Mein Freund bekam dieses Jahr zum Geburtstag einen Besuch in einem Kletterwald geschenkt. Eine ungewöhnliche Wahl, nachdem er sich doch a...

Neulich als ich hoch hinaus wollte: Ein Besuch im Kletterwald Sayn


Mein Freund bekam dieses Jahr zum Geburtstag einen Besuch in einem Kletterwald geschenkt. Eine ungewöhnliche Wahl, nachdem er sich doch am allerliebsten drinnen aufhält. Aber es spricht ja immer viel dafür, den eigenen Horizont zu erweitern. Also ging es vorletztes Wochenende nach Sayn, um den Gutschein einzulösen - die Schenker waren mit von der Partie.

Mir war im Vorfeld das Konzept des Hochseilgartens durchaus bekannt, allerdings eher als Teambuilding-Maßnahme für Betriebsausflüge und weniger als Freizeitvergnügen für Familien. Tatsächlich waren es aber zum Großteil Eltern mit Kindern, die an diesem Sonntagmittag die Bäume unsicher machten, ansonsten auch Gruppen von Freunden.


An der Kasse bezahlte man zunächst (wenn man keinen Gutschein geschenkt bekommen hat, kosten drei Stunden Kletterwald 19 Euro), dann bekommt man Klettergurte angelegt, Helme überreicht und zunächst die beiden an den Gurten befestigten Rollenkarabiner erklärt. Diese kann man nämlich aus Sicherheitsgründen nicht gleichzeitig öffnen, das heißt, dass man, während man klettert, immer mit mindestens einem Haken gesichert ist und bei einem Sturz durch die Gurte aufgefangen würde. Die Karabiner dienen aber auch als "Seilbahnwaggons", wenn man mit ihrer Hilfe längere Strecken an einem Seil herunter rutscht.

All das bekommt man gruppenweise in einem winzigen Testparcours erklärt, in dem man das An- und Abhängen der Haken üben kann und sich langsam und unter Aufsicht daran gewöhnt, sich in einem Baumparcours zu bewegen. Als unsere Vierergruppe so weit gekommen war, hatten wir noch nicht sonderlich großes Vertrauen in unsere Kletterkünste. Während andere Teilnehmer schnurstracks in die Bereiche "Pyrenäen" oder gar den "Himalaya" abmarschierten, zog es uns zunächst nach Deutschland: Uns wurden von der Trainerin die Wege durch das "Erzgebirge" und auch das "Fichtelgebirge" ans Herz gelegt. Man sieht, die einzelnen Wege heißen nach Gebirgen, und man kann den Schwierigkeitsgrad in etwa vom Namen ableiten.


Im Kletterwald ist jeder Parcours am Anfang mit einem Schild gekennzeichnet, das neben dem Schwierigkeitsgrad (in unserem Fall "sehr leicht") auch die Zahl der zu überwindenden Elemente darstellt und weitere Informationen enthält. Die unterschiedlichen Wege kreuzen sich aber und führen über- und untereinander her, so dass zumindest ich es im Vorfeld immer schwierig fand, zu erkennen, wie genau der gewählte Weg verlaufen würde. Sobald man einmal begonnen hatte, waren die nächsten Schritte aber immer völlig klar.


Erz- und Fichtelgebirge ließen sich in der Tat ohne größere Probleme absolvieren, wobei ich die einzelnen Abschnitte - etwa durch ein wackeliges Netz gehen oder von einer an beiden Enden aufgehängten Holzsprosse zur nächsten schreiten - keineswegs trivial fand. Danach fühlten wir uns etwas mutiger und wählten als nächstes einen Weg mit "mittlerem" Schwierigkeitsgrad: Die Alpen.

Hier kletterte man von Anfang an etwas höher und musste sich schon im zweiten "Arbeitsschritt" an einem Seil zur zweiten Station schwingen. Natürlich ist eine solche Aktion völlig gefahrlos, wenn man angeseilt ist, aber zumindest mir fiel es dennoch schwer, den Seilen zu vertrauen. Viele anwesende Kinder waren da um einiges furchtloser und absolvierten die Parcours in rasender Geschwindigkeit.


Auch in den folgenden Aufgaben erwiesen sich die Alpen als durchaus anspruchsvoll. Am anstrengendsten war eine im Grunde einfache Kletterpartie an einem Netz entlang, die meine nicht vorhandenen Armmuskeln arg strapazierte. Am aufregendsten war eine Seilbahnfahrt, für die man mit den Füßen in einen Eimer steigen musste - und dann am anderen Ende rechtzeitig ein Seil hätte erwischen müssen... im zweiten Versuch klappte es dann bei allen. Letztlich waren auch die Alpen also irgendwie schaffbar, aber mir war danach auch völlig klar, dass der Schwierigkeitsgrad "mittel" die absolute Obergrenze meines Klettertalents darstellte.


Also wagten wir uns als nächstes an den ebenfalls als "mittel" ausgezeichneten "Grand Canyon Swing", der nur drei Elemente enthielt, und als Hauptattraktion einen Sprung in die Tiefe. So weit kam ich aber leider gar nicht erst, denn beim an sich einfachen Aufstieg über ein Holzgerüst beschwerten sich meine Armmuskeln so sehr, dass ich aufgab. Die anderen absolvierten dieses Hindernis, rutschten per Seilbahn zur Schaukel und mussten sich dort an einem speziellen Element anseilen, das einen nach einem beherzten Sprung recht sanft auf den Boden herunter ließ. Auch hier war im Grunde klar, dass nichts passieren konnte, aber der Sprung aus mehreren Metern Höhe kostete natürlich dennoch einiges an Überwindung.


Zuletzt suchten wir noch eine der Hauptattraktionen des Kletterwaldes auf, den "Eiger Express". Auch dieser, als "leicht" gekennzeichnete, Parcours wies nur wenige Stationen auf, die nur dazu dienten, den Ausgangspunkt der längsten Seilbahn des Kletterparks zu erreichen. Danach sauste man über eine 160 Meter lange Strecke. Auch hier erforderte der Absprung etwas Mut, erfolgte er doch aus einer recht beträchtlichen Höhe. Die Fahrt über ein großes Gebiet des Kletterwaldes machte dann aber tatsächlich sehr viel Spaß.


Anschließend waren unsere drei Stunden fast vorbei, und so gaben wir unsere Ausrüstung wieder ab und machten uns auf den Heimweg. Tatsächlich hatte mit der Besuch im Hochseilgarten viel mehr Spaß gemacht, als ich erwartet hätte. Man ist eben doch stolz, wenn man es schafft, die einzelnen Kletterelemente zu absolvieren (und dabei nicht zu aufmerksam beachtet, wie leicht das vielen Kindern fällt), und auch, wenn man sich zu einem Sprung überwunden hat.

0 Kommentare:

Ein "Dear John Letter" ist im englischen Sprachgebrauch ein "Schlussmachbrief", und zwar insbesondere einer an einen ...

Sendeschluss: James - Dear John


Ein "Dear John Letter" ist im englischen Sprachgebrauch ein "Schlussmachbrief", und zwar insbesondere einer an einen Frontsoldaten im zweiten Weltkrieg. Und so geht es auch in James' Version um das Beenden einer Beziehung.

Man kann nur hoffen, dass die Textzeilen "I wrote this song to tell you I’m leaving / Afraid to say these words to your face / Must be better than a letter a text or an email / My ride stops here at the end of the line" nicht wirklich dazu gedient haben, einer (Ex-) Freundin von Tim Booth den Stand der Dinge zu erklären, so nach dem Motto "Schatz, hör dir doch mal mein neues Lied an!"

Im etwas psychedelischen Video zum Song kommt in einer Nebenrolle eine Katze vor.

0 Kommentare:

Auch Rügenwalder Mühle ist ein wohlbekannter Wurstanbieter im Kühlregal. Wenn man allerdings nach Skandalen sucht, zumindest so oberflächlic...

Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (4): Vegetarische Mühlen Bratwurst von Rügenwalder Mühle

Auch Rügenwalder Mühle ist ein wohlbekannter Wurstanbieter im Kühlregal. Wenn man allerdings nach Skandalen sucht, zumindest so oberflächlich, wie ich es getan habe, gibt es hier wenig zu sagen. Am aufregendsten ist vielleicht noch, dass es das Firmensymbol, die Mühle, "in echt" erst seit 2011 gibt. Aber mal ehrlich: In mir nagt das Gefühl, dass auch die Hanuta-Waffeln gar nicht wirklich von einer einzelnen Dame im Mittelalterkostüm gebacken werden.


Ansonsten gibt es tatsächlich wenig Aufregendes zur Firma zu berichten, die seit 2014 etliche vegetarische Produkte anbietet. Gut, es handelt sich um eine große, Fleisch verarbeitende Firma, und ich gehe eher nicht davon aus, dass die dazu benötigten Tiere glücklich auf Wiesen umhertollen und irgendwann an Altersschwäche sterben. Tatsächlich plagt mich auch ein wenig das schlechte Gewissen, denn einige der vegetarischen Rügenwalder-Produkte, vor allem die Mini-Frikadellen und der Aufschnitt, findet man durchaus öfter in meinem Kühlschrank. Sie schmecken nämlich ausgesprochen gut. Deutlich schwächer finde ich dagegen die regulären Frikadellen.


Wie sieht es aber nun mit der vegetarischen Mühlen Bratwurst aus, um die es hier gehen soll? An Zutaten ist so ziemlich alles dabei, was für Ersatzprodukte Verwendung findet: Soja, Rapsöl, Eiklar, Weizengluten und vieles mehr, auch Aroma ist zugesetzt. Eine Packung mit 180 Gramm kostet 2,79 Euro.


Speziell wenn man vorab die drei anderen hier vorgestellten, weitgehend geschmacksneutralen Würste probiert hat, mag man kaum glauben, dass es sich hier um eine weitere  vegetarische Bratwurst handelt. Tatsächlich griff ich verstohlen zur Verpackung, um zu prüfen, ob wir nicht vielleicht doch versehentlich die reguläre Bratwurst des Anbieters erworben hatten. Aber es lag kein Fehler vor: So gut kann eine Veggie-Wurst also auch schmecken.

So ganz glücklich bin ich mit dem Produkt, wegen der großzügigen Verwendung von Eiklar, dennoch nicht. Aber vielleicht wird die umstrittene Zusammenarbeit des Herstellers mit dem Vegetarierbund in Zukunft ja noch weitere Früchte tragen.

Hier die anderen Teile der Reihe:

Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (1): Bratmaxe Veggie-Griller von Meica
Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (2): Veggie-Zwerge von Gutfried
Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (3): Bruzzzler Veggie von Wiesenhof








0 Kommentare:

Eines steht fest: Wäre ich beim Einkauf dabei gewesen, der uns den Wiesenhof Bruzzzler "Veggie" in den Haushalt brachte, hätte ich...

Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (3): Bruzzzler Veggie von Wiesenhof

Eines steht fest: Wäre ich beim Einkauf dabei gewesen, der uns den Wiesenhof Bruzzzler "Veggie" in den Haushalt brachte, hätte ich dessen Erwerb mit Sicherheit verhindert. Es gibt wohl keine Firma, die in Deutschland mehr Aufsehen erregt, wenn es um Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und sonstige Skandale geht.


Auf Wikipedia reiht sich tatsächlich Skandal an Skandal, sei es nun (immer wieder) der Tierschutz oder auch der illegale Export von Tiermehl. Tatsächlich hasse ich Wiesenhof so sehr, dass sich diese Abneigung auch auf den Fußballverein Werder Bremen überträgt, dessen Trikotsponsor die Firma ist und dem ich jedes Jahr von Herzen den Abstieg wünsche (oder alternativ einen neuen Sponsor). Dass es kürzlich auch noch einen extrem geschmacklosen Werbespot mit Atze Schröder für die Marke gab, fällt da kaum noch ins Gewicht, passt aber natürlich ins Bild.


Nun gut, wenn die Wurst der Hassmarke (ich habe mich noch gar nicht über die alberne Schreibweise mit "zzz" echauffiert!) bereits im Haus ist, kann man sie auch testen. Beim Studium der Zutatenliste - auch hier führt Wasser, gefolgt von Rapsöl, Sojaprotein und Stärke - dann der Schock: Dieses Produkt scheint vegan zu sein. Ausgerechnet der wahrscheinlich größte Hühnerhalter des Landes verzichtet in seiner vegetarischen Wurst auf Ei. Sachen gibt's! Ähnlich wie bei der Konkurrenz liegt die 200-Gramm-Packung mit drei größeren Bratwürsten bei 2,99 Euro.


Immerhin der Geschmackstest bestätigt dann aber meine Vorurteile: Die Wurst ist nicht ganz so geschmackneutral wie ihre Vorgänger von Meica und Gutfried, aber da ist noch viel Raum nach oben! Um so besser, denn eine leckere, leicht erhältliche und auch noch Hühnerei-freie Wurst von Wiesenhof hätte mich beim Einkauf in echte Gewissenskonflikte gestürzt.

Hier die anderen Teile der Reihe:

Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (1): Bratmaxe Veggie-Griller von Meica
Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (2): Veggie-Zwerge von Gutfried
Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (4): Vegetarische Mühlen Bratwurst von Rügenwalder Mühle

0 Kommentare:

Machen wir weiter mit der Serie "Marken, die für ihre Fleischwaren bekannt sind, versuchen nun, uns auch Vegetarisches zu verkaufen&quo...

Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (2): Veggie-Zwerge von Gutfried

Machen wir weiter mit der Serie "Marken, die für ihre Fleischwaren bekannt sind, versuchen nun, uns auch Vegetarisches zu verkaufen". Als nächste tritt Gutfried an, eine Firma, die eigentlich Nölke heißt (Gutfried ist nur eine der Marken im Sortiment) und 1968 in Deutschland die Geflügelwurst einführte. In jüngeren Jahren hat Johannes B. Kerner in Fernsehspots versucht, die Menschen davon zu überzeugen, dass eine fettige Wurst aus Truthahn gesünder sei als eine fettige Wurst aus Schwein.


Das ist insofern besonders amüsant, als Foodwatch 2010 bekannt machte, dass die "Puten-Cervelatwurst" von Gutfried zu mehr als 50 Prozent Schwein enthielt. Gutfried rechtfertigte sich damit, dass das Schweinefleisch korrekt auf den Produktverpackungen angegeben gewesen sei. Folglich sollte man sich das Zutatenverzeichnis der neuen "Veggie Zwerge" wohl besonders genau ansehen. Nicht, dass hier auch mit Schweinefleisch gearbeitet wurde und das völlig klar ist, wenn man nur das Kleingedruckte studiert?


Tatsächlich besteht das Produkt jedoch aus Wasser, Sonnenblumenöl, Sojaeiweiß, Hühnereiweiß und einigem mehr. Also zweifellos vegetarisch, wenn auch nicht vegan. Der Ei-Anteil ist mit 5 % sogar recht niedrig bemessen. Eine Packung enthält 300 Gramm beziehungsweise zehnWürstchen und kostet 2,99 Euro.


Bezüglich des Geschmacksurteils kann ich nur sagen: Das Wasser schmeckt man heraus! Tatsächlich schafft es dieses Produkt, annähernd so wenig Geschmack zu haben wie die Meica-Wurst. Es verwundert, dass sich ein so geschmacksneutrales Produkt im Supermarktregal durchsetzen kann. Gutfried-Freunde, die hier erwarten, ein Geschmacksäquivalent zur normalen Wurst zu erhalten, werden sicherlich ebenso enttäuscht sein wie dauerhafte Vegetarier.

Hier die anderen Teile der Reihe:

Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (1): Bratmaxe Veggie-Griller von Meica
Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (3): Bruzzzler Veggie von Wiesenhof
Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (4): Vegetarische Mühlen Bratwurst von Rügenwalder Mühle

0 Kommentare:

Wer sich auch nur gelegentlich im Supermarkt aufhält, hat es sicher bemerkt: Das Angebot an vegetarischen Ersatzprodukten für Fleischwaren w...

Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (1): Bratmaxe Veggie-Griller von Meica

Wer sich auch nur gelegentlich im Supermarkt aufhält, hat es sicher bemerkt: Das Angebot an vegetarischen Ersatzprodukten für Fleischwaren wächst stetig. Die neuen Artikel stammen dabei meist von Firmen, die man aus dem traditionellen Fleischgeschäft kennt: Meica, Gutfried, Rügenwalder...

An und für sich kann man es gut finden, dass diese Firmen auf den Markt drängen. Immerhin sind sicherlich mehr Menschen bereit, eine vegetarische Wurst von Rügenwalder, die so ganz dem "mit Fleisch"-Design der Marke entspricht, zu testen, als das bei einer Ökomarke der Fall wäre.


Aber was ist nun mit diesen bisherigen Anbietern aus dem Kühlregal? In vergangenen Jahren stammten vegetarische Würstchen und Schnitzel, die man im Supermarkt kaufen konnte, meist von weniger bekannten Firmen wie Garden Gourmet, Veggielife oder Wheaty. Diese Produkte werden nun von der bekannteren Konkurrenz aus den Regalen gedrängt. Diese Tatsache, verbunden damit, dass die neuen Produkte oftmals vom Vegetarierbund empfohlen werden, führt dazu, dass der Geschäftsführer von Topas (dem Hersteller der Wheaty-Produkte) nun wutentbrannt seinen Austritt angekündigt hat. Details dazu kann man hier lesen.



In der Tat sind auch mir die neuen Marktteilnehmer nicht sonderlich sympathisch, allerdings kann man lange darüber streiten, ob der Markteintritt etablierterer Anbieter nicht vielleicht doch langfristig dem Tierschutz dient (so sieht es der Vegetarierbund)- auf dieser Seite hat jemand die Pro- und Contra-Argument sehr gut zusammen gestellt.

Kommen wir aber zu meiner aufregenden neuen Blogreihe, in der ich nach und nach Würstchen von "Fleischmarken" vorstelle. Beginnen wir mit Meica, den Herstellern von Würstchenprodukten wie "Bratmaxe" oder "Curry King". Informiert man sich bei Wikipedia über die Firma, erfährt man, dass Meica wegen illegaler Preisabsprachen bereits Ärger mit dem Kartellamt hatte und abgesehen von Nährwertangaben zu seinen Produkten keinerlei Informationen herausrückt. Nicht mal zu den Bioprodukten lässt sich irgendetwas in Erfahrung bringen. Aus Tierliebe macht diese Firma also sicher nichts Vegetarisches.



Und wie war nun unsere geschmackliche Auseinandersetzung mit dem vegetarischen Bratmaxe? Absolut enttäuschend. Die Würste schmecken, als wären bei der Zubereitung die Gewürze vergessen worden. Der "Bratmaxe Veggie Griller" kommt mir ganz sicher nicht noch einmal ins Haus. Der Vollständigkeit halber: Eine 180-Gramm-Packung kostet 2,89 Euro. Neben Soja ist auch Hühnereiweiß enthalten.

Hier die anderen Teile der Reihe:

Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (2): Veggie-Zwerge von Gutfried
Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (3): Bruzzzler Veggie von Wiesenhof
Das Fleisch-Imperium schlägt zurück (4): Vegetarische Mühlen Bratwurst von Rügenwalder Mühle





0 Kommentare:

Derzeit befinde ich mich in osteuropäischen Gefilden, da passt ein Song und Video zu Katharina der Großen doch halbwegs dazu. Im Septembe...

Sendeschluss: The Divine Comedy - Catherine The Great


Derzeit befinde ich mich in osteuropäischen Gefilden, da passt ein Song und Video zu Katharina der Großen doch halbwegs dazu. Im September erscheint ein neues Divine Comedy-Album namens "Foreverland". Dieser Begriff spielt im vorliegenden Video bereits eine Rolle, ansonsten handelt es sich um eine charmante und unterhaltsame Geschichte im Stil von Goodbye Lenin.

0 Kommentare:

Neben einer überschaubaren Nahrungsmenge für eine große Menge Geld bei zwei Festivals ( siehe hier ) erwarb ich im Juni diverse Reisebes...

Gekauft: Juni 2016


Neben einer überschaubaren Nahrungsmenge für eine große Menge Geld bei zwei Festivals (siehe hier) erwarb ich im Juni diverse Reisebestandteile, buchte also Flüge, Hotels und eine Ferienwohnung. Nächste Woche geht es zunächst beruflich nach Warschau, dann Ende Juli für eine Kurzreise nach Stockholm und Mitte August dann für eine weitere nach Brighton.

In Stockholm war ich zum ersten und bislang letzten Mal 2009, also vor sieben Jahren. Noch länger ist mein letzter Besuch in Brighton her - nach einer Sprachreise 1989 schaute ich nur 1993 nochmals kurz vorbei. Ja, ich bin alt - und gespannt darauf, diese beiden Orte wiederzusehen. In Warschau war ich übrigens zuletzt diesen März, ich denke also, dass ich zumindest in Bezug auf diese Stadt meinen Erinnerungen vertrauen kann...

0 Kommentare:

Juhu! Im Fernsehen läuft aktuell die zweite Staffel von iZombie , dem einzigen Grund, Sixx einzuschalten! Nachdem aber leider anscheinend ni...

Gesehen: Juni 2016

Juhu! Im Fernsehen läuft aktuell die zweite Staffel von iZombie, dem einzigen Grund, Sixx einzuschalten! Nachdem aber leider anscheinend niemand außer mir diese Serie zu schätzen weiß, verweise ich einfach auf meinen letzten Bericht zum Thema und schweige ansonsten zufrieden.


Im Juni ging außerdem die sechste Staffel von Game of Thrones zu Ende. Die Serie hat nun endgültig das Stadium erreicht, in dem ihre Handlung weiter fortgeschritten ist als die der ihr eigentlich zugrunde liegenden Romane. Das wird, wenn denn eines Tages die beiden letzten Bände der Buchserie erscheinen, sicherlich für Verwirrung sorgen, denn obwohl die Fernsehserie sicher auch Elemente vorausnimmt, die in den Büchern einfach noch passieren müssen, können sich die Handlungen in anderen Bereichen gar nicht mehr gleich entwickeln, etwa wenn es um die Figur Sansa Stark geht, die in der Fernsehserie die Erlebnisse von zwei Romanfiguren zusammenfasst.

Dennoch bleibt zu sagen, dass die Serie nicht unter dem nun fehlenden Romanvorbild zu leiden scheint. Ich fand auch die sechste Staffel wieder extrem sehenswert und freue mich schon auf die siebte und vielleicht letzte. Insbesondere die Schlacht in Folge 9 war einfach unglaublich, und einige Handlungsfäden laufen nun, nach einer gefühlten Ewigkeit, endlich, endlich zusammen. Wann ist denn endlich wieder April??

0 Kommentare:

Wo gibt es denn so etwas? Schon fast Mitte Juli, und es gab noch keinen Rückblick auf den Vormonat? Skandal, jetzt aber schnell! Im Jun...

Gelesen: Juni 2016


Wo gibt es denn so etwas? Schon fast Mitte Juli, und es gab noch keinen Rückblick auf den Vormonat? Skandal, jetzt aber schnell!

Im Juni habe ich nur ein Buch vollendet, das Hörbuch The Last Temptation von Val McDermid. Der Roman ist ein Krimi aus einer ziemlich langen, noch nicht abgeschlossenen Reihe um die nordenglische Polizistin Carol Jordan und den Psychologen Tony Hill. Die Serie läuft schon ziemlich lange, weshalb ihre frühen Teile in den 90er Jahren spielen, The Last Temptation (Deutsch: Ein kalter Strom) ist von 2003.

Vor Jahren hörte ich bei Spotify einen neueren Teil, dann las ich die ersten beiden, von denen ich das erste Buch albern und sehr an die 90er gebunden fand (und hier an Das Schweigen der Lämmer). Dennoch versuchte ich es noch mit dem zweiten und wurde positiv überrascht: Eine spannende, wenn auch sehr brutale und finstere Geschichte um einen mordenden Prominenten.

Nach ein paar Jahren Pause versuchte ich es nun also mit Teil 3, der qualitativ etwa in die Mitte fällt. Zur Handlung: Carol und Tony sind nach Teil 2 getrennte Wege gegangen, Carol hat eine Zusatzausbildung gemacht und möchte zu Europol. Vorab schickt man sie aber als Undercover-Ermittlerin nach Berlin, und zwar nicht, weil sie auf dem Gebiet Erfahrung hätte, sondern, weil sie der kürzlich verstorbenen Freundin eines polnischen Menschenschmugglers ähnelt und man hofft, dass er der zufällig aufgetauchten Doppelgängerin vertrauen wird.

Parallel gibt es natürlich, denn das ist in der Reihe immer so, auch einen Serienkiller, der ebenfalls aus Deutschland stammt und sich als Mordopfer ausgerechnet Psychologen ausgesucht hat. Tony wird inoffiziell als Profiler hinzu gezogen und nutzt dies als Vorwand, ebenfalls nach Berlin zu gehen und Carol beizustehen.

Allzu viel Sinn ergeben viele Entscheidungen der Figuren nicht. Allein, dass man zum hochgefährlichen Undercover-Einsatz problemlos einen Freund mitbringen darf, dürfte einzigartig sein. Auch läuft alles ganz prima, bis Carol und Tony einen ebenso unerklärlichen wie saublöden Fehler begehen. Und in der englischsprachigen Hörbuchversion sprechen alle Figuren natürlich Englisch, aber immer mit dem Akzent, der für sie passt - also einem deutschen oder auch polnischen. Das ergibt Sinn, so lange die Figuren mit Carol sprechen, aber weit weniger, wenn sie es miteinander tun, also eigentlich Deutsch sprechen müssten. Da wäre es mir lieber gewesen, die ganze Akzent-Geschichte einfach wegzulassen.

Nichtsdestotrotz ist der Roman kurzweilig und auch spannend, man könnte es Krimi-technisch also auch weit schlechter treffen.

0 Kommentare:

Erklären kann ich nicht viel zu diesem Video. Wo befindet sich die Stadt mit klassisch europäischen Denkmälern, asiatischen Schriftzeiche...

Sendeschluss: Jamie XX - GOSH


Erklären kann ich nicht viel zu diesem Video. Wo befindet sich die Stadt mit klassisch europäischen Denkmälern, asiatischen Schriftzeichen und einem unvermittelt in der Einöde auftauchenden Eiffelturm? Was hat es damit auf sich, dass so viele der Figuren Albinismus haben? Und was machen die Menschenmassen überhaupt?

Die Single "GOSH" stammt bereits von 2015, neu ist also nur das Video von Romain Gavras.

0 Kommentare:

Einer der Unterschiede zwischen dem Down The Rabbit Hole Festival und dem einzigen anderen in den Niederlanden, das ich bisher kannte – d...

Neulich beim Durchfuttern: Das Essen beim Down The Rabbit Hole Festival 2016


Einer der Unterschiede zwischen dem Down The Rabbit Hole Festival und dem einzigen anderen in den Niederlanden, das ich bisher kannte – dem Best Kept Secret – ist der sehr viel spärlichere Einsatz englischsprachiger Informationen für Besucher. Aber selbst, wenn man des Niederländischen mächtig wäre, hätte man, glaube ich, wenig Vorabinformationen zum Fressstand-Lineup erhalten können. Auf der Website stand lediglich, es gäbe viel Auswahl, auch für spezielle Ernährungsbedürfnisse.


So wussten wir nicht so recht, was uns bezüglich Essensangeboten erwarten würde, hatten aber das überbordende und in seiner Vielfalt schon übertriebene Best Kept Secret vom Wochenende davor noch frisch im Gedächtnis. Wie erwartet konnte das Down The Rabbit Hole hier nicht ganz mithalten, tatsächlich gab es aber auch hier eine große Auswahl, und zumindest die Preise lagen ähnlich hoch...


Beim Down The Rabbit Hole vertraut man noch auf das althergebrachte Festival-Bezahlsystem mit Wertmarken, die hier „Munten“ heißen. Der Wechselkurs von 2016 lag bei 2,70 Euro pro Munte, und wir verbrauchten zu zweit an drei Tagen insgesamt 30 davon, also 81 Euro – und hierbei muss bedacht werden, dass wir schon beinahe bedenklich wenig getrunken haben. Die „Munten“ bestanden, passend zu den Plastikbecherbergen des Festivals, ebenfalls aus Plastik und ließen sich bei Bedarf auch halbieren.


Am Freitag hatten wir das Gelände noch nicht allzu weit erforscht. Anders als bei anderen Festivals waren die Fressstände nämlich überall auf dem Gelände verteilt, was gut war, wenn man schnell einen erreichen wollte, aber schlecht, um sich einen Gesamtüberblick zu schaffen. Vor PJ Harvey blieb uns nicht viel Zeit, also entschloss ich mich kurzfristig für einen Hanfburger. Der Stand warb damit, dass seine Produkte vegan, halal und koscher seien. Nichts davon erklärte die Farbe des Brötchens, aber mein Hanfburger schmeckte durchaus gut, wenn auch nicht gerade intensiv. Kann man kaufen, wobei 8 Euro 10 natürlich ein Mondpreis sind.



Mein Begleiter entschied sich zum gleichen Preis für eine Pizza von Wood Pizza, einem Stand, der uns irgendwie bekannt vorkam. Richtig, wie auch einige andere Stände war er auch beim Best Kept Secret Festival gewesen. Auch bei der Pizza ließ sich der Preis nicht rechtfertigen, sie wurde aber frisch gemacht und schmeckte gut. Im Bericht des letzten Jahres konnte ich auch nachlesen, dass die Pizza beim Best Kept Secret 10 Cent weniger kostete, die Mondpreise beider Festivals sind also annähernd identisch.



Am Samstag lockte mich fürs Abendessen ein indonesischer Stand, der zu meiner Überraschung „Broodjes“ anbot – indonesisches Essen stellt man sich ja eher reislastig vor. Ich kaufte für 6,75 Euro die vegetarische Option, die einen für mich nicht identifizierbaren Fleischersatz enthielt. War es Tofu? Seitan? In jedem Fall schmeckte der Gemüsemix, der hauptsächlich grüne Bohnen enthielt, ganz phantastisch und eher scharf. Das burgerartige Brötchen wirkte in diesem Gericht eher fehl am Platz, war aber als Sättigungsbeilage dringend nötig. Auch so war die Mahlzeit nach wenigen Minuten vertilgt.



Für meinen Freund suchten wir an einen Falafel-Stand auf. Dieser setzte auf einen möglichst exotischen Effekt, indem orientalische gekleidete junge Frauen vor dem eigentlichen Stand standen und die Bestellungen aufnahmen und an die eigentlichen Köche übermittelten. Quasi Kellnerinnen am Fressstand. Neben Falafeln gab es auch andere libanesische Gerichte zu kaufen. Mein Freund bekam den Falafel-Salat, zu dem man sich zwei Saucen aussuchen konnte. Ich war überrascht, dass wir dabei eine Menge Sambal Oelek erhielten, die in unserem Haushalt ein ganzes Jahr gereicht hätte. Offenbar hat man zu dieser Sauce in den Niederlanden ein anderes Verhältnis – auch an weiteren Ständen sah ich sie in riesigen Plastikflaschen, während ich in Deutschland nur winzige Gläschen kenne.

Der Falafel-Salat war ebenfalls lecker, allerdings mit der beigefügten Holzgabel schwer zu essen. Ansonsten konnte man, wie immer, nur über das Preis-Leistungs-Verhältnis meckern, denn er kam auf stolze 9,45 Euro.



Der Sonntag war unser längster Festivaltag, entsprechend tankten wir nochmals Munten nach und kauften vergleichsweise viel. Als erstes gab es eine geteilte Portion Pommes Frites, die, wie an allen Pommes-Ständen des Festivals, frisch aus Kartoffeln mit Schale gemacht wurden. Für 4,05 Euro geradezu ein Schnäppchen. Unsere Tüte enthielt allerdings zu viele kleine Bruchstücke, die den Pommes-Genuss trübten.



Später entschied ich mich für einen Couscous-Salat, der eigentlich Feta enthalten sollte. Nachdem dieser ausgegangen war, bekam ich stattdessen einen Berg Parmesan. Der Salat schmeckte insbesondere Dank den enthaltenen milden roten Zwiebeln sehr gut, allerdings hätte ich mühelos auch die doppelte Portion geschafft. Mit knapp unter 7 Euro war er zumindest vergleichsweise günstig.



Mein Freund traf eine noch preisbewusstere Entscheidung und kaufte ein Toasti. Für die Sorte „Wagemut“ fehlte ihm eben dieser, also wurde es „Mozzarella“ – für 2 Munten (5,40 Euro) eine der günstigsten Mahlzeiten des Festivals, aber leider auch keine sonderlich spannende oder geschmacksintensive. Kein Wunder, dass auch dieser Stand eine riesige Sambal Oelek-Flasche zum individuellen Nachwürzen bereit hielt.



Nach dem budgetfreundlichen Mittagessen konnten wir uns noch „Kaffee und Kuchen“ leisten. Ein Café in der Mitte des Geländes bot eine erstaunliche Auswahl, der Kaffee wurde mit individuellen Filtern aufgegossen und kostete pro Tasse 1 Munte /2,70 Euro. Für unsere letzte „Munte“ kauften wir dann noch ein Caramel Shortbread, das so winzig ausfiel, dass mein Freund mich scherzhaft verdächtigte, bereits heimlich den Großteil gegessen zu haben. Aber nein, das Foto zeigt die Originalgröße! Immerhin schmeckte es sehr gut.




Fazit: Auch beim Down The Rabbit Hole konnte man, sofern man nicht auf jeden Euro schauen musste, lecker und sogar gesund essen, und das immer ohne nennenswerte Wartezeit. Die Auswahl war immens und blieb nur hinter dem, in dieser Hinsicht ja wahrscheinlich unschlagbaren, Best Kept Secret Festival zurück. Wie in vielen Bereichen hätte ich mir auch bei den Fressständen mehr englischsprachige Informationen gewünscht – natürlich konnten die Stand-Betreiber im Zweifelsfall alles erklären, aber man möchte sich ja nicht durch eine ganze Speisekarte durchfragen.

0 Kommentare:

Tag drei des Festivals wurde unser längster, schließlich muss man am Abreisetag irgendwann aus dem Hotel auschecken... Unter anderem desh...

Im psychedelischen Kaninchenbau: Down The Rabbit Hole Festival 2016, Tag 3


Tag drei des Festivals wurde unser längster, schließlich muss man am Abreisetag irgendwann aus dem Hotel auschecken... Unter anderem deshalb sahen wir an diesem Tag die mit Abstand größte Zahl Bands und entdeckten auch am dritten Tag noch Winkel des Geländes, zu denen wir vorher überhaupt nicht vorgedrungen waren.

Empfangen wurden wir aber erst einmal von einem Gewitter, vor dem wir mit vielen anderen ins kleinste Zelt Fuzzy Lop flohen, in dem das Quartett Howard auftrat. Die Amerikaner freuten sich über den (sicherlich auch regenbedingt) großen Andrang, und wir stellten fest, dass das Festival auch den weniger bekannten Bands volle 60 Minuten Spielzeit gönnt.


Die Band scheint ihren eigenen Stil noch nicht ganz gefunden zu haben: Während einige Songs nach Radiohead klangen, erinnerten andere an Pink Floyd, hinzu kam ein Beatles-Cover („Happiness is a warm Gun“). Am interessantesten klangen die Lieder, die laut Erklärung des Sängers Neuarrangements bereits veröffentlichter Lieder darstellten, und die sehr elektronisch anmuteten.

Setliste (Auszug):

Happiness is a warm gun (Beatles Cover)
Please be mine
When it goes my way
Religion


Anschließend blieben wir gleich im Zelt, das übrigens trotz seiner geringen Größe im Vergleich über die meisten Videoleinwände verfügte. Als nächstes sollten die Schotten Frightened Rabbit auftreten, die aktuell auch als Vorband der Editors unterwegs sind.

Beim Down The Rabbit Hole Festival verfügt jede Bühne über einen Conferencier, der die Bands brav (und natürlich auf Niederländisch) an- und absagt. Die Moderatorin des Zeltes konnte bei Frightened Rabbit natürlich nicht vermeiden, anzumerken, dass rein namenstechnisch wohl kaum eine Band so gut zu diesem Festival passt (so viel verstanden wir auch ohne Sprachkenntnisse) – immerhin heißen hier alle Zelte nach Kaninchenrassen, und am Eingang steht eine riesige, leuchtende Skulptur des Kinderbuchkaninchens Ninje / Miffy.


Frightened Rabbit waren anscheinend direkt vom parallel stattfindenden Glastonbury-Festival angereist und Sänger Scott Hutchinson erklärte, sie hätten seit zwei Nächten nicht geschlafen und seit drei Tagen nicht geduscht, und würden wahrscheinlich stinken. Nach kurzem Nachdenken fügte er hinzu, dass wir sicher nicht besser röchen, um dann zu rufen: „Who’s proud to smell like shit?“

Den Auftritt des Schotten habe ich in durchaus angenehmer Erinnerung, muss aber gestehen, dass ich mich an weitere Details so gut wie nicht erinnern kann. Ob das am dritten Tag Passivkiffen in Folge liegt?

Setliste:

Get Out
Holy
The Modern Leper
Woke Up Hurting
I Wish I Was Sober
Living In Colour
Head Rolls Off
Old Old Fashioned
Lump Street
The Woodpile (?)
Keep Yourself Warm
The Loneliness And The Scream (?)


Nach Frightened Rabbit hatten wir eigentlich „frei“, das nächste fest eingeplante Konzert von Daughter lag noch mehrere Stunden in der Zukunft. Als wir uns ohne festes Ziel zum ersten Mal in den Bereich des Areals begaben, der am weitesten weg vom Eingang lag, entdeckten wir dort zu unserer Überraschung eine weitere kleine Bühne. Hier gab es kein Zelt, lediglich planenartige Überdachungen über der Bühne selbst und mehreren kleinen Zuschauertribünen. Alles war als Kreis angeordnet, auf dem Gras in der Mitte war Platz für weitere Besucher. Der Bereich war dicht gefüllt mit gespannt wartenden Zuschauern, und nachdem wir nichts anderes zu tun hatten, warteten wir eben mit.

Schon nach wenigen Minuten betrat ein verlegen lächelnder junger Mann mit Gitarre die Bühne und sagte, er sei Daniel Docherty. Er erklärte sogleich, er stamme aus Schottland und habe einen besonders starken Akzent, hinzu käme, dass er bei Aufregung immer besonders schnell spreche, also würden wir vermutlich nichts von dem verstehen, was er sagte. Tatsächlich klang er noch ein bisschen schottischer als die eben erst gesehenen Frightened Rabbit, aber verstehen konnte man ihn mit etwas Mühe durchaus.


Das war auch gut, denn viele der Lieder, die er auf seiner Gitarre vorspielte, wobei er seine Gesang auch mit ausgesprochen komplizierten Klopfrhythmen auf dem Gitarrenkörper begleitete, erklärte er recht ausführlich. So erfuhren wir, dass er sich als Kind wegen eines Missverständnisses für krankhaft übergewichtig gehalten hatte („Overweight“), dass man als Straßenmusikant in Glagow viele skurrile Begegnungen macht („Busking“) und dass eine von ihm gespielte Coverversion von „Tears In Heaven“ eine Zuschauerin dazu motivierte, ihm ihre eigene traurige Geschichte zu erzählen, worauf wiederum der Song „Garden In The Snow“ basiert.


Docherty machte mit seinem emotionalen, aber nicht kitschigen Gesang, seinen Geschichten und seiner sichtlichen Freude über das gleichermaßen große wie aufmerksame Publikum (es waren sicherlich 1000 Leute gekommen, die bei „Busking“ auf Aufforderung auch kräftig mitsangen) einen unglaublich sympathischen Eindruck. So ist das eben manchmal bei Festivals: Man plant vorab genau, wen man sehen möchtet, und dann stolpert man per Zufall über eines der besten Konzerte.

Setliste (Auszug):

Overweight
Busking
Garden in the snow
Hold me



Weiter ging es nun mit unserem geplanten Tagesprogramm, in dem als nächstes Daughter angesetzt waren. Als wir uns dem Zelt Teddy Widder näherten, war hier allerdings noch die davor spielende Band, Dubioza Kolektiv, zu hören, obwohl deren Auftrittszeit eigentlich bereits beendet war. Von draußen hörte sich das Konzert stark nach Hermes House Band oder einem ähnlichen Partykracher an – ein stärkerer Gegensatz zu den verhaltenden, ehrlich gesagt meist deprimierenden Daughter war kaum vorstellbar.


Auch Daughter kamen den eigenen Angaben nach direkt aus Glastonbury, sahen aber etwas weniger vom Leben gezeichnet aus als Frightened Rabbit (Wie muss man sich das eigentlich vorstellen? Stand in Glastonbury irgendwo eine Reihe Pendelbusse, die Bands direkt von dort nach Holland schafften??). Allerdings war gerade Sängerin Elena Tonra ausgesprochen wortkarg, vielleicht was das ja eine Auswirkung der schlaflosen Nacht. Sie lächelte zum Ausgleich aber viel.


Für den Liveauftritt hatten Daughter zusätzlich eine Keyboarderin mitgebracht. Im Hintergrund der Bühne hing das Cover des aktuellen Albums „Not To Disappear“. Das Lied „Smother“ kündigte Igor Haefeli entschuldigend als trauriges Lied an, das „not festival-ly“ sei – eine lustige Bemerkung, da sich Daughters Musik ja an sich nicht gerade durch Frohsinn auszeichnet. Immerhin führten sich manche Zuschauer aber bei „No Care“ zum Mitklatschen angeregt – was Tonra gleich wieder ein Lächeln entlockte. Vor „New Ways“ musste sie dann doch einmal etwas sagen, ihr war nämlich ein Fingernagel eingerissen, an dem sie nun herumknabberte, weil sie so nicht weiter Gitarre spielen konnte – wie sie selbst zugab, ein „weird intro“.

Bei „Youth“ schließlich wurde vom Publikum so ausgiebig mitgesungen, als hätten Daughter ihren eigenen Mädchenchor dabei. Ich war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits unterwegs zu Suede, denn angesichts des dichten Zeitplans musste man Prioritäten setzen.


Setliste:

How
Tomorrow
Numbers
Alone / With You
Human
Doing The Right Thing
No Care
Smother
New Ways
Youth
Fossa


Der Sonntag war ja der letzte Festivaltag, und bereits bei unserer Ankunft am Mittag hatten wir gesehen, dass viele Zelte auf dem Campingplatz bereits abgebaut wurden. Nachdem auch die Camper ja auf Pendelbusse zu ihren jeweiligen Autos angewiesen waren, brachten viele sicherlich nur bereits ihr Gepäck zum Auto, um dann nochmals zum Festival zurück zu kehren. Einige werden aber auch einfach nach Hause gefahren sein: Sowohl bei Suede als auch beim Tages-Hauptact Anohni hatte man im Publikum deutlich mehr Platz um sich herum, als das am Freitag- und Samstagabend der Fall gewesen war.

Mein letztes Suede-Konzert hatte ich im Januar in Hamburg besucht. Damals hatte die Band zunächst ihr komplettes Album „Night Thoughts“ hinter einem Vorhang gespielt, und ich war etwas in Sorge, dass sich das wiederholen würde. Tatsächlich hatten Suede für diesen Abend aber ein typisches Festival-Set mit vielen Hits dabei, bei denen die aktuelle Platte eine eher untergeordnete Rolle spielte.


Wie schon The National am Vorabend ließen Suede, bevor sie die Bühne betraten, eine Art Mottosong spielen, bei ihnen war das „Bodies“ von den Sex Pistols. Als die Band dann auf der Bühne stand, lag der Fokus wie gewöhnlich ganz klar auf Brett Anderson, der wie immer sein komplettes Bühnenprogramm als Beitrag zum fiktiven Wettbewerb „Wer ist die größte Rampensau der Welt?“ ausrichtete. Er hüpfte mit Anlauf auf Monitorboxen, schwang das Mikrophon um sich, um schließlich von ihm gefesselt zu werden, sang mehrfach direkt in die Fernsehkameras vor der Bühne (bei denen ich nicht weiß, für wen sie was aufnahmen), ließ sich einmal von einer der Kameras im Vorbühnenraum umherfahren, setzte sich auf die Brüstung, die ihn vom Publikum trennte, und ließ sich nach hinten sinken... es war wieder alles dabei.


Auf der Setliste befanden sich neben vielen Singles auch zwei B-Seiten, nämlich „Europe is a playground“ und „Killing Of A Flashboy“ – ersteres mag als Suedes Beitrag zu Großbritanniens EU-Referendum gemeint gewesen sein.


Um Bretts Laune war es nicht bestens bestellt – er schimpfte zu einem recht frühen Zeitpunkt mit dem Publikum, den genauen Kontext habe ich nicht verstanden. Vor „Sometimes I Feel I’ll Float Away“ sagte er nach meinem Verständnis etwas wie „I don't know if you know the next song but I really don't give a shit“. Später, etwas versöhnlicher, forderte er uns ausgerechnet bei „She’s In Fashion“, das ich nicht kannte, zum Mitsingen auf und erklärte in diesem Kontext, Talent sei beim Singen zweitrangig: „Some of the best singers in the world can't sing in tune, all they have is confidence. Confidence is all that matters.“ Nun wissen wir es – laut Glen Hansard braucht man Gefühl zum Singen, laut Brett Anderson Selbstbewusstsein.


Bei all der Singerei ging Bretts Hemd übrigens immer weiter auf, und auch, wenn er öfters Anstalten machte, sich wieder zuzuknöpfen, tat er es irgendwie nie... Stimmlich war Brett, wie auch schon in Hamburg, perfekt auf der Höhe (an Selbstbewusstsein mangelt es ihm ja nun auch wirklich nicht). Der Sound der Hauptbühne blieb allerdings mäßig. Dennoch bleiben Suede eine stets sehenswerte und mitreißende Band, deren Auftritt wieder einmal ein Vergnügen war.

Aus irgendwelchen Gründen fielen uns während des Konzertes übrigens mehrere Personen ein, denen der leicht gealterte Brett Anderson mittlerweile ähnelt. Die Top 4: Udo Jürgens, Jo Gerner aus GZSZ, Mads Mikkelsen als Hannibal Lecter und Bryan Ferry.


Setliste:

Europe is a playground
What I'm trying to tell you
Trash
Animal Nitrate
We Are The Pigs
Sometimes I Feel I’ll Float Away
Filmstar
Killing Of A Flashboy
Heroine
She’s In Fashion
So Young
Metal Mickey
Beautiful Ones


Nach Suede konnten wir gleich im Zelt Hotot bleiben und auf Anohni warten. Die Festival-App setzte uns darüber in Kenntnis, dass vor dem eigentlichen Auftritt ein Film mit Naomi Campbell gezeigt werden würde. So war das dann auch. Auf einer gigantischen Leinwand, auf der wir am Nachmittag bereits eine Probe gesehen hatten (wir hatten ein riesiges, stark geschminktes Frauengesicht gesehen, zu dem Anohni-Musik erklang, aber von der Künstlerin selbst war nichts zu sehen gewesen), sah man nun das Model mit der ewigen Karriere in knapper Kleidung tanzen. Abgesehen von der Erkenntnis, dass Frau Campbell so gut wie überhaupt nicht altert (vielleicht erledigt das ja ein Porträt auf ihrem Dachboden für sie?), hatte der Film mit seiner eintönigen, wabernden Musik und den ewig gleichen Tanzbewegungen wenig zu bieten. Außerdem zeigte sich, dass mit einem Teil der Videowand etwas nicht stimmte, er schimmerte stets lila. Besorgte Techniker sammelten sich hinter der Bühne, und man konnte ahnen, dass Bewegtbilder auch beim späteren Auftritt eine große Rolle spielen würden.


Tatsächlich begann Anohnis Auftritt so, wie wir es bei der Probe gesehen hatten, auf der Leinwand erschien ein gigantisches Frauengesicht, das das von Anohni gesungene Lied vorzutragen zu schien, quasi im Voll-Playback. Von der Künstlerin war zunächst nichts zu sehen. Ab Lied zwei erschien dann eine Figur auf der Bühne, die eine Mischung aus schwarz gefärbtem Imkeranzug und Burka trug: Das Gesicht und selbst die Hände waren verhüllt, es musste sich aber um Anohni handeln, die nun in der Mitte unter der Leinwand stand und sang, während zwei ebenfalls in schwarze Gewänder gehüllte (aber nicht verschleierte) DJs an den Bühnenrändern Knöpfchen drehten.


Offenbar sollte das Publikum seine Aufmerksamkeit den „singenden“ Frauen in den Videos widmen, die ihre Lieder tatsächlich sehr packend und emotional, teils auch mit Tränen darbrachten. Das Album „Hopelessness“ dreht sich thematisch um politische und gesellschaftliche Missstände, was durch die ernsten und emotional aufgewühlten Frauen gut vermittelt wurde – wobei die eigentlich anwesende Künstlerin im Vergleich beinahe verschwand. Aber es handelte sich eben mehr um eine Performance als ein Konzert.


Für das Publikum blieb von Lied zu Lied die Frage, ob das ganze Konzert in diesem Stil stattfinden würde. Das tat es, auch wenn Anohni irgendwann zumindest die Handschuhe ablegte und etwas ausfallendere Gesten machte, etwa wildes Armwedeln bei der Zeile „It’s the American dream“ in „Execution“. Später ging sie auch auf der Bühne umher.

Zum besonders traurigen Liebeslied „I Don’t Love You Anymore“ sah man auf der Leinwand Anohnis Augen, und links und rechts von mir liefen nun auch Zuschauerinnen Tränen über die Wangen. Bei „In My Dreams“ war die Künstlerin selbst erneut zumindest auf der Leinwand zu sehen.


Am Ende sah man wiederum Naomi Campbell, die, ebenfalls tränenüberströmt, „Drone Bomb Me“ „sang“, dieser Film war bereits als Video veröffentlicht worden. Zuletzt erschien noch eine letzte Frau auf der Leinwand, die als einzige nicht synchronisiert wurde: Die Künstlerin Ngalangka Nola Taylor erkundigte sich eindringlich nach dem Zustand der Welt (dieses Video kann man hier sehen). Es folgte ein Abspann mit den Namen der Darstellerinnen, dann war alles vorbei – keine Verbeugung, keine Zugabe.

Dieses Konzert war gerade für ein Festival extrem ungewöhnlich, aber auch wirklich beeindruckend und originell. Erstaunlich, dass man sich als Künstlerin selbst so zurücknehmen und dann doch so viel Gefühl vermitteln kann.


Setliste:

Hopelessness
4 Degrees
Watch Me
Paradise
Execution
Ricochet
I Don’t Love You Anymore
Obama
Violent Men
Why Did You Separate Me From The Earth?
Jesus Will Kill You
Crisis
Indian Girls
Marrow
In My Dreams
Drone Bomb Me


Anschließend wanderten wir ein letztes Mal über den Campingplatz zu den Pendelbussen. Für den letzten Abend hatte die Festivalleitung alles gegeben, es gab ein Fußgängerleitsystem, das einen zuverlässig zur richtigen Wartestelle führte – und man hatte offenbar jeden Bus in der ganzen Umgebung gemietet, denn es fuhren ständig neue vor. Uns stand dann noch eine lange Heimfahrt nach Hause bevor, aber insgesamt konnten wir unseren Besuch beim Down The Rabbit Hole dann trotz des misslungenen Anfangs nur positiv werten.


0 Kommentare: