehr jung waren, zum anderen reagierten sie auf den verdienten Applaus des Publikums geradezu verlegen. Die Live-Darbietung ihrer Songs entpuppte sich zeitweise als rockiger und dynamischer als auf Platte und stand dem Prog-Rock näher als dem Kammerpop. Das halbstündige Set wurde von den Titeln ihres soeben erschienen Debüt-Mini-Albums „Tide“ dominiert und fand im letzten Song „December“ seinen Höhepunkt.


Weiter ging’s mit Hundreds, wobei mein Freund und ich angesichts unserer zwei diesjährigen Konzerterfahrungen scherzhafte Prognosen wagten: „Ich könnte mir vorstellen, dass zunächst Philip und der namenlose Percussionist rauskommen und Eva dann erst nach dem ersten instrumentalen Lied dazu kommt!“ „Ich könnte mir vorstellen, dass sie ein schwarz-weißes Kleid trägt und barfuß ist!“ „Ich erwarte, dass Philip höchstens dann etwas sagt, wenn etwas nicht funktioniert!“


Die Bühnenaufteilung war wie gewohnt: Links und rechts hinten hatten Philip und der namenlose Percussionist auf zwei Podesten ihren Platz, für Eva war mittig vorne ein Mikrofon aufgebaut und reichlich Platz für Tanzeinlagen vorhanden. Vor Konzertbeginn wurden die Instrumente noch mit Setlisten beklebt und der Boden gründlich mit einer Taschenlampen-App nach möglichen Störfaktoren abgesucht. Eva schien also die Setliste zu kennen und wieder barfuß aufzutreten. Die erste Vermutung konnte wohl bereits vor Konzertbeginn als zutreffend abgehakt werden.


Es kam dann wie vermutet: Zunächst betraten Philip und der Percussionist ihre Plätze links und rechts ein und spielten den Instrumentalsong „Seals“, erst dann folgte Eva im weißschwarzen Kleid und barfuß. Nur bezüglich der Setliste hatten wir Unrecht, denn die hatte sie in einer Kladde dabei, die sie aufgeschlagen vor sich auf den Boden legte – womit sie auch uns einen Einblick in das geplante Abendprogramm ermöglichte.


Nach „Aftermath“, dem Titelsong ihres zweiten Albums präsentierten Hundreds mit „Solace“ und „Fighter“ gleich zwei Klassiker und es wurde trotz meiner ursprünglichen Unlust, das Duo zum dritten Mal in einem Jahr zu sehen, wieder deutlich, dass es einfach sehr gut Musik macht. Tatsächlich sagte mein Freund beim Anfang von „Ten Headed Beast“ zu mir „Jetzt kommt ein tolles Lied“, während ich mir dachte, dass das soeben vollendete „Beehive“ doch auch großartig gewesen war.

Evas Kommunikation mit dem Publikum fiel gewohnt spärlich aus, sie sagte lediglich vor „Please rewind“, dass das Hundreds Set sich aus alten und neuen Songs von beiden Alben zusammen setze – und das nun etwas Neues käme – nur um Sekunden später mit „Stimmt gar nicht!“ zu korrigieren, denn „Please rewind“ ist in Wirklichkeit auf „Aftermath“.


Wie schon bei den jüngeren Auftritten beobachtet, wurden zahlreiche Songs von Videoprojektionen begleitet oder in veränderten, deutlich „technoideren“ Versionen dargeboten („Happy Virus“), zog sich Eva in den Bühnenhintergrund zum Tanzen zurück oder wand sich ihrem Bruder zu, um gemeinsam zu singen. Auffallend war, oder vielleicht achtet man nach mehreren besuchten Konzerten einer Band auch eher auf Kleinigkeiten, dass Philip bei mehreren Songs mitsang, etwa bei „Stones“ und dann besonders intensiv bei „Grab the sunset“. Dieser Song beendete auch den Hauptteil des Konzertes.


Zu „Foam Born“, zu dem die nicht gerade redseligen Hundreds sonst erwähnten, dass es im Original von Touchy Mob ist, kamen zunächst nur die beiden Geschwister wieder auf die Bühne. Der namenlose Percussionist, der es wirklich einmal verdient hätte, vorgestellt zu werden, begleitete sie dann noch bei „Circus“ und „Sailor“.

Nachdem Eva und Philip noch einmal für „Little Heart“ zurückgekehrt waren, ging ein erwartet gutes Konzert zu Ende.
Werden wir beim nächsten Mal, wenn Hundreds in unserer Nähe spielen, wieder hingehen? Vermutlich, aber ein wenig mehr Kommunikation mit dem Publikum wäre schon willkommen.


Setliste:

Seals
Aftermath
Solace
Fighter
Beehive
Ten Headed Beast
Please Rewind
Wait For My Raccoon
Rabbits On The Roof
Stones
Our Past
Happy Virus
Let's Write The Streets
Grab The Sunset

Foam Born
Circus
Song For A Sailor

Little Heart




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Baxter Dury. Nie gehört. Als es um den heutigen Sendeschluss ging, behauptete mein Freund aber, dass der Künstler beinahe in seine Jahre...

Sendeschluss: Baxter Dury - Pleasure



Baxter Dury. Nie gehört. Als es um den heutigen Sendeschluss ging, behauptete mein Freund aber, dass der Künstler beinahe in seine Jahres-Top 25 gekommen sei - und er nimmt seine Bestenlisten sehr ernst.

Das Video wird hier heute aber deshalb gezeigt, weil Herr Dury darin die Londoner Millennium Bridge überquert, und weil wir uns am Freitag in diese Stadt aufmachen werden. Wer weiß, vielleicht überqueren wird die Brücke dann auch, dann hoffentlich aber in angemessenerer Kleidung.






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Zugegeben, etwas kalt ist es in Deutschland aktuell, die Weihnachtsmärkte sind ebenfalls in Betrieb und alle kaufen hektisch ein, aber...

Neulich am Nikolausabend: Jordan Klassen, Paula & Karol und Max Paul Maria in der Kölner Wohngemeinschaft



Zugegeben, etwas kalt ist es in Deutschland aktuell, die Weihnachtsmärkte sind ebenfalls in Betrieb und alle kaufen hektisch ein, aber reicht das schon für die optimale Feststimmung? Als Unterstützung für die Entwicklung wohlig-weihnachtlicher Gefühle bot sich letzten Samstag die "About Songs" Tour an, die in der Kölner Wohngemeinschaft Station machte.


Das Konzept der Veranstaltung ist es, unterschiedliche Künstler gemeinsam im Advent auf Tour zu schicken, in der Hoffnung, dass sie beim gemeinsamen Musizieren neue Facetten zeigen, Spaß haben und verbreiten. Klassische Weihnachtslieder kommen dabei nicht zum Zuge, dafür aber weihnachtliche Stimmung im Sinne von Freude und sich wohlfühlen. Dieses Jahr gingen Jordan Klassen (Kanada), Paula & Karol (Kanada und Polen) und Max Paul Maria (Deutschland) gemeinsam auf die Reise.

Nachdem wir das Konzept noch nicht kannten, hatten wir uns im Vorfeld des Abends - und auch noch beim Warten vor dem Saal - gefragt, ob die Künstler, die sich im Vorfeld sicherlich noch nie begegnet waren, nun gemeinsam Songs schreiben und einüben müssten. Als sich Einlass und Beginn verschoben, befürchteten wir noch panisches Akkordlernen hinter den Kulissen.


Um kurz nach 20 Uhr füllte sich der Konzertraum der Wohngemeinschaft zügig, wies aber letztlich doch noch sehr viele freie Plätze auf. Die insgesamt vier Musiker (plus einem Schlagzeuger) standen häufig gemeinsam auf der Bühne und trugen ihre Songs in neuen, die anderen Musiker einbeziehenden Arrangements vor. Abwechselnd wurde immer ein Song jedes Künstlers gemeinsam dargeboten, so dass der Abend mit „Mother's Stew“ von Paula & Karol eröffnet wurde. Diesem folgten „Arms Raised Wide“ von Max Paul Maria und anschließend Jordan Klassens „Firing Squad“.


Nach den drei gemeinsamen Songs gab es aber auch jeweils "Soloteile", während denen die anderen Künstler die Bühne verließen und den Darbietungen ihrer Kollegen gebannt lauschten. Folglich gab es einen flotten Wechsel zwischen den recht unterschiedlichen Stilrichtungen der Musiker.

Jordan Klassen, der normalerweise mit Band unterwegs ist, trat hier mit Gitarre beziehungsweise häufig auch mit einer Ukulele auf. Zu letzterer merkte er später an, dass er einen Großteil seines Lebens damit verbrächte, sie zu stimmen. Er stellte Songs seines in Deutschland mit Verspätung erschienen ersten Albums „Repentance“ vor und erhielt wohl am meisten Applaus von den Zuschauern.


Die Musik von Paula & Karol waren mir im Vorfeld auf Platte ein bisschen über-eingängig und Refrain-lastig erschienen, auf der Bühne machten die Lieder des Duos aber gerade deshalb großen Spaß. Sowohl Paula als auch Karol hatten an diesem Abend ein Dauergrinsen aufgelegt und steckten die beiden anderen Musiker mit ihrer Freude an. Paula & Karol, die gemeinsam die Lieder sangen, präsentierten Songs ihres zweiten Albums „Heartwash“, griffen aber auch auf ältere Titel zurück.


Max Paul Maria war der einzige Musiker, den ich im Vorfeld überhaupt nicht gekannt hatte. Hinter dem langen Namen verbarg sich ein junger Mann, der folkige Musik im Stil von Bob Dylan vortrug. Obwohl er als einziger deutsch sprach, richtete er im Grunde nicht das Wort an das Publikum, er kündigte nur sehr kurz angebunden seine Titel an und verwies auf sein aktuelles Album „Miles & Gallons“.


Insgesamt hatte man den Eindruck, dass die Künstler sich untereinander gut verstanden, auch wenn Karols Aussage, es handele sich um das beste Konzert der Tour, eher witzig gemeint war: Es war nämlich erst deren zweiter Abend.

Die Highlights eines rund 90 minütigen Konzertabends hoben sich Paula & Karol & Joran & Max für den Schluss auf: „Go To Me“ und „Someday“.
Nach drei Einzelsets und vielen Gruppensongs ging den Künstlern das gemeinsam einstudierte Material aus, aber nachdem eine weiter Zugabe gewünscht war, spielten sie einen letzten Paula & Karol Song („Change, I Know“), den sie quasi schnell live einüben mussten.

Ein unterhaltsamer Abend mit sympathischen Künstlern, die einander sichtlich mochten, und der mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.



Setliste:

Mother's Stew (Paula & Karol Song)
Arms Raised Wide (Max Paul Maria Song)
Firing Squad (Jordan Klassen Song)

Jordan Klassen (solo):
Call And Answer
I Am A Collector
You Are The Branches

Imaginary Landscapes (Max Paul Maria Song)
Calling (Paula & Karol Song)
The Horses Are Stuck (Jordan Klassen Song)

Paula & Karol (solo):
What You Say (I Know)
Oh Hell, No!
Hold On To

Il ne reste qu' á Chanter (Max Paul Maria Song)

Max Paul Maria (solo):
Downtown
Run Robert Run
Miles & Gallons

Go To Me (Jordan Klassen Song)
Someday (Paula & Karol Song)

Change, I Know (Paula & Karol Song)


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