Im letzten November wollte ich ein Morrissey-Konzert in Essen besuchen. Letztlich klappte das wegen Terminschwierigkeiten dann doch nicht...

Neulich beim Spontan-Sonntagsausflug: Morrissey im Tilburger 013


Im letzten November wollte ich ein Morrissey-Konzert in Essen besuchen. Letztlich klappte das wegen Terminschwierigkeiten dann doch nicht, die Tickets landeten bei eBay, und die Tournee des Sängers verlief ohne mich. Ich dachte, die Geschichte sei gegessen und machte mir ein wenig Gedanken, ob ich Morrissey wohl überhaupt noch einmal live sehen würde können, da gab es plötzlich einen Nachholtermin im niederländischen Tilburg - zweimal bereits hatte dort das geplante Morrissey-Konzert nicht stattfinden können, und am Samstag sollte der dritte Versuch angegangen werden - und es gab sogar noch Karten für Spontankäufer.

Nach immerhin zweieinhalbstündiger Anreise erreichten wir die Konzerthalle, vor der bereits hartgesottenere Fans im strömenden Regen warteten (möglicherweise zum dritten Mal!), während wir bis zum Einlassbeginn schnell noch etwas essen gingen. Von innen erwies sich der Zuschauerraum als recht überschaubar, er fasste vielleicht 2000 Besucher, die durch den nach hinten ansteigenden Publikumsbereich größtenteils eine gute Sicht hatten.


Statt einer Vorband gab es nur einen DJ, der sein Handwerk bereits in der Aula verrichtet hatte, und so begann der Morrissey-Abend mit der üblichen Zusammenstellung von Filmchen und Musikvideos, wobei viele sicher bei deren Beginn aufatmeten und sich dachten, dass nun letzte Zweifel daran, ob das Konzert im dritten Versuch stattfinden würde, ausgeräumt seien. Die Videoshow begann mit den Ramones, enthielt wie immer die von Manfred Sexauer angekündigten New York Dolls und ansonsten zahlreiche tanzende Männer.

Nach einem schier endlosen vorgelesenen Text kamen Moz und Band auf die Bühne. Die Bandmitglieder waren als Oberbekleidung alle in magentafarbene Hemden und Hosenträger gekleidet, Morrissey selbst trug eine 50er Jahre Jeans und ein vorne geschlossenes Hemd mit V-Ausschnitt, das farblich zu den Bandhemden abgestimmt zu sein schien, sowie ein Kilo Halsketten, Ringe und ein Pflaster am Finger. Sänger und Band verbeugten sich zunächst voreinander, bevor sich jeder an seinen Arbeitsplatz begab und das Set mit "What She Said" (mit darunter gemischten Passagen aus "Rubber Ring") und "Suedehead" begann.


Falls Besucher mit einem Statement Morrisseys zu den beiden ausgefallenen Konzerten gerechnet hatten, warteten sie umsonst. Stattdessen begrüßte er uns mit "Very nice to be in this illustrious opera house, I don't deserve it. - Don't worry we are all classically trained." Später erklärte er noch: "If my voice occasionally breaks ... well, it's legal!" und sagte ansonsten nicht viel, wobei seine Grundstimmung offensichtlich freundlich war. So schüttelte er beim Singen zahlreiche Hände, am sichtbarsten die eines auf den Schultern eines Elternteils getragenen kleinen Jungen, und nahm etliche Geschenke entgegen. Nur das selbstgemalte Portrait eines Zuschauers direkt vor mir wurde immer wieder vergeblich in die Luft gehalten, was selbst mich wegen des hier sicherlich stattfindenden emotionalen Stresses ganz nervös machte.


Ich mag Morrissey ja sehr gerne - das Konzert in Tilburg war immerhin mein viertes, und ich habe mich sogar durch seine Autobiographie gequält. Dennoch kann man mich natürlich bei weitem nicht als Hardcore-Fan bezeichnen, was sich insbesondere an meiner mangelnden Kenntnis der Setliste vom Samstag bewies - denn weder kenne ich mich besonders gut im Smiths-Werk aus, noch habe ich das aktuelle Album "World Peace Is None Of Your Business" mehr als ein paar Mal gehört. So gab es dann eine für mich überraschend große Zahl von Liedern, die ich nicht oder kaum kannte.

Um so größer war meine Freude, als nach einigem Neuen und "Certain People I know" "I'm Throwing My Arms Around Paris" angestimmt wurde. Dass mit "To give (is the reason I live)" eine Coverversion von Frankie Valli zum Besten gegeben wurde, fiel mir peinlicherweise gar nicht auf, dafür konnte ich mich an das leider nicht sonderlich dolle "Scandinavia" noch gut aus Dublin erinnern. Komisch, dass Moz dieses Lied live so gerne zu singen scheint, es aber nicht mit auf sein aktuelles Album genommen hat.


Mit "Life is a Pigsty" folgte wenig später ein weitere Klassiker, den sogar ich kannte, davor hatte "Speedway" eine regelrechte Pause gehabt, in der die Bühne in Schwarz getaucht wurde, die mit dem Einsetzen der Motorsäge beendet wurde. Nach dem Smiths-Klassiker "Stop me if you think you've heard this one before" folgte ein kleines Tierschutz-Special. Während bei den letztjährigen Konzerten im Hintergrund zu "The bullfighter dies" anscheinend echte Stierkampfbilder gezeigt worden waren, gab es in Tilburg nur ein gezeichnetes Bild zu sehen. Dafür hätten die Tierquälereifilme (misshandelt wurden unter anderem Kühe, Schweine und Küken) die zu "Meat is Murder" gezeigt wurden, kaum expliziter sein können. Da ich bereits Vegetarierin bin, beschloss ich, dass ich nicht zuschauen muss, aber Morrissey zeigte während des Songs immer wieder auf die Leinwand. Neu war in dieser sehr langen und fulminant endenden Version des Songs auch die Nennung von KFC in einer Aufzählung von Vernichtungslagern.


Nach zwei weiteren neuen Songs ("People are the same everywhere" und "World peace is none of your business", dessen Refrain am Ende der Pianist auf Spanisch wiederholte) und einer ausführlichen Bandvorstellung bekamen wir nur noch die knappe Mitteilung "You can go home now", dann war Morrissey so schnell weg, dass seine Band zunächst etwas ratlos zurückblieb, dann aber auch abzog. Eine Zugabe gab es dann aber noch, und zwar das wunderbare "Everyday is like Sunday". Hier zeigte sich, dass Herr Morrissey wohl wirklich gut aufgelegt war, denn als eine Dame aus dem Publikum zu ihm auf die Bühne klettern wollte und dabei von einem Ordner zurückgedrängt wurde, sagte Moz irgendwann "It's ok" und ließ sich umarmen. Dann zog er das für die Zugabe extra gewechselte Hemd aus und warf es ins Publikum, um dann doch sehr schnell einen Abgang zu machen, bei dem es dann auch blieb.

Von meinen vier Morrissey-Konzerten war Tilburg ganz klar ... das viertbeste. Während der Tournee standen auf der Setliste auch häufig "The Queen Is Dead" und "Irish Blood, English Heart", die ich auch sehr gerne gehört hätte. Aber bereut habe ich den Besuch trotzdem nicht. Außerdem war es schön, zu sehen, dass Morrissey momentan erstens relativ gesund und zweitens vergleichsweise gut gelaunt zu sein scheint.



Setliste:

What she said
Suedehead
Staircase at the university
Istanbul
Kiss me a lot
Certain people I know
I'm throwing my arms around Paris
Neal Cassady drops dead
One of our own
To give (is the reason I live)
Scandinavia
Speedway
Life is a pigsty
Stop me if you think you've heard this one before
The bullfighter dies
Meat is murder
People are the same everywhere
World peace is none of your business

Everyday is like sunday

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Diese Florence! Nachdem mir ihre Videos zu " How Big How Blue How Beautiful " und zu " What Kind of Man " zu seltsam ...

Sendeschluss: Florence and the Machine - St. Jude


Diese Florence! Nachdem mir ihre Videos zu "How Big How Blue How Beautiful" und zu "What Kind of Man" zu seltsam waren, hat sie es mit "St. Jude" nun doch einmal in den Sendeschluss geschafft, wobei man wirklich nicht behaupten kann, das neue Filmchen, das inhaltlich direkt an "What Kind of Man" anschließt, sei unseltsam. Drinnen regnet es, draußen nicht, Menschen werden umarmt und tragen Felsbrocken durch die Gegend. Aber das Lied ist schön.


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Liebe U., heute gilt es eine Sensation zu vermelden - und damit meine ich nicht die dem Veranstaltungsort geschuldete Verschiebung des ...

++EILMELDUNG++ Noel Gallagher in Brüssel im kurzärmeligen Polohemd und fünfzehn Minuten zu früh ++


Liebe U.,

heute gilt es eine Sensation zu vermelden - und damit meine ich nicht die dem Veranstaltungsort geschuldete Verschiebung des gesamten Zeitplans um eine Viertelstunde nach vorne - sondern: Noel Gallagher hat die Regeln gar nicht selbst gemacht! Und damit vielleicht auch gar nicht bestimmt, dass jeden Abend die gleiche Setliste gespielt werden muss.

Wie ich zu dieser Erkenntnis gelangt bin? Also, das mit den identischen Setlisten habe ich in den letzten Tagen bei drei Konzerten in drei unterschiedlichen Ländern selbst empirisch untersucht, und die Sache mit den Regeln verkündete Noel selbst am Ende seines Auftritts im Ancienne Belgique. Nach „AKA... What A Life!“ teilte er, wenig überraschend, nach rund 90 Konzertminuten mit, dass er noch einen Song spielen könnte, die sich anschließende Fanreaktion konterte er jedoch mit: „I didn’t make the rules!“

Es war also höhere Gewalt, die uns wieder die gleichen 15 Songs aus Noels beiden Soloalben und 5 Lieder von Oasis hören ließ.


Die gleichen Mächte scheinen auch Einfluss auf Paul Newsome zu haben, denn auch der folkige Singer/Songwriter spulte das gleiche (Vor-)Programm ab, wie einige Tage zuvor in Düsseldorf. Einzige Ausnahme stellten die Probleme mit der Mundharmonika-Halterung vor dem dritten Song dar. Die Reaktionen des Publikums waren insgesamt etwas verhaltener als in Deutschland.


Das konnte man bezüglich des Auftritts von Noel Gallagher und seinen High Flying Birds jedoch nicht behaupten. Es muss an der guten Zugverbindung zwischen London und Brüssel liegen, dass so viele Engländer den Weg in das kleine und ausverkaufte Ancienne Belgique fanden. Bereits vor dem Konzert erwarb ein Tickettout noch Eintrittskarten für 50,- € und damit für deutlich mehr als der ursprüngliche Preis. Man möchte gar nicht wissen, was er den Fans, die ohne Tickets angereist waren, dafür abknöpften!


Die vielen Engländer sorgten während des Konzertes für eine unglaubliche Stimmung und sangen nahezu jeden Song (oder zumindest die Refrains) inbrünstig mit. Diese tolle Stimmung muss man, wenn viele Fans von der Insel anwesend sind, wohl oder übel auch mit Bierbecher werfenden, rücksichtslos herumspringenden Idioten (extrem beim Glam Rock von „The Mexican“, am schlimmsten erneut bei der rockigen Variante von „Digsy’s Dinner“) bezahlen. Aber selten habe ich „Champagne Supernova“ und „Don’t Look Back In Anger“ mit einem solchen Publikumschor gehört. Und ich habe sie schon oft gehört.


Während die italienischen Fans in Mailand den Sänger zwischen den Titeln immer wieder mit „Olé Olé“-Gesängen, denen sie noch Gallaghers Vornahmen hinzufügten, feierten, wird in Deutschland schlicht immer und immer wieder „No-El“ gegrölt. Die Engländer feiern hingegen dessen Heimatstadt („Manchester Lalala“) und Lieblingsverein („City!!“) ab, warum auch immer.
Bei „Ballad Of The Mighty I“ wurde zur Abwechslung der abwesende Johnny Marr, dessen Gitarrensolo Gallagher wieder selbst übernahm, mit Sprechchören gefeiert: „Johnny fucking Marr!“

Zwischendurch gab es Business as usual. Gleiche Setliste, gleiche Videoanimationen im Hintergrund und gleiche Widmung: Der Song „AKA... Broken Arrow“ wurde zum dritten Mal den anwesenden jungen Damen gewidmet, vielleicht als Erklärung für die pink ausgeleuchtete Bühne. Ansonsten zeigte sich Noel Gallagher an diesem Abend unglaublich schweigsam und wortkarg - bis auf die sensationelle abschließende Wendung. Noel hat die Regeln nicht gemacht, unfassbar.


Vielleicht schicke ich ihm einfach einmal neue Regeln und eine neue Setliste. Die könnte er mir dann beim Best Kept Secret Festival - in den Niederlanden habe ich ihn dieses Jahr schließlich noch nicht gesehen - präsentieren. „Whatever“ und „Gas Panic!“ als Oasis-Standards, dazu die B-Seiten „Talk Tonight“ und „Shout It Out Loud“ und „Can Y'See It Now? (I Can See It Now!!)“ und „Who Put The Weight Of The World On My Shoulders?“ als Raritäten.

Man wird ja noch träumen dürfen - und das noch 84 mal bis zu unserem nächsten gemeinsamen Konzert...


Setliste:

Intro: Shoot a Hole Into the Sun

Do the Damage
(Stranded On) The Wrong Beach
Everybody's on the Run
Fade Away
In the Heat of the Moment
Lock All the Doors
Riverman
The Death of You and Me
You Know We Can't Go Back
Champagne Supernova
Ballad of the Mighty I
Dream On
The Dying of the Light
The Mexican
AKA... Broken Arrow
Digsy's Dinner
If I Had a Gun...

Don't Look Back in Anger
AKA... What a Life!
The Masterplan


Liebe Grüße

D.




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Hot Chip haben ein neues Album, nämlich "Why Make Sense?", das Mitte Mail erscheint. Vorab gibt es schon einmal die Single &quo...

Sendeschluss: Hot Chip - Huarache Lights


Hot Chip haben ein neues Album, nämlich "Why Make Sense?", das Mitte Mail erscheint. Vorab gibt es schon einmal die Single "Huarache Lights". Das ist tatsächlich auch schon alles, was ich zu diesem Thema in Erfahrung bringen konnte und zu sagen habe, aber hey, ein neues Hot Chip-Album! Das erfreut selbst mich, die sich doch für so gut wie gar nichts begeistern kann!

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Über Noel Gallaghers von mir besuchten Auftritt in Mailand hatte ich ja ausführlich berichtet. Mein Freund ließ es sich nicht nehmen, auch d...

++EILMELDUNG++ Noel Gallagher in Düsseldorf im Polohemd und zwei Minuten zu spät ++

Über Noel Gallaghers von mir besuchten Auftritt in Mailand hatte ich ja ausführlich berichtet. Mein Freund ließ es sich nicht nehmen, auch das Konzert in Düsseldorf zu besuchen, und schrieb anschließend folgendes:


Liebe U.,

vielleicht wärst du besser auch mit zum Noel Gallagher Konzert nach Düsseldorf gekommen, denn es war komplett anders als der Auftritt in Mailand. Naja, zumindest fast.

Da die Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf nicht nur einen dämlicheren Namen hat als die Fabrique in Mailand, sondern auch viel größer und weniger ausverkauft war, hatte man sogar recht weit vorne noch Luft zum Atmen und die Möglichkeit die Arme in die Höhe zu heben (zum Fotografieren, Fahne-oder-Schal-Emporrecken, Mitklatschen, Andere-Leute-schubsen-und-an-den-Haaren-ziehen – alles in unserer Ecke passiert). Vor der Halle wurden die zahlreichen Billig-T-Shirt-Verkäufer nicht gesichtet, in der Halle standen auf der Bühne Stühle und man konnte sich gleich zu Beginn fragen, ob das Touren mit Noel Gallagher an den Kräften der Black Rivers, der Vorband aus Mailand, gezehrt hatte.


Überraschenderweise betrat dann aber Paul Newsome die Bühne, der eigentlich auch Paul Threesome heißen könnte, denn er wurde von Nathan Birkett und Paul Fuller an Gitarre und Percussion begleitet. Vielleicht wäre Paul Oldsome aber auch noch passender, denn musikalisch orientierte er sich an Bob Dylan und anderen Singer/Songwritern vergangener Tage. Das Auspacken der obligatorischen Mundharmonika dauerte dann auch nur bis zum dritten Song.

Mit Paul Newsome setzte Noel Gallagher übrigens die Tradition fort, Musiker in sein Vorprogramm zu nehmen, die er selbst sehr schätzt: "Paul’s songs are a cross between the Stones, Neil Young and the Band. It's a lesson in songwriting." Bei der letzten Tour waren das The Electric Soft Parade, nun, nach den Black Rivers, Paul Newsome, der übrigens in den Video zu „In The Heat Of The Moment“ und „The Ballad Of The Mighty I“ am Piano sitzt und dessen (frühere) Band Proud Mary das erste Signing auf Gallaghers eigenem Label Sour Mash war.


Setliste:

Temperature Rising
Hollywood
?
Take It Or Leave It
Tell Me Your Coming Back
She’s The One
?
Letting Go Ain’t Easy

Das Konzert in Düsseldorf wurde übrigens vom WDR Rockpalast aufgezeichnet und live im Internet übertragen (und wird am 05.04. nachts im TV zu sehen sein), was vielleicht die Erklärung dafür sein mag, dass Noel – ganz untypisch – mit zweiminütiger Verspätung die Bühne betrat. Und wehe, es heißt noch einmal, dass er nicht für Überraschungen gut sei!


Diese blieben bei der Setliste jedoch zugegebenermaßen aus. Zwischen den B-Seiten „Do The Damage“ und „The Masterplan“ tummelten sich in einem 100-minütigen Set Songs aus Noels beiden Soloalben sowie einige, teilweise recht ungewöhnliche Oasis-Songs wie „Fade away“ und eine rockigere Version von „Digsy’s Dinner“. Die Gewinner des Abends dürften aus dieser Kategorie sicherlich die lautstark vom Publikum mitgesungenen „Champagne Supernova“ und „Don’t Look Back in Anger“ gewesen sein. Doch anders als das Mailänder Publikum, das sich bei den ersten Songs verausgabte und danach weniger euphorisch war, feierten die Fans in Düsseldorf das komplette Konzert mit erhobenen Armen und Mitgesinge ab. So wurden auch Songs wie „The Dying Of The Light“ oder „AKA... What A Life!“, die in Mailand eher verhalten aufgenommen wurden, mit reichlich Applaus bedacht.


Noel Gallagher zeigte sich in der ersten Konzerthälfte recht wortkarg, wurde dann aber gesprächiger, musste sich an diesem Abend Fragen wie „Where’s your brother?“ oder „Where’s the pretty one?“ stellen (Antwort: Der steht wahrscheinlich zuhause und schaut sich im Spiegel an und "Not in your fucking family, that's for sure!") oder erklären, warum er in Düsseldorf spiele (Antwort: Er kam gerade zufällig vorbei und sah seinen Namen auf dem Poster). Später stellte sich heraus, dass der Konzertort wohl den Patriotismus eines Kölner Fans zugesetzt hatte.

Auch Liedwünsche gab es zuhauf. Und als zwischendurch nach „Talk Tonight“ gefragt wurde, hatte man ganz kurz die Hoffnung, dass der Chef nun spontan seine Mitarbeiter von der Bühne schicken und den Song allein zur Akustikgitarre präsentieren würde. Denn ein kurzes Akustikset gab es auf der letzten Tournee doch auch, und vor Jahren spielten Oasis in Düsseldorf auch zwei Songs mehr als am Abend zuvor in Frankfurt. Doch die Hoffnung währte nur kurz und wir wurden auf das nächste Mal vertröstet.


So müssen als Überraschungen oder Veränderungen eben andere Dinge als eine variierende Setliste herhalten: Noel trug ein einfarbig dunkles Poloshirt, die 3 Bläser waren bis zum Ende des Konzertes und bei deutlich mehr als 2-3 Songs im Einsatz, und einzelne Lieder wurden diesmal nicht einem Geburtstagskind oder der anwesenden Ehefrau gewidmet, sondern einem Besucher aus Liverpool („Dream On“) oder einem eigens aus Indien angereisten Fan, so dass „The Mexican“ nur für diesen Abend in „The Indian“ umbenannt wurde. Da Gallaghers Frau also offensichtlich nicht die komplette Tournee begleitet und vielleicht nur einen Shopping-Ausflug nach Mailand unternahm, frage ich mich, ob es vielleicht einen Familienausflug nach Italien gegeben hat, denn Liam Gallagher postete am Tag nach dem Mailänder Konzert ein Foto von sich selbst mit einem Backstage-Pass für das Konzert seines Bruders.


Seltsam, dass Noel Gallagher die Konzerte in Mailand (The gig was amazing, the kind of gig you'd never want to end. Easily my favourite so far.) und Düsseldorf (My first shit one.  I guess 1 out of 11 ain't bad and if we keep that average up I shall be most impressed. I tried for the lad…I truly did.  But when it ain't there…it ain't there.) selbst vollkommen unterschiedlich wahrgenommen hat.

Wenn man bei einem Konzert bereits alles gesehen hat, so genießt man die Aussicht von der anderen Seite der Bühne und kann vermehrt auf Details achten und feststellen, dass Gallagher die meisten Gitarrensolos, etwa bei „Champagne Supernova“ oder „Riverman“ seinem Gitarristen überlässt und diese nur selten, zum Beispiel bei Johnny Marrs Solo in „The Ballad Of The Mighty I“ übernimmt. Ich bin gespannt, was mir bei meinem nächsten Noel Gallagher Konzert auffallen wird. Noch kannst du, liebe U., am Sonntag mit nach Brüssel fahren. Es wird sicherlich wieder großartig werden.


Setliste:

Intro: Shoot a Hole Into the Sun

Do the Damage
(Stranded On) The Wrong Beach
Everybody's on the Run
Fade Away
In the Heat of the Moment
Lock All the Doors
Riverman
The Death of You and Me
You Know We Can't Go Back
Champagne Supernova
Ballad of the Mighty I
Dream On
The Dying of the Light
The Mexican
AKA... Broken Arrow
Digsy's Dinner
If I Had a Gun...

Don't Look Back in Anger
AKA... What a Life!
The Masterplan


Liebe Grüße

D.

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Als Noel Gallagher anlässlich seines neuen Albums eine kleine Europatournee ankündigte, gab es in meinem Haushalt unterschiedliche Vorste...

Prominenter Geburtstagsgast: Noel Gallagher in der Mailänder Fabrique


Als Noel Gallagher anlässlich seines neuen Albums eine kleine Europatournee ankündigte, gab es in meinem Haushalt unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich der Anzahl der von uns zu planenden Konzertbesuche (Ich: "Der spielt sowieso immer dieselbe Setliste und sagt auch nicht viel, da sollte ja wohl ein Konzert ausreichen!" Mein Freund: (Sagt nichts, analysiert schweigend Google Maps hinsichtlich Fahrstrecken nach Brüssel, Berlin, Düsseldorf, Mailand und Paris und schaut in den Kalender). Letztlich entschied ich, dass ich tatsächlich nur ein Konzert der Tour besuchen würde, übertrug aber meinem Freund die Entscheidung, welches. Und er beschloss, dass wir beide seinen Geburtstag mit einer Mailandreise und einem Noel-Konzert feiern würden.


Die Fabrique, wo das Konzert stattfinden sollte, erwies sich als Mailänder Variante des Kölner Palladiums, was bedeutete, das wir aus der Innenstadt längere Zeit mit Bus und Bahn in ein Gewerbegebiet anreisten, um uns anschließend in die längste Schlange einzureihen, die ich je vor einer Konzerthalle gesehen hatte. Es waren massenweisen Verkaufsständen mit gefälschtem Merchandise aufgebaut, die sich sogar je nach aktueller Länge der Schlange flexibel verschieben ließen. Immerhin bot niemand Selfie-Sticks an - deren penetranten Verkäufern war im Stadtzentrum nämlich kaum zu entgehen gewesen.

In der Halle war es dann bei unserem Eintreten weniger voll als die Schlange hatte vermuten lassen, so dass wir noch Stehplätze in relativer Bühnennähe ergattern konnten. Schon bald begann die Vorband, Black Rivers, ein Nebenprojekt der Doves, mit ihrem Set. Ich kannte die Doves ehrlich gesagt vorher nicht, es wurden aber zwei ihrer Lieder gespielt, was diese Neuauflage mit teilweise altem Songmaterial zumindest zu einem sehr passenden Support für Noel Gallagher machte. Musikalisch beeindruckt war ich nicht.


Setliste:

Rise
Age Of Innocence
Diamond Days
Forest
The Ship
Black And White Town
Voyager 1


Bei meinem letzten Noel-Konzert in Köln war der Künstler exakt um 21 Uhr auf der Bühne gewesen, und so fühlten wir uns amüsiert in unseren Erwartungen bestätigt, als mein Freund irgendwann in der Umbaupause sagte "So, 9 Uhr, es geht los" und im selben Moment das Licht ausging. Herr Gallagher mag es definitiv gerne pünktlich.

Dass wir uns in beträchtlichem Abstand zum Mailänder Dom befanden, war ihm auch schon aufgefallen, denn seine ersten Worte an das Publikum (nach "Hello Milan, it's good to be back!") waren "This is a strange area, where the fuck are we??" Vorher hatten die Mailänder Fans bereits das vom Band kommende "Eingangslied" "Shoot a Hole Into the Sun" und die B-Seite "Do the Damage" so abgefeiert, als seien es seine größten Hits. Kein Wunder, dass sich Noel angesichts solcher Begeisterungsstürme freute, bei uns zu sein. Wenig später wurde "Everybody's on the run" mitgesungen, als sei es ein Oasis-Klassiker. Der kam dann mit "Fade Away" anschließend, wobei Noel bei seiner aktuellen Setlist die absoluten Superhits wie "Wonderwall" oder "Supersonic" zugunsten obskurerer Titel auslässt.


In einer vorab gelesenen Konzertkritik hatte ich viel über angebliche Statements, die Noel auf der aktuellen Tour symbolisch gegenüber seiner Exband Oasis und seinem Bruder Liam abgibt, gelesen und mich gefragt, ob hier nicht eher Zuschauererwartungen reflektiert wurden. Aber als bei "Fade Away" hinter der Bühne alte Familenaufnahmen aus den 70ern eingeblendet wurden (sicher nicht von den Gallaghers, zumindest sah man keine Kinder mit dicken Augebrauen), lag der Gedanke an den Bruder dann doch sehr nahe.

Weiter ging es mit "In the Heat of the Moment", dessen "Nanana"s von der Band nicht, dafür vom Publikum um so lieber gesungen wurden. Für "Riverman" kamen drei Bläser auf die Bühne, die vorher nur den ersten Song unterstützt hatten und auch danach nicht mehr gesehen wurden.


Zwei Lieder bekamen eine Widmung: "You Know We Can't Go Back" sang Noel "für seine wunderbare Frau", die wohl auch in Mailand dabei war. Vor "Dream On" hatte Noel einen kurzen Dialog mit jemand, der direkt vor der Bühne stand und angeblich Geburtstag hatte. Noel versuchte, seinen Namen zu erraten, und schwankte zwischen "Vincenzo" und "Dave". Weiter hinten beschlossen wir selbstverständlich, dass die Widmung für alle Geburtstagskinder im Raum galt.

Eine seltsame Diskussion, von der wir nur Noels Mikrophon-verstärkte Seite hören konnten, gab es noch, weil in den vordersten Reihen offenbar ein Bild von sich und dem Künstler hochhielt und Noel verstehen wollte, was er sich davon versprach. So richtig klar wurde das im Diskussionsverlauf ("I don't owe you any drugs, do I??") nicht, aber Noel schloss das Gespräch mit der Bemerkung ab, dass ihm zwar der Bild-Hochhalter egal sei, das aber ein richtig gutes Foto von ihm selbst sei.


Vor einem weiteren Oasis-Song, "Champagne Supernova" hatte sich offenbar jemand nahe der Bühne "Live Forever" gewünscht, was Noels Antwort "I won't sing it, but you can" auslöste - und tatsächlich sang daraufhin das Publikum einige Takte des Songs. Gegen Ende des Hauptteils hatte die Setliste gewisse Längen, was aber das Publikum um uns herum kein bisschen beeindruckte. Auf das ziemlich unbekannte Oasis-Lied "Digsy's Dinner", das in einer rockigen Variante dargeboten wurde, wurde sogar Pogo getanzt.

Vor dem Zugabeteil herrschte dagegen italienische Ruhe - bereits bei vergangenen Konzertbesuchen in diesem Land hatten wir gelernt, dass Italiener einfach still auf den Zugabenteil warten, statt sich brüllend zu verausgaben. Noel kehrte dennoch zurück und spielte neben der einzigen Oasis-Single des Abends "Don't Look Back in Anger" noch "AKA ... What a Life!" und - wieder von Oasis und erneut eine B-Seite - "The Masterplan".


Dass Noel Musik machen kann steht außer Frage, das Konzert war wirklich gelungen und das Mailänder Publikum beeindruckend textsicher. Dennoch bin ich ganz froh, dass ich diese Woche nicht mit nach Düsseldorf und Brüssel fahre, um mir genau dieselbe Setliste noch einmal anzuhören. Als Geburtstagsgast hat sich Noel aber ganz hervorragend gemacht.


Setliste:

Intro: Shoot a Hole Into the Sun

Do the Damage
(Stranded On) The Wrong Beach
Everybody's on the Run
Fade Away
In the Heat of the Moment
Lock All the Doors
Riverman
The Death of You and Me
You Know We Can't Go Back
Champagne Supernova
Ballad of the Mighty I
Dream On
The Dying of the Light
The Mexican
AKA... Broken Arrow
Digsy's Dinner
If I Had a Gun...

Don't Look Back in Anger
AKA... What a Life!
The Masterplan


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Beim letzten Prag-Konzert , vor knapp zwei Jahren und ebenfalls in Köln, hatte ich gerade erst angefangen, täglich Bahn zu fahren. Mittle...

Zwischen Göteborg und Mailand: Prag in der Kölner Kulturkirche


Beim letzten Prag-Konzert, vor knapp zwei Jahren und ebenfalls in Köln, hatte ich gerade erst angefangen, täglich Bahn zu fahren. Mittlerweile bin ich eine abgekämpfte Berufspendlerin und die Flitterwochen mit der BahnCard 100 sind längst vorbei. Wohl deshalb war dieses Mal die Bahn-Anreise von Frankfurt nach Nippes, noch dazu zwischen zwei Konzert-Wochenendreisen nach Göteborg und Mailand, deutlich problematischer, mit kaputten Zügen und spontanen Umstiegen, so dass ich letztlich ziemlich spät und genervt die Kulturkirche erreichte, wo mein Freund uns zum Glück bereits Sitzplätze gesichert hatte.


Immerhin dauerte es so nicht lange bis zum Auftritt der Band, die genau wie beim letzten Mal etliche Musiker - die Schlagzeug, Keyboard, Bass, Trompete, Bratsche, Geige und Cello bedienten - dabei hatte. Ebenfalls wie beim letzten Mal - und vermutlich bei jedem Prag-Auftritt - trug Nora Tschirner ein Oberteil im Matrosenlook, während die beiden Herren Erik Lautenschläger und Tom Krimi im Anzug erschienen - Lautenschläger dieses Mal in einer etwas ungewöhnlichen Rollkragen-Weste-Kombination.

Prag haben mittlerweile ein zweites Album, und die Titel von "Kein Abschied" machten auch einen Großteil der Setliste des Abends aus. Nora Tschirner übernahm dabei den Hauptanteil des Redens und erklärte gleich zu Beginn, das letzte Konzert in der Kulturkirche sei das zweite von Prag überhaupt gewesen und habe hinsichtlich Publikumsbegeisterung bei der noch ganz frischen Band Maßstäbe gesetzt, die es jetzt von uns wieder zu erfüllen gelte. Beim letzten Mal sei angeblich von der Bühne aus gar nicht mehr zu erkennen gewesen, dass sich das Publikum eigentlich in Kirchenbänken befand.


Meine Sitznachbarin nahm diese Aufforderung mit ausgelassenem Sitztanzen und vielen "Wuhu!"s mehr als ernst, weshalb nach dem zweiten Lied anerkennend attestiert wurde, die dritte Reihe sei bereits "partiell völlig ausgerastet".

Dass die Behauptung im Hinblick auf das erste Kulturkirchen-Konzert nicht völlig ernst zu nehmen war, zeigte sich etwas später, als Nora nochmals auf den Abend Bezug nahm, nun aber erklärte, sie sei damals noch so von Lampenfieber geplagt gewesen, dass sie das Konzert im Tunnelblick durchgestanden habe und im Grunde weder von der Band noch vom Publikum viel bemerkt habe. Für uns nicht ganz nachvollziehbar war die Aussage, der einzige Kölner Bandauftritt außerhalb der Kulturkirche sei nicht so toll gewesen - uns hatte er damals durchaus gut gefallen. Ein Publikumsmitglied, das sich, anders als wir, auf die Frage, wer denn bei dem anderen Konzert gewesen sei, gemeldet hatte, wurde dafür gelobt, trotzdem wieder gekommen zu sein.


Bei zwei Liedern ("Laut und klar" und "Morgentau") erklärte Erik Lautenschläger, sie seien bislang nur als digitaler Download erhältlich, wenn man aber nach dem Konzert seine Mailadresse hinterlasse, könne man sie kostenlose erhalten. Das haben wir auch brav erledigt und warten nun auf Post.

Vor dem ersten "alten" Lied, "Zeit", sagte Nora, es sei für die Band nun sehr erholsam, Lieder vom ersten Album zu spielen, da diese so gut eingeübt seien. Tatsächlich erschien das Trio nun besonders ausgelassen. Vorher hatten bei "Der dunkle Weg" beide Männer den Anfang verpatzt (was mir zugegebenermaßen gar nicht aufgefallen war), was die Musiknovizin Nora mit viel Schadenfreude auskostete.


Vor "Bis einer geht" leistete sich der Cellist Anton (den meine Sitznachbarin bereits als Musiker bei Annett Louisan gesehen hatte) einen kleinen Fauxpas, weshalb Nora ihn scherzhaft aus der Band verbannte und einen Refrain des Liedes in "Bis Anton geht" umdichtete. Später wurde auch dem Schlagzeuger (der verdächtig wenig schwitzte und deshalb verdächtigt wurde, nicht hart genug zu arbeiten) mit Rausschmiss gedroht - Mietmusiker bei Prag zu sein, scheint also ein hartes Brot zu sein, wobei alle gut gelaunt wirkten.


Nachdem "Alles wieder gut" als Countryversion dargeboten worden war, endete mit  "Dieser Himmel" der offizielle Teil der Setliste, wobei Nora uns tröstend versicherte, das sei nur ein Spiel, die Band werde in jedem Fall zurückkehren und den bereits geprobten Zugabenteil vortragen. Bei dem Song gab sie noch einmal alles für die ausgelassene Stimmung, animierte das Publikum (erfolgreich) zum Aufstehen, erklomm eine Kirchenbank und forderte anschließend einen älteren Herren im Mittelgang zu einem Tänzchen auf, während sich auch an den äußeren Enden der Sitzbänke Tänzer sammelten.


Der Zugabenteil erfolgte dann auch tatsächlich, wobei man die Setliste spontan noch etwas umarrangierte, weil man noch etwas Tanzbares nachschieben wollte - so fiel "Der Einkauf" heraus und wir starteten mit "Einfach ist gar nichts" in den Zugabenteil, der danach noch mit drei deutlich getrageneren, aber nicht weniger schönen Liedern ausklang.

Die Highlights des sehr schönen Konzertabends lagen für uns zwischen "Laut und klar" und "All die Narben" und später von "Bis einer geht" bis "Dieser Himmel". Dass für den Zugabenteil dann beinahe nur noch ruhig-nachdenkliches Songmaterial vorgesehen war, funktionierte nicht so recht, weshalb die Band ihn ja auch umplante - vielleicht sollte man unter diesem Gesichtspunkt die Setliste für zukünftige Konzerte überarbeiten.



Setliste:

Aus Versehen
Laut und klar
Film Noir
All die Narben
Der dunkle Weg
Sieh da nicht hin
Was fällt dir eigentlich ein
Spaziergängerin
Kein Abschied
Nur die Seele
Morgentau
Zeit
Bis einer geht
Sophie Marceau
Wieder gut
Dieser Himmel

Einfach ist gar nichts
Das letzte Haus
Vögel
Halt die Luft an
Zweiter

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Bei anderen ist das anders, aber mir passiert es höchst selten, dass ich zu einem Konzert gehe und mich die Vorband nachhaltig beeindruck...

Sendeschluss: Ewert and the Two Dragons - Pictures


Bei anderen ist das anders, aber mir passiert es höchst selten, dass ich zu einem Konzert gehe und mich die Vorband nachhaltig beeindruckt. Beim The Notwist-Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle 2012 war ich aber von der estischen Band sehr angetan und würde sie auch gerne einmal als Headliner sehen. Nachdem sie dieses Jahr mit ihrem bevorstehenden Album "Circles" ausgedehnt auf Tour gehen, sollte das auch kein Problem darstellen.

Fürs Video zu "Pictures" hat die Band möglicherweise die Lampenabteilung einer Ikea-Filiale aufgekauft.

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Gelesen, gesehen, gekauft: Februar 2015

Wer hat denn da seinen Februar-Rückblick vergessen? Richtig, ich. Diese Februare sind aber auch wirklich kurz!

Gelesen


Im Februar bin ich nur wenig zum Belletristik-Lesen gekommen. Aktuell beschäftige ich mich viel mit berufsnahen Podcasts und hatte außerdem in der Hoffnung, mein wirtschaftliches und politisches Wissen zu verbessern, ein Kindle-Probeabo des Economist. Dieser ist zweifellos super, aber zum bezahlten Lesen konnte ich mich dann letztlich doch nicht durchringen. Anlässlich einer Reise nach Göteborg habe ich natürlich auch in einem Reiseführer gelesen.

Neben all diesem anderen Kram habe ich genau einen Roman durchgelesen, und zwar Death Cloud aus der Jugendbuchreihe "Young Sherlock Holmes" von Andy Lane. Es handelt sich um den ersten Teil einer ganzen Buchreihe über die Jugend von Sherlock Holmes, deren Ziel es unter anderem ist, Eigenarten des erwachsenen Holmes zu erklären. Schlecht fand ich Death Cloud nicht, aber es handelt sich doch ganz klar um einen Jugendroman. Aus Erwachsenenperspektive erscheinen die Figuren und ihre Aktionen etwas flach, auch Bezüge zur Zukunft erscheinen teils etwas holzhammermäßig, etwa wenn der junge Sherlock darüber sinniert, dass er ungern komplexe Geschichten erzählt und sich wünscht, er hätte jemand, der das für ihn übernimmt.

Gesehen


Im Februar habe ich endlich die zweite Staffel von House of Cards zu Ende gesehen. Keinen Moment zu früh, denn ab dem 13. März läuft Season 3 auf Sky. Die zweite Staffel war genauso finster und intelligent wie die erste, und es erscheint auch alles andere als unwahrscheinlich, dass US-Politik ähnlich intrigant, korrupt und gewissenlos abläuft, wie es hier dargestellt wird. Vermutlich nicht nur US-Politik. Ich bin jedenfalls gespannt, was den Underwoods in Staffel 3 widerfährt.

Gekauft


Eine ganze Weile lang habe ich mir eingebildet, unbedingt diese Stiefel von Mou zu brauchen - aus dem Winterschlussverkauf, und obwohl sie aus toten Lämmchen sind. Erst bestellte ich sie in schwarz, dann, als meine eigentliche Wunschfarbe überraschend wieder verfügbar war, in blau. Beide Pakete kamen an, ich probierte die Schuhe... und fand die Stiefel in meiner regulären Schuhgröße 38 viel zu klein.

Danach schickte ich alles zurück und wartete wochenlang besessen darauf, dass die Schuhe auch in Größe 39 wieder vorrätig seien. Irgendwann ergatterte ich sie dann in einem anderen Onlineshop, dessen Newsletter ich extra abonnierte, um einen Sonderrabatt zu bekommen. Ich bestellte, bekam das größere Paar letzte Woche... und musste feststellen, dass die Schuhe in Größe 39 zu locker sitzen.

Fazit: Dreimal die gleichen Stiefel bestellt, dreimal zurück geschickt. Und keine toten Lämmchen für meine Füße.

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Heute vor einer Woche kehrte ich aus Göteborg zurück, heute gibt es eine schwedische Band im Sendeschluss: I'm From Barcelona inspir...

Sendeschluss: I'm From Barcelona - Violins



Heute vor einer Woche kehrte ich aus Göteborg zurück, heute gibt es eine schwedische Band im Sendeschluss: I'm From Barcelona inspirierten Pelle Carlberg zu seinem Lied "Pamplona" und werfen ansonsten die Frage auf, wie man mit derart vielen Bandmitgliedern jemals profitabel auf Tournee gehen kann.

Eines ist nach dem Genuss ihres neuesten Videos klar: Man fährt mit dem Bus!

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Im Januar stellte mein Freund auf seinem Blog das Album von And The Golden Choir, alias Tobias Siebert, vor und nutzte die Gelegenheit f...

Neulich auf der Echtzeit-Gästeliste: And The Golden Choir im Wetzlarer Franzis


Im Januar stellte mein Freund auf seinem Blog das Album von And The Golden Choir, alias Tobias Siebert, vor und nutzte die Gelegenheit für eine öffentlich ausgesprochene Einladung zu einem Wohnzimmerkonzert. Überraschenderweise meldete sich tatsächlich jemand bei ihm: Irgendwann bekam er eine Mail von einer Annette Herrmann von Loob Musik (die das Label gemeinsam mit Siebert betreibt), die fragte, ob die Einladung denn ernst gemeint gewesen sei. War sie natürlich, aber Terminschwierigkeiten verhinderten bis auf weiteres einen konkreten Konzertplan für Montabaur.

Nachdem wir And The Golden Choir aber so gerne live sehen wollten, dass wir sogar bereit waren, dafür unser Wohnzimmer zu verlassen, machten wir uns am Donnerstagabend auf den Weg nach Wetzlar, wo Herr Siebert Station machte. Am Nachmittag hatte mein Freund noch an Annette gemailt, dass wir kommen würden, und dass man vielleicht nochmals über einen Termin in unserem Wohnzimmer sprechen könnte ... und während wir bereits in Wetzlar auf dem Parkplatz standen und darauf warteten, dass der Einlass begann, bekam er die Antwort mit dem Angebot, uns auf die Gästeliste zu setzen.


Darauf antworteten wir nicht mehr, schließlich waren wir bereits vor Ort, aber als wir an der Kasse waren, entdeckte mein Freund seinen Namen dennoch auf der gut sichtbaren Gästeliste. Die Dame an der Kasse war verständlicherweise angesichts unseres Verhaltens ("Oh, cool, ich sehe hier gerade meinen Namen auf der Gästeliste!") ein wenig skeptisch, glaubte uns dann aber doch. Ein schlechtes Gewissen hatten wir aber dennoch, denn andere und vor allem zahlende Besucher fanden sich nur äußerst spärlich ein.


Als etwa 16 Gäste auf den Gartenstühlen vor der Bühne Platz genommen hatten, betrat Tobias Siebert die Bühne und legte eine Platte auf. Er erklärte: "Ich präsentiere meine Vorband, Talking to Turtles "Split", Seite A!" und ging wieder. Dass bei einem ohnehin sehr vinyl-gestützten Act die Vorband gleich komplett von Platte kam, erschien nur konsequent, und so wurde auch artig nach jedem Track geklatscht. Bei den weiteren Auftritten der Tournee werden übrigens andere Platten aufgelegt, immer von Bands, die Siebert selbst schätzt, etwa Locas In Love, Fotos oder Enno Bunger.

Nach dem Ende der Plattenseite kehrte Siebert zurück und begann sein eigenes Set. Wie wir es bereits in Köln, als er die Vorband von Slut gewesen war, gesehen hatten, legte er für jeden Song zunächst eine von ihm selbst eingespielte Platte auf, die eine Band ersetzte und zusätzlich ordentlich knisterte. Beim Suchen der Schallplatte zum nächsten Song gab es witzige Kommentare etwa "Die Band überlegt." Zur Platte spielte er jeweils ein Instrument live, meistens Gitarre, aber er hatte auch mehrere andere, und ich komme mir sehr dumm vor, wenn ich zugeben muss, dass ich bei kaum einem erkannte, was es war.


Das macht aber überhaupt nichts, denn unter den Gästen waren vorab Programmhefte verteilt worden, in denen nicht nur die Liedtexte in der richtigen Reihenfolge abgedruckt waren, sondern in denen auch zusätzlich bei jedem Lied vermerkt war, welches Instrument hier zum Einsatz kam. Deshalb weiß ich nun, dass es sich bei dem klavierartigen Instrument mit Knöpfen über den Tasten um ein Harmonium, bei dem seltsamen Trapez, das nur bei "My Brother's Home" zum Einsatz kam, um einen Santur und bei dem, was ich für eine Art E-Zither hielt, um eine Autoharp handelte. Selbst das, was ich, stolz darüber, auch einmal etwas zu wissen, bei "Dead End Street" als Mandoline tituliert hatte, war in Wirklichkeit eine Thüringer Waldzither!


Solch detaillierte und akkurate Informationen erleichtern das Bloggen natürlich erheblich, aber auch sonst stellte das liebevoll gestaltete und individuell unterschriebene Programmheft eine nette Idee dar, die ich so noch auf keinem Popkonzert gesehen hatte. Aus journalistischer Sicht könnte man sich höchstens noch wünschen, dass im Programmheft auch die drei unbenannten, offenbar sehr neuen Lieder, die And The Golden Choir an diesem Abend vortrug, benannt worden wären. So wurde das Album "Another Half Life" einmal komplett in der veröffentlichten Reihenfolge durchgespielt, ergänzt durch die neuen Lieder und einen Song ("Follow Angels") von der vorab veröffentlichten EP.

Bleibt nur noch zu sagen, dass viele der meist ruhig-getragen-traurigen Lieder einen gewissen Radiohead-Einfluss erkennen ließen und dass sie beim Publikum - wie auch bei uns - hervorragend ankamen. So kamen wir, nachdem das Set vorbei und das auf die Bühne mitgebrachte Rotweinglas leer waren, in den Genuss von insgesamt drei Zugabesongs (für die noch etwas Wein nachgeschenkt wurde), von denen der letzte anscheinend überhaupt noch nicht live vorgetragen worden war. Anschließend gab es noch lange Gespräche mit den Publikumsmitgliedern am Merchandisestand, während wir mit Annette über potenzielle Montabaur-Termine sprachen. Vielleicht gibt es ja irgendwann doch noch ein Hauskonzert mit Plattenspieler ...


Setliste:

Another Half Life
The Transformation
Holy Diamond
My Brother's Home
My Heaven Is Lost
It's Not My Life
Daily Dose
Choose To Lose
(neu)
Dead End Street
Follow Angels
The Hunter Of Souls
Angelina

(neu)
In Heaven
(neu)

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