Ach ja, OK Go. Wie kann man die Musikviedo-Latte wiederholt so dermaßen hoch hängen und dann doch immer wieder überspringen? Vermutlich...

Sendeschluss: OK Go - The One Moment


Ach ja, OK Go. Wie kann man die Musikviedo-Latte wiederholt so dermaßen hoch hängen und dann doch immer wieder überspringen?

Vermutlich, indem man sehr, sehr viel plant und dann noch viel mehr probt. "The One Moment" zeigt eine sekundenlange Kettenreaktion in extremer Zeitlupe, wobei darin seltsamerweise die extrem verlangsamten Mundbewegungen des Sänger so halbwegs mit dem Song übereinstimmen. Ansonsten explodiert vieles, auch gerne einmal in bunt, so dass sich, sobald man etwas über die  Genialität des Videos hinweg gekommen ist, die Frage stellt: Welche arme Person musste hinterher das Studio putzen?


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Als mein Freund mich fragte, ob ich Interesse daran hätte, mit ihm das Konzert von The Hidden Cameras in Wetzlar zu besuchen, war meine...

Neulich als die Band auf mich wartete: The Hidden Cameras im Wetzlaer Franzis


Als mein Freund mich fragte, ob ich Interesse daran hätte, mit ihm das Konzert von The Hidden Cameras in Wetzlar zu besuchen, war meine Antwort zunächst ein klares Nein. Er hatte mich nämlich bereits darüber informiert, dass Sänger Joel Gibb zuletzt ein Country-Album gemacht habe, und es stand zu erwarten, dass diese Platte im Mittelpunkt des Konzertabends stehen würde. Für Countrymusik an einem Wochentag-Abend nach Wetzlar fahren? Nö.

Nur für den Fall, dass ich meine Meinung noch ändern würde, fragte mein Freund trotzdem beim Veranstaltungsort per E-Mail an, um welche Uhrzeit das Konzert beginnen würde. Mit dem Zug aus Frankfurt komme ich normalerweise erst um 19 Uhr nach Hause, ein Konzertbeginn um 8 in Wetzlar war folglich erreichbar, aber ambitioniert. Postwendende Antwort des Veranstalters: Das sei kein Problem, man werde der Band einfach sagen, sie solle erst um halb 9 beginnen.


Nun war es natürlich schwierig, wieder aus dieser Nummer herauszukommen: Wann hat man schon die Situation, dass die Band geduldig wartet, bis die Gäste angereist sind? Und wäre es nicht unheimlich traurig, wenn gegen halb 9 in den Raum gefragt würde, ob die Westerwälder mittlerweile eingetroffen seien, und niemand antworten würde?

Also gab ich eben doch nach, und dank kaum vorhandenem Verkehr waren wir sogar gegen 8 bereits in Wetzlar und überlegten nun, ob wir uns vor Ort zu erkennen geben müssten… letztlich taten wir das aber so oder so, denn lange Zeit waren außer uns beiden nur zwei weitere Gäste im Raum, und diese waren sicherlich aus Wetzlar und persönlich bekannt.


Dieser Besuch im Franzis war bereits unser dritter, und ich erinnerte mich dunkel, dass es zumindest bei Gemma Ray auch lange so geschienen hatte, als würde kaum jemand zum Konzert erscheinen, dass es dann aber doch noch relativ voll geworden war (anders bei And the Golden Choir, wo die extra aufgestellten Stuhlreihen viele Lücken aufwiesen).

An diesem Abend blieb der Andrang jedoch gering. Wenig Gäste tauchten auf, und wie wir sehen konnten, bezahlten  noch weniger von ihnen Eintritt. An unserem Nebenstehtisch erarbeiteten zwei deutschsprachige Musiker gemeinsam die Setliste des Abends. Kurz vor Beginn kam auch Gibb in Alltagskleidung heraus und besprach mit dem Licht- und Soundmann, was wann zu geschehen habe.

Auf der Bühne befanden sich die ganze Zeit schon Instrumente, die darauf schließen ließen, dass vier Musiker kommen würden, eines davon war leider eine Steel Guitar. Die Country-Befürchtungen schienen sich also zu bestätigen!


Das taten sie erst recht, als nun die Band die Bühne betrat: Alle Musiker trugen zu weißen Hemden schwarze sogenannte Bolo Ties (ich kenne diese Accessoires auch als „Cowboykrawatten“). Gibb trug ein rotes Exemplar, vor allem aber einen goldenen Anzug sowie goldene Schuhe. Der ganze Mann war quasi verspiegelt!

Los ging es dann auch mit schlappen 11 Liedern vom aktuellen Album „Home On Native Land“, und es wurde sehr, sehr Country-mäßig. Mit "Don't Make Me Promises" folgte später im Set sogar noch ein zwölftes. Aufgrund meiner wenigen Erfahrungen mit dem Musikstil – und sicherlich auch, weil Joel Gibb offen mit seiner Homosexualität umgeht – musste ich öfters an den Film Brokeback Mountain denken, den ich damals so toll fand, dass ich mir sogar den Soundtrack besorgte. Der klang auch ein bisschen so.


Gesprochen wurde nur wenig, allerdings erklärte Gibb gleich zu Beginn, er sei hier vor zwölf Jahren schon einmal aufgetreten, das sei ihm aber erst eingefallen, als er heute durch die Tür gekommen sei. Er fragte, ob jemand aus dem heutigen Publikum auch damals dabei gewesen sei, was zwei Besucher bejahten – das waren sicherlich zehn Prozent aller Gäste des Abends.

Bei „The Day I Left Home“ stupste ich meinen Freund an – dieses Lied hatte ich bereits bei uns Zuhause gehört. Und tatsächlich wurde ab diesem Song alles besser. Nun kamen die älteren Lieder zum Zuge, und als bei „Carpe Jugular“ Gibb mit eine Geste andeutete, dass nun Musik von CD eingespielt werden sollte, die sich als Disco-Sound entpuppte, flippte das Publikum geradezu aus und bildete quasi einen winzigen Moshpit. Gibb legte seine Gitarre beiseite und lieferte Roboter-artige Tanzeinlagen. Anschließend folgte das ebenfalls abgefeierte „Underage“, das wiederum mit CD-Klängen unterstützt wurde. Dazu hatte die Band noch synchrone Sprünge eingeübt.


Weiter ging es mit den älteren Songs – zu „Learning to Lie“ wurde im Publikum Rock’n’ Roll getanzt – bis das Konzert mit „In the NA“ bei bester Publikumsstimmung sein erstes Ende fand. Die Band ließ sich aber zurück auf die Bühne klatschen und spielte nun zwei Songs des Albums „Mississauga Goddam“, nämlich „I Believe In The Good Of Life“ sowie „Music Is My Boyfriend“. Zu letzterem wurde ein offensichtlich mit der Band bekannter junger Mann auf die Bühne gebeten und genötigt, Tamburin zu spielen, was dieser auch sehr gewissenhaft tat. In den letzten Minuten des Songs erklomm noch ein weiterer, vermutlich nicht persönlich bekannter Zuschauer die Bühne und sang den Refrain mit.

Anschließend ließ sich die Band noch überreden, „Bboy“ zu spielen, dann war endgültig Schluss. Ich muss sagen, dass ich selten ein derart schlecht besuchtes Konzert erlebt habe, bei dem die Stimmung so gut war. Da konnte man dann fast verzeihen, dass die erste Hälfte eher mäßig gewesen war und die Lieblingslieder „Ban Marriage“ und „Gay Goth Scene“ fehlten.

Setliste:

You And Me Again
Ode To An Ah
Dark End Of The Street cover
Counting Stars
The Great Reward
He Is The Boss Of Me
Be What I Want
Log Driver’s Waltz
Drunk Dancer’s Waltz
Big Blue - großer blau
Day I Left Home
Awoo
Death Of A Tune
Bread For Brat
Carpe Jugular
Underage
Learning To Lie
Don’t Make Promises
In The NA

I Believe In The Good Of Life
Music Is My Boyfriend

Bboy

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Die Festivalsaison 2016 liegt nun definitiv hinter mir (genauer gesagt tut sie das schon seit August). Ich besuchte zum ersten Mal seit d...

Festival-Terror im Winter


Die Festivalsaison 2016 liegt nun definitiv hinter mir (genauer gesagt tut sie das schon seit August). Ich besuchte zum ersten Mal seit dessen Gründung nicht das Maifeld Derby, dafür aber das Down the Rabbit Hole in den Niederlanden, einen Tag des Best Kept Secret (ebenfalls Holland), das A Summer's Tale in der Lüneburger Heide und das Stockholm Music & Arts Festival in, richtig, Stockholm.

Eigentlich hätte ich erwartet, nun bis zum Jahreswechsel meine Ruhe vor dem Thema zu haben. Vielleicht könnte man sich irgendwann überlegen, ob man, wie in manchen Vorjahren, ein günstiges Vorab-Ticket fürs Maifeld Derby kauft, aber das wäre wohl die einzige Festival-bezogene Entscheidung, die in der kalten Jahreszeit getroffen werden müsste. Dann könnte man sich im Frühjahr die diversen Bestätigungen für die Sommerfestivals ansehen, und nach einem Blick in den eigenen Terminkalender in Ruhe ein passendes auswählen. Anschließend würde man vom Freund überredet werden und noch zu zwei weiteren gehen...


Weit gefehlt. Der immer härter werdende Konkurrenzkampf zwischen den diversen Musikfestivals führt dazu, dass man auch im Winter keine Ruhe hat. Offenbar wird bereits jetzt heftig geplant, gebucht, bekannt gegeben und dafür gesorgt, dass der "Gegner" im Regen steht. Nicht umsonst hat das kleine Montabaurer Mair1-Festival, das dieses Jahr bereits sein zehnjähriges Jubiläum ausfallen ließ, nun schon bekannt gegeben, dass es auch 2017 keine Wiederaufnahme geben wird. Das kleine Metal-Festival an meinem Wohnort interessiert mich musikalisch natürlich wenig, dennoch habe ich Mitleid mit den Organisatoren, deren Veranstaltung nach acht Jahren keine passenden Bands mehr bekommt. Offenbar ist bereits jetzt absehbar, dass man beim Booking auch dieses Mal auf keinen grünen Zweig kommen wird.

Maßgeblich verantwortlich für diese Situation ist sicherlich, dass Deutschlands größtes Festival Rock am Ring seit dem letzten Jahr in Mayen stattfindet - was so nahe liegt, dass sicherlich jede dort auftretende Band in den Vertrag geschrieben bekommt, dass ein Auftritt in Montabaur zu unterlassen ist. Mitte Oktober wurden bereits Die Toten Hosen und System of a Down für Rock am Ring 2017 bestätigt, hinter den Kulissen weiß man dort sicher auch schon mehr - fürs Mair1 wären natürlich nur die kleineren Rock am Ring-Bands interessant gewesen. Der Vorverkauf läuft natürlich schon.


Vorher, bereits am 11. Oktober, bestätigte das portugiesische NOS Alive-Festival bereits Depeche Mode als Headliner. Wer sicher gehen möchte, diese selten erscheinende Festivalband sehen zu können, muss also möglichst schnell und ohne Kenntnis des kompletten Lineups entscheiden, ob er im Juli 2017 nach Portugal fährt oder eben nicht. Mittlerweile wurden als weitere Headliner Foo Fighters, The Kills und Alt-J bekannt gegeben - acht Monate im Voraus. Während ich bei Depeche Mode noch interessiert aufgeschaut hatte, können mich die restlichen Headliner nicht begeistern - Glück gehabt, dass ich nicht sofort beim Ticketkauf zuschlug!

Glücklich können sich im allgemeinen Kampf um die Bands und Besucher die Festivals schätzen, bei denen die Gäste treu und völlig blind Jahr für Jahr Karten kaufen, weil der Besuch für sie zur Tradition geworden ist. Neben Rock am Ring profitiert hier auch das kleine norddeutsche Haldern Pop, das seinen Vorverkauf für August 2017 am 1. Oktober begann und auch vollendete - ausverkauft, ohne eine einzige Bandbestätigung.


Für mich käme als "Blindbuch"-Kandidat noch das A Summer's Tale in Frage, das ich letztes und vorletztes Jahr besuchte, und das mit der Kombination von guten Bands, entspannter Atmosphäre und einem interessanten Rahmenprogramm bestach - nur hat dieses Festival seltsamerweise noch keinen Termin für 2017 bekannt gegeben. Warum das so ist, weiß ich natürlich nicht, könnte mir aber vorstellen, dass der Booking-Krieg um die beliebtesten Bands auch hier eine Rolle spielt.

Der bisherige Sieger aus meiner persönlichen Sicht? Das niederländische Best Kept Secret Festival, das Ende Oktober Radiohead und letzte Woche Arcade Fire als Headliner bekannt gab. Am Samstag begann der Vorverkauf, und nachdem beide Bands eine zweifellos enorme Anziehungskraft auf die Zielgruppe haben, besitze ich nun ein Ticket. Ich weiß nun also schon, was ich Mitte Juni 2017 mache...

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Was macht eigentlich Finn Wolfhard, der Junge aus Stranger Things, so? Erstaunlicherweise ist er mittlerweile Sänger einer Punkband, zie...

Sendeschluss: PUP - Sleep in the Heat


Was macht eigentlich Finn Wolfhard, der Junge aus Stranger Things, so? Erstaunlicherweise ist er mittlerweile Sänger einer Punkband, zieht in einem alten Bus durch die Lande und fährt in diesem Zusammenhang überraschenderweise auch Auto. Kürzlich hat er sich mit einem riesigen streunenden Hund angefreundet und hat sehr viel in dessen medizinische Behandlung investiert.

Gut, natürlich ist all das nur die Handlung des neuen Videos der kanadischen Band PUP, immerhin ist der junge Mann ja Schauspieler. Das Video ist für alle, die Tiere mögen und denen ihre befellten Freunde schon Sorgen bereitet haben, dringend zu empfehlen.

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Seit einiger Zeit lese ich in verschiedenen Blogs, wie einfach und toll es sei, sein eigenes Granola (alias Crunchy Müsli oder auch Knu...

Mein erstes Granola


Seit einiger Zeit lese ich in verschiedenen Blogs, wie einfach und toll es sei, sein eigenes Granola (alias Crunchy Müsli oder auch Knuspermüsli) zu machen. Tatsächlich lesen sich die Anleitungen stets gut umsetzbar, und als ich eine fand, die sowohl meine Lieblingsnussarten Cashews und Pekannüsse sowie Bananen und Zimt enthielt (hier) war klar, dass es nun an der Zeit war, in die Müsliherstellung einzusteigen.


Beim Einkaufen ereilte mich dann ein kleiner Schock. Da ich wusste, dass ich sämtliche Zutaten am einfachsten bei dm bekommen würde, kaufte ich eben dort ein, weshalb alle Produkte aus der firmeneigenen Bio-Linie stammten, mit den entsprechenden Preisen. Cashew- und Paranüsse und auch das im Rezept verwendete Kokosöl sind in jedem Fall eher hochpreisig, und so kam mein Bio-Einkauf auf etwa 20 Euro. Hui! Immerhin werden einige der Zutaten (Haferflocken, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Kokosöl, Kokosflocken) noch für weitere Einsätze zur Verfügung stehen, auch ein paar Cashewnüsse sind noch übrig.


Gestern ging es dann an die Zubereitung, die, wie im verlinkten Blog beschrieben, ausgesprochen einfach war: Ich mischte alle trockenen Zutaten, dann kamen das geschmolzene Kokosöl und die zermatschten Bananen dazu und die Masse kam in den Ofen, wo ich dann während des Backens mehrfach darin herumrührte. Während sich mein Freund beim Mischen der Zutaten noch darüber beschwert hatte, dass alles nach Kokosnuss stänke, breitete sich beim Backen ein wunderbarer Bananen- und Zimtduft aus, der selbst ihm gefiel.


Das abgekühlte fertige Müsli wanderte dann in ein Vorratsglas und wurde heute morgen feierlich zum Frühstück getestet. Ein Müsli mit derart hohem Nussanteil ist nicht nur teuer, sondern auch gehaltvoll - vielleicht muss ich in Zukunft mit weiteren Haferflocken strecken, denn mein Granola dürfte, wenn man es pur als Frühstück genießt, eine ziemliche Kalorienbombe sein. Geschmacklich war es auf jeden Fall wunderbar, und die Süße der Bananen reichte tatsächlich aus - eine Zugabe von Zucker war aus meiner Sicht nicht erforderlich.


Somit steht fest: Ich werde mich nun auch an andere Granola-Rezepte wagen. Vielfach wird, soweit ich das bei Chefkoch recherchieren konnte, mit günstigeren Zutaten gearbeitet, und wenn ich ein paarmal gebacken habe, werde ich mich auch sicherlich trauen, selbst Rezepte zu variieren. Nur schade, dass ich mir für den ersten Test quasi den "Porsche" unter den Granolas ausgesucht hatte. An dem müssen sich meine kommenden Versuche dann erst einmal messen...


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Hundreds habe ich, so rechnete ich das zumindest auf der Hinfahrt zum Konzert in Frankfurt am letzten Samstag aus, nun mindestens sieben ...

Neulich beim achten Streich: Hundreds im Frankfurter Zoom


Hundreds habe ich, so rechnete ich das zumindest auf der Hinfahrt zum Konzert in Frankfurt am letzten Samstag aus, nun mindestens sieben Mal live gesehen, mit Samstag also acht Mal. Das letzte Konzert war nun aber schon eineinviertel Jahre her, und es gibt Neues von den Geschwistern aus Hamburg, in Form ihres dritten Albums namens „Wilderness“. Selbiges hatte ich in der Woche vor dem Konzert erst ein paar Mal gehört und fühlte mich hinsichtlich meiner Konzertaufgabe „Setliste mitschreiben“ deshalb etwas unsicher.


Im Zoom war es bei unserer Ankunft schon ziemlich voll – ein Zustand, in dem ich den kleinen Club überhaupt noch nie erlebt hatte. Hier sah ich schon Jens Lekman, Maccabees, Tunng und zuletzt Sophia, stets gab es reichlich Platz. Wenn man in Betracht zieht, dass Hundreds aber auch schon in der Frankfurter Brotfabrik und im Wiesbadener Schlachthof aufgetreten sind, erschien das Zoom allerdings auch als ein dem Publikumserfolg der Band von der Kapazität her nicht ganz angemessener Club.

Vielleicht hatte man auch im Zoom nicht mit so viel Andrang gerechnet – das würde erklären, warum die Garderobenschlange sich einmal durch den kompletten Club zog und sich niemand vom Personal bequemte, spontan hinter der Abgabetheke mitzuhelfen.


So stand ich auch noch mit unseren Mänteln Schlange, als der Support-Act Arpen bereits sein erstes Lied spielte. Es handelte sich um zwei junge Männer, Arpen selbst und einen ihn begleitenden Musiker, mit Synthesizern und einem offensichtlich nicht funktionierenden Percussiongerät. In der ersten Reihe vor der Bühne, die ich in der Mitte des dritten Liedes wieder erreichte, hörte man leises Klacken beim Auftreffen der Sticks auf die Pads, aber über die Lautsprecher war nichts zu hören. Ansonsten war die Musik ganz nett, aber auch nicht sonderlich einprägsam.

Neben den Milners ist bei den Liveauftritten von Hundreds nach wie vor Florian Wienczny als Schlagzeuger dabei. Er erschien nun auf der Bühne, prüfte gemeinsam mit einem uns unbekannten jungen Mann die diversen Instrumente und stellte sicher, dass für den Auftritt alles bereit war. Nachdem wir schon einmal erlebt hatten, dass Philipp bei einem Hundreds-Konzert vertreten werden musste, rätselten wir schon, ob er krank sei. Dann betrat Florian aber gemeinsam mit Philipp „richtig“ die Bühne, und die beiden spielten das Intro zu „Wilderness“, bevor auch Eva ihre Position vorne einnahm.


Eva kannten wir bislang in zwei Outfit-Variationen: Bei den Live-Auftritten zum ersten Album „Hundreds“ hatte man sie stets in einem asymmetrischen schwarzen Overall gesehen, das zweite Album „Aftermath“ präsentierte sie in einem schwarzweißen Kleid (genauer gesagt gab es mehrere). Anlässlich der neuen Albumveröffentlichung rechnete ich nun wieder mit einem neuen Outfit und behielt Recht: Für „Wilderness“ kommt ein neuer Einteiler zum Einsatz, dieses Mal aus dunkelblauem Samt und ärmellos, dazu gibt es noch ein Jäckchen aus Tüll. Natürlich war sie wieder barfuß (in einem Interview las ich, dass sie mit Schuhen Angst hätte, beim Singen umzufallen). Bei einem Festival hatten wir schon einmal gesehen, dass die Bühne vor dem Hundreds-Auftritt auf eventuelle Barfuß-Gefahren untersucht wurde. Im Zoom hielt man das offensichtlich nicht für nötig, dafür trat Eva während des Auftritts auch in ein Steinchen.


Auch in Punkto Beleuchtung denkt sich die Band immer wieder etwas Neues aus. Während bei der „Aftermath“-Tournee mit schwarzem Stoff umwickelte Leuchtröhren mit von der Partie gewesen waren, gibt es nun vereinzelt Strobolicht sowie wie gehabt bei manchen Liedern Projektionen via Beamer – einige kannten wir bereits von vergangenen Auftritten, andere waren neu. Außerdem nahm einmal eine Kamera am linken Bühnenrand Eva auf und warf deren verfremdete, comic-artige Bilder an die Bühnen-Rückwand.


Das Set begann mit mehreren Liedern aus „Wilderness“, erst zum dritten, älteren Song „Fighter“ begrüßte uns Eva, erzählte vom neuen Album und dass man sowohl Lieder daraus als auch ältere spielen werde – wie „Fighter“. Anschließend folgten weitere vier Lieder von „Wilderness“. Eva tanzte weniger, als wir das bei vergangenen Auftritten gesehen hatten, aber das lag möglicherweise einfach an den leicht beengten Bühnenverhältnissen: Im schmalen Zwischenraum von Philipps Keyboard-Türmen und Florians Schlagzeug barg jedes Tänzchen das Risiko, etwas umzureißen. Ein wenig tanzte die Sängerin aber natürlich dennoch, und als kürzlich Yoga-Interessierte erkannte ich auch, dass sie uns zweimal den „Baum“ präsentierte… Ähnlich wie auf dem Album gingen „Black Sea“ und „Spotless“ fließend ineinander über.


In der zweiten Konzerthälfte kamen wieder ältere Titel in den Vordergrund, etwa „Beehive“ und eine akustische Version von „Ten Headed Beast“, für die Florian die Bühne verließ und bei der Philipp mitsang.

Viel zu schnell ging das Konzert vorbei, schon bald kündigte Eva mit „Happy Virus“ das letzte Lied an. Auf der auch aus Zuschauersicht gut lesbaren Setliste konnte man allerdings sehen, dass auch eine Zugabe eingeplant war – wenn auch nur mit einem Lied. So kehrten die drei nochmals für „Grab The Sunset“ zurück, wobei Eva nach dem Song die Bühne verließ und die beiden Männer anschließend noch eine kleine Geräusch- und Beatorgie feierten, bevor sie sich ebenfalls verbeugten und verabschiedeten.


Schade, dass auf der Setliste kein Platz mehr für „Lily“ und „Take it down“ vom neuen Album war. Dennoch war auch dieses Hundreds-Konzert natürlich wieder toll, und es machte Spaß, das neue Material live zu hören – wie auch die altbekannten Hits. Evas Stimme klang wie immer perfekt. Daran konnte man sich auch noch sehnsüchtig erinnern, als man in der zum Konzertende noch viel längeren Garderobenschlange wartete…

Setliste:

Wilderness
Bearer & Dancer
Fighter
What Remains
Black Sea
Spotless
Unfolded
Rabbits On The Roof
Ten Headed Beast
Our Past
Un-Unify
Beehive
Let's Write The Streets
Happy Virus

Grab The Sunset

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Moment mal, Katie Melua? Seit wann kommt im Sendeschluss denn Seicht-Pop vor? Seit diesem im wahrsten Sinne des Wortes zuckersüßen Video....

Sendeschluss: Katie Melua - Perfect World


Moment mal, Katie Melua? Seit wann kommt im Sendeschluss denn Seicht-Pop vor? Seit diesem im wahrsten Sinne des Wortes zuckersüßen Video. Während ich in der Realität mit dem immer kälter werdenden Wetter hadere und die erste Erkältung des Winters naht, erinnert einen die Zucker-Schneewelt von Frau Melua daran, dass der Winter zumindest auch seine schönen Seiten haben kann.

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Im Oktober hatte ich Geburtstag und bekam einen ganzen Haufen tolle Geschenke! Mir selbst schenkte ich außerdem einen luxuriösen Wellness...

Gekauft: Oktober 2016


Im Oktober hatte ich Geburtstag und bekam einen ganzen Haufen tolle Geschenke! Mir selbst schenkte ich außerdem einen luxuriösen Wellness-Tag in meinem ehemaligen Fitness-Studio und hatte obendrein eine Woche Urlaub. All das lässt sich hier aber nicht sonderlich gut abbilden, also zeige ich hier stattdessen eine physische Anschaffung: Nachdem ich sicherlich seit einem halben Jahr darüber nachgedacht hatte, habe ich mir im Oktober sehr teure Kopfhörer mit "Noise Cancelling"-Funktion gekauft.

Solche Kopfhörer schaffen es irgendwie, Geräusche aus der Außenwelt aktiv zu überdecken. Das kann im Großraumbüro oder auch beim Zugfahren extrem hilfreich sein: Man setzt die Kopfhörer auf und das quengelnde Kind (oder der dauer-telefonierende Kollege) ist mit einem Mal viel leiser. Und anders als bei herkömmlichen Kopfhörern muss man dafür Musik, Hörbuch oder Podcast nicht bis zum Anschlag aufdrehen.

Auch wenn ich angesichts der hohen Anschaffungskosten von über 300 Euro lange im Zweifel war, muss ich sagen, dass ich meine erste Woche mit "Noise cancelling" sehr genossen habe. Selbst beim Staubsaugen kann ich plötzlich Podcasts hören, und oft bin ich, wenn ich die Kopfhörer im Zug oder unterwegs abnehme, überrascht, wie laut es in meiner Umgebung ist.

Dass ich dank Bluetooth-Verknüpfung nicht bei jeder Benutzung ein Kabel entwirren muss, ist ein nettes Extra-Feature!

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Ich weiß nicht warum, aber ich habe den Film Westworld mit seiner Vision von erst misshandelten und dann rebellierenden Robotern immer h...

Gesehen: Oktober 2016


Ich weiß nicht warum, aber ich habe den Film Westworld mit seiner Vision von erst misshandelten und dann rebellierenden Robotern immer höchst faszinierend gefunden. Auch die Grundidee einer Urlaubswelt, in der schlicht alles passieren kann, erschien mir spannend. Und so war ich durchaus angetan, als ich erfuhr, das es eine auf dem Film basierende HBO-Fernsehserie geben sollte. Westworld, HBO, das musste ja großartig werden!

Mittlerweile kenne ich die ersten fünf Folgen und muss sagen: Ja und Nein. Zunächst einmal: Die Serie ist wunderbar gemacht, die Darstellung sowohl der Western-Welt als auch des "technischen Unterbaus" ist großartig und hat sicher Millionen gekostet. Die Schauspieler (Evan Rachel Wood, Anthony Hopkins, Thandie Newton, Jeffrey Wright, Ed Harris) sind allesamt phantastisch, die Handlung spannend und bislang hat mich jede Folge gefesselt.


Was stört also? Dass es sich beim Zusehen nicht vermeiden lässt, die Logik des gesamten Ferienparks zu hinterfragen. Vermutlich ist es gut, dass in der Filmvorlage die Revolution der Roboter sehr schnell nach dem Handlungsbeginn einsetzt. Wenn man dagegen in der Serie den nach wie vor leidlich gut funktionierenden Freizeitpark-Alltag beobachtet, wirft das viele Fragen auf: Kann es wirklich sein, dass die Besucher sicher sind? Schusswaffen wirken (zumindest bis auf weiteres) nur, wenn sie auf Roboter gerichtet werden, aber wie ist das bei Messern? Wer hindert Gäste daran, sich versehentlich gegenseitig umzubringen? Wo essen und schlafen die Luxusurlauber - es wird doch nicht jeder damit zufrieden sein, ständig und ohne Wechselkleidung draußen zu schlafen? Kann es wirklich sein, dass die hochkomplexen Roboter, die annähernd täglich schwer beschädigt werden, über Nacht repariert werden können? Und wie können die Parkangestellten das wahrlich riesige Areal überhaupt unter Kontrolle behalten und jederzeit schnell die entlegensten Teile erreichen? In einer Folge wird zudem das Besucher-Roboter-Verhältnis erwähnt, das annähernd ausgeglichen sein soll - aber in allen bislang gezeigten Situationen waren die Roboter in der großen Überzahl.

Die Tatsache, dass ich normalerweise gar nicht der Typ bin, der unlogische Handlungen schnell hinterfragt und außerdem diese Serie wirklich mögen will, zeigt wohl, dass sich viele meiner "Hä?" Gedanken beim Zusehen nicht umgehen lassen - und es würde mich sehr wundern, wenn es die restliche Staffel schaffen würde, diese Fragen zu beantworten. Aber ich werde sie mir natürlich dennoch ansehen.

Ein wirklich schöner Bonus für Musik-Interessierte: Die Orgel im Western-Saloon spielt Coverversionen von Radiohead, The Cure, Soundgarden und den Rolling Stones.

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Erst kürzlich beklagte ich mich hier darüber, dass ich es so schwer fände, lesenswerte Krimis zu finden. Und - Tusch - beinahe sofort dan...

Gelesen: Oktober 2016


Erst kürzlich beklagte ich mich hier darüber, dass ich es so schwer fände, lesenswerte Krimis zu finden. Und - Tusch - beinahe sofort danach fand ich einen, den ich wirklich gerne hörte, mit einer fesselnden Handlung und interessanten Figuren.

Die Hauptfigur von In The Woods von Tana French wurde als Kind gemeinsam mit zwei Freunden entführt. Während Adam wenig später mit Schuhen voller Blut und völlig verängstigt im Wald nahe seines Elternhauses in einem Dubliner Vorort gefunden wurde, wurden seine beiden Freunde nie wieder gesehen - und Adams Erinnerungen an das Geschehene sind blockiert. Vielleicht deshalb will er als Erwachsener unbedingt zur Polizei und Morde untersuchen. Von den Kollegen weiß niemand über die Vergangenheit des Ermittlers, der inzwischen seinen Vornamen geändert hat, Bescheid, nur seiner Partnerin und besten Freundin hat er sich anvertraut.

Als ein junges Mädchen im selben Wald ermordet wird, in dem damals Adams Freunde verschwanden, erscheint es unwahrscheinlich, dass die beiden Fälle nicht zusammen hängen - und Adams mühsam aufrecht erhaltene geistige Ausgeglichenheit zerbricht in Rekordzeit.

Wie gesagt, sowohl der Erzähler, der gleichzeitig die Hauptfigur ist, als auch dessen Kollegen wachsen einem beim Lesen regelrecht ans Herz, außerdem konnte ich es kaum erwarten, die Lösung beider Verbrechen zu erfahren. Das Ende ist für diese Art Roman gleichermaßen überraschend wie auch etwas frustrierend, dennoch möchte ich unbedingt mehr von Tana French lesen oder hören.

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Langsam, mit meinem mittlerweile vierten Besuch eines Konzerts von The Cure, werden meine Beteuerungen, dass diese Band in meiner Jugen...

Neulich bei einem kurzen langen Konzert: The Cure in der Frankfurter Festhalle


Langsam, mit meinem mittlerweile vierten Besuch eines Konzerts von The Cure, werden meine Beteuerungen, dass diese Band in meiner Jugend keine große Rolle gespielt hat, ein wenig unglaubwürdig. Tatsächlich ist mein Freund der langjährige Fan in unserem Haushalt, und als ich im März ein Geburtstagsgeschenk für ihn suchte, kam mir das damals angekündigte Zusatzkonzert in der Frankfurter Festhalle gerade recht.

Bei meinem Ticketkauf hatte ich den Vorverkaufsstart allerdings schon verpasst. In Erinnerung an das schier endlose Konzert mit über 40 Songs in London vorletztes Jahr und an einen anderen Besucher damals, der nach dem stundenlangen Stehen gar einen Hexenschuss gehabt hatte (ja ja, die Fans der 80er Jahre Bands bekommen langsam altersgerechte Zipperlein), wollte ich dieses Mal unbedingt Sitzplätze buchen. Die besten seitlich der Bühne waren leider schon ausverkauft, also nahm ich Karten in „Block J“, ebenfalls erster Rang, aber gegenüber der Bühne.


Servicehinweis an Blogbesucher, die einen Konzertbesuch in der Frankfurter Festhalle erwägen: Nicht Block J buchen, das bringt nichts! Um das Bühnengeschehen im Detail verfolgen zu können, bräuchte man auf jeden Fall ein Fernglas. Das macht das Eintauchen ins Konzertgeschehen eher schwierig, da man sich als Zaungast fühlt.

Zunächst spürten wir das bei der Vorband The Twilight Sad. Während die Schotten als Vorband der Editors letztes Jahr das Publikum und auch mich schwer beeindruckt hatten – tatsächlich hatte ich mich auf das Wiedersehen gefreut – verpuffte der Auftritt aus 300 Metern Distanz ziemlich. Dabei war er vermutlich in Wirklichkeit genauso gut, zumindest vorne wurde auch dieses Mal stark gejubelt. Hinten bei uns hatte ich dagegen die Muße, die genauen Abmessungen der Festhalle (und damit meinen Abstand zur  Bühne) zu googlen, und stieß dabei in den FAQs der Halle auf eine putzige Erklärung dafür, wozu Vorbands überhaupt da sind: „Ein Support Act hat im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen soll den Nachwuchsmusikern die Möglichkeit gegeben werden, einmal vor großer Kulisse zu spielen, zum anderen soll die Vorband den Besuchern einen Vorgeschmack auf das Konzert der Hauptband geben.“


Diesen Angaben entsprechend rechneten wir also damit, dass Robert Smith an diesem Abend mit schottischen Akzent auftreten und viel mit den Armen fuchteln würde, so wie James Graham das eindrucksvoll demonstrierte. Das traf dann so nicht ein…

Setliste:

Reflection of the Television
Last January
Don't Move
Mapped by What Surrounded Them
Alphabet
Nil
It Never Was the Same
There's a Girl in the Corner
And She Would Darken the Memory


Hinsichtlich The Cure hatte mein Freund bereits vorrecherchiert, dass die Band bei ihrer aktuellen Tour zwischen vier groben Setlisten abwechselt, die zusätzlich von Auftritt zu Auftritt leicht variieren. Insgesamt haben The Cure 2016 mehr als 80 unterschiedliche Lieder live gespielt. Er hatte sich auch bereits seine „Vorzugs-Setliste“ ausgesucht, die mit drei Songs von seiner Lieblingsplatte „Disintegration“ beginnt und weitere sechs im Laufe des Abends folgen lässt. Diese war aber bereits am Vorabend in Stuttgart dran gewesen, unsere Chancen standen also schlecht (wie wir heute wissen, folgte sie auch am kommenden Abend in Leipzig).

Unser Konzertabend dagegen wurde mit „Shake Dog Shake“ und einer Vielzahl an Album-Tracks eröffnet, die erste Single war „In Between Days“ an fünfter Stelle. Den Bekanntheitsgrad von Liedern beim Frankfurter Publikum konnte man von oben sehr gut an der Menge der leuchtenden Handy-Displays ablesen. Im hinteren Stehplatz-Bereich der Halle bildete sich bei den größeren Hits auch immer wieder spontan eine kleine Gothic Disco. Danach folgte die erste, kaum verständliche Ansage, vielleicht erzählte uns Robert Smith, dass nun mit „Step Into the Light“ das einzige neue Lied folgen würde. Im Mai hatten The Cure es zum ersten Mal live gespielt, die letzte Cure-Platte liegt immerhin bereits 8 Jahre zurück.


Wie gesagt, wir waren sehr weit weg von der Bühne, immerhin sieht Robert Smith praktischerweise so markant aus, dass man ihn auch aus dieser Distanz zumindest perfekt erkennen kann. Umso besser konnten wir uns aus der Ferne auf die Lichteffekte konzentrieren, die auf fünf vertikalen Videoleinwänden gezeigt wurden. Gelegentlich waren die fünf Bandmitglieder zu sehen, teilweise werden sie zur visuellen Untermalung von Songs genutzt, was mal weniger gut („Lullaby“ - schlecht animiertes Spinnennetz samt Spinne), mal besser (Schattenumrisse von Geishas bei „Kyoto Song“ oder Sonnenaufgang über grünem Meer bei „From the Edge of the Deep Green Sea“), mal sehr gut (schwarz-weiß Bilder aus Kriegen zu „One Hundred Years“) gelang. Der Sound an unserem Ende der Halle war nicht schlecht, aber auch nicht großartig.

In unserem Umfeld machten die anderen Konzertbesucher das beste aus der Lage: Während unsere Nachbarn sich vergeblich in einen anderen Block schlichen und schnell wieder zurück kamen, stellten sich viele Besucher zum Tanzen hinter die eigentlichen Sitzreihen. Eine Frau vor uns scheute diesen Weg und tanzte direkt an ihrem Platz zu „Lovesong“ und „Just Like Heaven“ - ohne die Kritik der Sitznachbarn hinter sich, denen sie so komplett die Sicht versperrte, zu berücksichtigen.


Obwohl wir an diesem Abend leider nicht die „Top-Setliste“ erwischt hatten, fiel die Songauswahl zu meiner Erleichterung deutlich eingängiger aus als ich das in London (wo ich gefühlt kaum ein Lied kannte) erlebt hatte. Es gab keine raren B-Seiten, sondern nur „Burn“ aus dem The Crow-Soundtrack von 1994. „Freakshow“ sollte das dieses Jahr am seltensten (fünfmal) live gespielte Lied des Abends sein.

„The Head On The Door“ war mit vier Songs (plus ein weiterer in den Zugaben) das Album, das bei der Setliste am häufigsten bedacht wurde. Der Hauptteil endete dann nach 15 Songs mit dem dissonanten „Give Me It“, dieser wurde also von zwei „The Top“-Titeln eingerahmt. Dieses Konzept gilt auch für die anderen Setlisten, dann jeweils mit zwei Liedern aus „Disintegration“, „Wish“ oder „Bloodflowers“.


Natürlich bedeutete das Ende des regulären Sets quasi nur die Halbzeitmarke, sofort folgten Zugaben – aktuell sind das immer drei. Robert Smith sagte bei seiner Rückkehr auf die Bühne etwas von „Seventeen Seconds“. Die folgenden vier Songs verdeutlichten, was es wohl war, denn „At Night“, „M“, „Play for Today“ und „A Forest“ stammen aus diesem Album. Bei „Play for Today“ konnte man am Ende der Halle die von Fans mitgesungene Melodie leider nicht hören, aber bei „A Forest“, auf das natürlich viele Fans gewartet hatten, hatte definitiv alles seine Richtigkeit: Die Band verließ die Bühne, während der Bassist und die Zuschauer den typischen Rhythmus noch ein wenig verlängerten. Die leuchtenden Handydisplays waren nun auch noch zahlreicher als vorher bei „In Between Days“ und „Just Like Heaven“.

Zum zweiten Zugabenteil, als manche Zuschauer ungeachtet der Tatsache, dass die Hitdichte nun stetig zunahm, bereits die Halle verließen, wagten wir uns nach vorne und stellten uns hinter den vordersten Sitzblock. Plötzlich hatten wir eine viel bessere Sicht und auch die Akustik war vorne ansprechender. Wir hatten eigentlich mit einer schwachen Phase gerechnet, nun bekamen wir aber drei „Disintegration“ Songs (und, na ja, „Never Enough“). Bei „Lullaby“ bekam eine kurze Tanzeinlage von Robert Smith Szenenapplaus.


Aus der Nähe konnten wir auch erkennen, dass Smith wie üblich geschminkt war, und dass seine bekannte Vogelnestfrisur am Hinterkopf in ein Pferdeschwänzchen mündete. Bassist Simon Gallup hatte seine Verstärker mit verschiedenen Materialien, unter anderem einer Fahne des Reading Football Clubs, dekoriert und machte die relative Bewegungslosigkeit der anderen Bandmitglieder durch ständiges Auf- und Abgehen wett.

Im folgenden dritten Zugabenteil legte Robert Smith nach „The Walk“ die Gitarre zur Seite und griff für „Freakshow“ zum Klangholz. Jetzt kamen noch vier Hits: „Friday I'm in Love“ und „Boys Don't Cry“ begleitete er mit der akustischen Gitarre, es folgten eine sehr schnell gespielte Version von „Close to Me“ und „Why Can't I Be You?“, die er beide ohne eigenes Instrument sang.


Dann war, nach 225 Minuten, Schluss. Für The Cure-Verhältnisse ein geradezu kurzer Abend, wobei 29 gespielte Songs im aktuellen Durchschnitt liegen und immer noch sehr ordentlich sind. Band und Publikum werden ja auch nicht jünger…

Setliste:

Shake Dog Shake
alt.end
All I Want
Push
In Between Days
Step Into the Light
Kyoto Song
A Night Like This
Lovesong
Just Like Heaven
If Only Tonight We Could Sleep
Burn
From the Edge of the Deep Green Sea
One Hundred Years
Give Me It

At Night
M
Play for Today
A Forest

Pictures of You
Lullaby
Fascination Street
Never Enough

The Walk
Freakshow
Friday I'm in Love
Boys Don't Cry
Close to Me
Why Can't I Be You?

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Wer kennt das nicht: Beim Speeddating verliebt man sich spontan in ein riesiges Insekt und verbringt ab diesem Zeitpunkt in Glückseligkei...

Sendeschluss: Millington - Being


Wer kennt das nicht: Beim Speeddating verliebt man sich spontan in ein riesiges Insekt und verbringt ab diesem Zeitpunkt in Glückseligkeit jede freie Minute miteinander. Aber liebt einen das Insekt wirklich, oder verfolgt es am Ende einen finsteren Plan?


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Nicht an jedes von mir besuchte Konzert kann ich mich nach Jahren noch gut erinnern. An mein erstes - und bis Montag einziges - Sophia-Ko...

Nehmt das, ihr Metalbands: Sophia im Frankfurter Zoom


Nicht an jedes von mir besuchte Konzert kann ich mich nach Jahren noch gut erinnern. An mein erstes - und bis Montag einziges - Sophia-Konzert aber sehr gut: Der Künstler trat als Solist in einem Tonstudio auf, das Publikum saß auf Bierbänken. Und nachdem Robin Proper-Sheppard ausgesprochen empfindlich auf Störungen aller Art reagierte, wagte ich das ganze Konzert lang kaum zu atmen. Ohnehin hatte sich das Publikum bereits dadurch disqualifiziert, dass nur ein Besucher verstanden hatte, dass man sich vorab per Internetabstimmung hätte Lieder wünschen können. Und ach ja, neben uns weinte eine Besucherin bei den traurigen Liedern durch. Weitere Details gibt es bei Interesse hier.

All das geschah 2010, also war es höchste Zeit, sich zu einem weiteren Sophia-Konzert zu wagen. Aktuell ist Mr. Proper-Sheppard wieder auf Tournee, mit seinem aktuellen Album "As We Make Our Way (Unknown Harbours)" sowie - im krassen Unterschied zur letzten Live-Erfahrung - mit Band. Auf der Website wurden die deutschen Tourdaten dabei mit den Worten "Ladies and Gentlemen, Sophia 2.0 are happy to announce that we will be continuing our slow, steady and rather noisier than expected march to a town near you this Fall" angekündigt.


Bevor man sich Gedanken machen konnte, mit wie viel Krach man denn genau zu rechnen war, trat im wie immer sehr dunkel gehaltenen Zoom zunächst das irische Ein-Mann-Projekt I Have A Tribe auf. Er begleitete seine seltsam strukturlosen Lieder (einen Refrain konnte ich bei keinem einzigen ausmachen) am Keyboard, hielt gerne mal eine Note besonders lange oder veränderte seine Stimme. Das Ganze wirkte eher irritierend als schön - man konnte ihm nicht absprechen, dass er seine Musik mit Inbrunst vortrug, Spaß machte sie aber mir nicht.

Nach kurzer Pause kam zunächst das Intro des aktuellen Albums, "Unknown Harbours" vom Band, dann traten fünf Männer auf die dunkle Bühne. Einer von ihnen war Robin Proper-Sheppard, die anderen vier wirkten, als wären sie in ihren frühen Zwanzigern. Eines der Bandmitglieder setzte sich an ein Schlagzeug, der Rest verfügte sowohl über Gitarren (bei einem war es ein Bass) als auch Keyboards. Zu Füßen aller Gitarristen und des Bassisten befanden sich Dutzende Effektgeräte.


Direkt nach dem Intro wurde es auch sofort richtig laut, alle schrammelten auf ihren Gitarren, was das Zeug hielt, und ich griff panisch zu meinen Ohrenstöpseln. Bereits im Vorfeld hatten wir erfahren, dass der erste Teil des Konzerts darin bestehen würde, dass das komplette aktuelle Album gespielt würde. So kam es dann auch, wobei Proper-Sheppard quasi nichts sagte, nur hin und wieder "Thank you". Die gespielten Versionen ließen einen denken, härter könne es aber nun wirklich nicht mehr werden („St. Tropez/The Hustle“) und wurde dann immer wieder eines besseren belehrt („It's Easy to Be Lonely“).

Erst nachdem die Platte komplett gespielt war hielt Robin Proper-Sheppard inne und erklärte, er hätte ein neues Album – welches wir soeben vollständig gehört hätten. Andere Band würden viele Jahre warten, um so etwas zu machen, er habe es einfach schon jetzt getan.


Im folgenden musikalischen Teil wurde Proper-Sheppard gesprächiger und fragte in die Runde, wer ihn eigentlich bereits kenne. Als alle im Publikum jubelten fragte er, wer ihn schon mehr als fünf Jahre kenne, und anschließend, wer ihn erst kurze Zeit kenne. Als sich auf die letzte Frage hin niemand meldete, bedankte er sich sarkastisch: "Thanks so much for bringing your friends along and spreading the word!" Quasi zur Stimmungsverbesserung sagte ein Publikumsmitglied, es gäbe einen deutschen Film, in dem einige von Proper-Sheppards Songs vorkämen. Das war dem Künstler bereits bekannt und er kündigte an, die Lieder auch noch zu spielen, wenn auch nicht sofort (bei dem Film handelt es sich übrigens um Absolute Giganten von 1998).

Ich hielt Sophia eigentlich stets für ein Soloprojekt, bei dem allenfalls Studiomusiker (und eben Tourneebegleiter) zum Einsatz kommen. So ist es vermutlich auch, aber er bezeichnete die Band als „we“, und speziell der Keyboarder, der bei beinahe allen Stücken mitsang, tat das mit großer Überzeugung. Auch die Krachorgien, wurden von allen Musikern extrem enthusiastisch ausgeführt. Aber bei einem Perfektionisten wie Proper-Sheppard ist eine engagierte Begleitband wohl zu erwarten.


Bereits nach „Darkness (Another Shade in Your Black)“, das auch auf Platte recht laut ist, dachte man, nun sei das härteste Lied des Abends aber wirklich vorbei. Weit gefehlt. Proper-Sheppard kündigte „The River Song” an, indem er sagte, früher hätte man ihn verspottet als den Typen von The God Machine (seiner ehemaligen Band), der jetzt nur noch ruhige Trauermusik machen würde. Dieses Lied habe sich im Laufe der Zeit aber verändert, und er behaupte, keine Metalband könne es härter spielen als sie jetzt. Dem kann man im Nachhinein nur zustimmen.

Zu manchen Liedern im zweiten Teil des Konzerts erfuhren wir auch deren Geschichte: „If Only“ schrieb Proper-Sheppard nach seinem ersten Date mit der Mutter seiner Tochter. Diese lebt offenbar in England und er mittlerweile wieder in den USA, und anscheinend hat er bei seinen aktuellen Europa- und Englandbesuchen Probleme bei der Einreise. Deshalb sei „Directionless“, das er schrieb, als seine Tochter erst einen Monat alt sei (nun wird sie 20), für ihn wieder hochaktuell, da er sich nie sicher sein könne, ob er einreisen und sie sehen kann.


Zu „Directionless“, einem von ausnahmsweise drei Zugabesongs, meinte er außerdem, es handele sich um sein anderes Lied vom Absolute Giganten-Soundtrack, aber derjenige, der danach gefragt habe, sei nun sicher gegangen, weil es ihm heute Abend zu krachig gewesen sei. Krachig war es durchaus, aber ein interessantes Kontrastprogramm zu meinem ersten Sophia-Konzert: Zwei unterschiedlicher Auftritte kann es wohl kaum geben!


Setliste:

(Unknown Harbours)
Resisting
The Drifter
Don't Ask
Blame
California
St. Tropez/The Hustle
You Say It's Alright
Baby, Hold On
It's Easy to Be Lonely
Bad Man
Ship in the Sand
So Slow
If Only
Oh My Love
Desert Song No. 2
Darkness (Another Shade in Your Black)
The River Song

I Left You
Bastards
Directionless


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Wenn man als ehemalige Fleischesserin schon etliche Jahre vegetarisch isst, kommt man irgendwann in die Situation, dass man manche Fleis...

Neulich als es Pulled Soja gab


Wenn man als ehemalige Fleischesserin schon etliche Jahre vegetarisch isst, kommt man irgendwann in die Situation, dass man manche Fleischwaren noch nie in seinem Leben probiert hat. So geht es mir mit dem seit Jahren andauernden "Pulled Pork" (gefolgt von "Pulled Lachs" und "Pulled Irgendwas")-Trend. Überall gibt es das Zeug zu kaufen, ich habe keine Ahnung, wie es schmeckt und werde es höchstwahrscheinlich nie erfahren.


Normalerweise ist das ja auch kein Problem, aber was macht man, wenn der Freund vom Einkaufen eine Tüte mit "Pulled Soja" mitbringt? Das Produkt besteht aus getrockneten Sojastücken, also muss man als Käufer zubereitungstechnisch noch einiges leisten - aber wie, wenn man gar nicht weiß, an welchem Original man sich orientiert? Das Internet bot hier auch wenig Hilfe: Viele Blogs sind sich einig, dass das besagte Produkt hervorragend schmeckt - doch meist werden die Sojastücke einfach als Geschnetzeltes zubereitet, oder aber eine Information zur gewählten Zubereitungsart fehlt ganz.


Nach längerer Netz-Suche fand ich aber doch noch ein Rezept, das dem entsprach, was ich mir vorgestellt hatte: Eine Zubereitung, bei dem man am Ende eine Art Burger hat - so, wie man es auch bei den Festival-Fressständen mit dem Originalprodukt sehen kann. Überraschenderweise muss man bei diesem Rezept neben dem Sojastreifen auch Linsen verwenden, aber warum auch nicht? Tatsächlich hielt ich mich genau an die Zubereitungsvorschläge der Rezeptseite, verwendete allerdings fertig gekaufte Burgerbrötchen.


Das Ergebnis schmeckte... sehr gut! Die "Burger" waren etwas schwieriger zu essen als solche mit weniger losen Zutaten, aber der Geschack war ganz exzellent. Ob er irgendetwas mit "Pulled Pork" zu tun hatte, weiß ich immer noch nicht, aber vielleicht ist das ja auch egal.

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